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WM 2022: Nationalmanschaft scheidet erneut in der Vorrunde aus - Oliver Bierhoff und Hansi Flick wollen bleiben
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Publiziert 02/12/2022 um 09:00 GMT+1 Uhr
Das nächste WM-Desaster erschüttert den DFB in seinen Grundfesten. Nach dem Sieg gegen Costa Rica (4:2) scheidet die deutsche Nationalmanschaft trotzdem zum zweiten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft bereits in der Vorrunde aus. Bundestrainer Hansi Flick und Manager Oliver Bierhoff müssen nun das Turnier aufarbeiten. Die Folgen sind noch nicht absehbar.
DFB-Boss nimmt Flick und Bierhoff nach WM-Aus in die Pflicht
Quelle: Perform
Als der WM-"