WM 2022 - Flicks Dauerdebatte: Was für Kimmich als Rechtsverteidiger spricht - und was nicht

Deutschland steht vor dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Spanien mit dem Rücken zur Wand. Dass Bundestrainer Hansi Flick nach teils eklatanten Abwehrfehlern gegen Japan in der Startelf rotieren wird, ist wahrscheinlich. Wenig überraschend, dass in diesem Zusammenhang auch wieder die Debatte um Joshua Kimmich als möglichem Rechtsverteidiger aufkommt. Doch würde sich Flick damit einen Gefallen tun?

Kohler: "Würde Kimmich auf rechts stellen"

Quelle: MagentaTV

Über eine Stunde Fahrt zum Medienzentrum in Doha, eine drohende Strafe durch die FIFA, in der WM-Gruppe E schon jetzt mit dem Rücken zur Wand - und doch war Hansi Flick auf der Pressekonferenz am Samstag einmal mehr die Ruhe selbst.
Der Bundestrainer strahlte einen Tag vor dem Do-or-die-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien (ab 20:00 Uhr im Liveticker) ein Urvertrauen in die Stärken seines Teams aus. "Wir sind überzeugt von der Idee, wie wir Fußball spielen wollen", wiederholte Flick gleich mehrfach.
Nur einmal wirkte der 57-Jährige geradezu genervt. In dem Moment, als die in Fußball-Deutschland aktuell wohl am heißesten diskutierte Frage aufkam: Ob es nicht im Sinne des Teams sei, Joshua Kimmich aus der Zentrale auf die Position des Rechtsverteidigers zu beordern, wollte ein Reporter wissen.
"Warum im Sinne des Teams?", blaffte Flick zurück. Kimmich könne dort zwar aushelfen, "aber wir haben auch Rechtsverteidiger, die da spielen könnten." Gänzlich ausschließen wollte er die Variante dennoch nicht.
Eurosport.de skizziert die Vor- und Nachteile, die eine solche Umstellung mit sich bringen würde.

Option A: Außenverteidiger Kimmich - Angriff ist die beste Verteidigung

Ja, wer soll es denn nun machen hinten rechts? Die Position bleibt auch in Katar die Achillesferse des DFB-Teams.
Einzig sicher scheint, dass Niklas Süle im Al-Bayt-Stadion von Al-Khor nicht noch einmal wie beim WM-Fehlstart gegen Japan (1:2) in dieser Rolle auflaufen wird. Zu heftig war der mediale Aufschrei, zu deutlich die Kritik der eigenen Kollegen und des Bundestrainers danach.
Als theoretische Optionen bleiben also Thilo Kehrer und Matthias Ginter, die allerdings wie Süle gelernte Innenverteidiger sind und sich in der Mitte deutlich wohler fühlen. Zudem Lukas Klostermann, der es jedoch nach auskuriertem Syndesmosebandanriss gerade so in den WM-Kader schaffte und an dessen Matchpraxis gezweifelt werden darf.
Oder eben: Joshua Kimmich. Eine Notlösung mangels geeigneter Alternativen, ja, aber eben eine charmante.
"Ich würde Joshua auf die rechte Seite stellen", sprach sich beispielsweise Jürgen Kohler bei "Magenta-TV" für diese Option aus. "Kimmich ist ein Spieler, der über die rechte Seite für viel Dampf sorgen kann. Gegen die Spanier sich nur gut zu orientieren und nur gut defensiv zu spielen, das ist zu wenig", so der Weltmeister von 1990.
Auch "ARD"-Experte Thomas Hitzlsperger sieht da so: "Er kann verteidigen und er schaltet gut um, er kann flanken. Das heißt, er hat viele Qualitäten, die auf außen gebraucht werden."

Viererkette: Kimmich würde als Kommunikator helfen

Während Kehrer oder Ginter sich ähnlich wie Süle wohl eher auf die Defensive und gemeinsam mit dem Innenverteidiger-Duo auf den Spielaufbau konzentrieren würden, könnte Kimmich auch in der gegnerischen Hälfte zur Waffe werden. Die Frage ist, ob Flick dieses zusätzliche Risiko angesichts des Offensivdranges von David Raum (oder Christian Günter) auf der linken Seite überhaupt eingehen möchte.
Noch viel wichtiger wäre Kimmich in der Viererkette aber dank einer anderen Stärke: Kommunikation. "Das Defizit gegen Japan war, dass sie nicht gesprochen haben", monierte Hitzlsperger. "Das ist keine letzte Linie, die sich aufeinander verlassen kann, wo jeder weiß, was der andere macht", schrieb Eurosport-Experte Holger Badstuber in seiner WM-Kolumne.
Deutlich zu sehen beim zweiten Gegentor gegen Japan, als Süle nicht mit der restlichen Kette rausschob und somit das Abseits aufhob. Kimmich dagegen redet sehr viel und ist unglaublich spielintelligent. Ein derartiger Fehler mit ihm als Rechtsverteidiger? Unwahrscheinlich.
Allerdings macht er sich dank dieser Eigenschaften auch auf einer anderen Position quasi unverzichtbar...
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Flick nimmt DFB-Team vor "Endspiel" gegen Spanien in die Pflicht

Quelle: SNTV

Option B: Kimmich in der Zentrale - warum die nächste Baustelle aufmachen?

Eines ist sicher: Hätte Hansi Flick zwei Joshua Kimmichs im Kader, er würde sie beide stellen. Sowohl rechts hinten als auch in der Zentrale.
Die große Frage für den Bundestrainer ist nämlich nicht, ob Kimmich der Mannschaft als Rechtsverteidiger guttäte, sondern ob er nicht zu viel damit kaputt macht, indem er ihn aus der Zentrale wegbeordert.
"Joshua Kimmich ist einer der besten Sechser der Welt. Wenn er als rechter Verteidiger spielt, verliert Deutschland einen der besten Spieler im Mittelfeld", sagte beispielsweise Javi Martínez der "BILD". Der 34-Jährige kennt sowohl Kimmich aus der gemeinsamen Zeit beim FC Bayern als auch die spanische Nationalmannschaft, für die er insgesamt 18 Mal auflief.
Ähnlich sieht es Nationaltorhüterin Almuth Schult: "Das Mittelfeld ist das Herz der Mannschaft und der Teil, der am besten funktioniert", sagte die 31-Jährige in der "ARD": "Die Offensive und Defensive hatten ihre Schwierigkeiten. Natürlich könnte man Kimmich jetzt rausziehen, um die Defensive zu stärken, dann würde man aber wieder den Mannschaftsteil, der gut funktioniert, auseinandernehmen."

Kimmich, Gündogan und Kimmich gemeinsam in der Zentrale?

Natürlich klingt das Duo Ilkay Gündogan/Leon Goretzka auf dem Papier nicht minder attraktiv, wäre aber eben ein Experiment. Eines, das sich Flick in der aktuellen Situation kaum leisten kann, will er nicht die nächste Baustelle riskieren.
Zumal es gegen das spielstarke spanische Mittelfeld um die beiden Barça-Youngster Pedri und Gavi vor allem darauf ankommen wird, das Mittelfeld zu schließen und zu kontrollieren. Ohne Kimmich ein Wagnis. Das weiß auch Flick, der zudem ungern auf die präzisen Pässe des Bayern-Stars hinter die gegnerische Kette verzichten möchte.
"Joshua ist für mich einer der besten Sechser, die es gibt. Einer, der uns auch eine gewisse Stabilität geben kann, der das Spiel schneller machen kann. Das sind die Dinge, die er ganz hervorragend macht. Er hat einen super letzten Pass, kann dadurch Räume öffnen. Das ist für uns wichtig", so der Bundestrainer.
Deutlich freundlicher reagierte Flick auf der Pressekonferenz übrigens auf die Nachfrage, ob er sich auch Kimmich, Gündogan und Goretzka gemeinsam in der Zentrale vorstellen könne. "Das kann theoretisch passieren, durchaus. Alle drei sind hervorragende Spieler", sagte der 57-Jährige mit einem Lächeln.
Eine Dreier-Zentrale also? Gegen balldominante und offensivstarke Spanier vielleicht nicht die schlechteste Idee. Auch wenn Flick rechts hinten dann natürlich eine andere Lösung braucht.
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Messi: "Das soll keine Entschuldigung sein, aber ..."

Quelle: MagentaTV

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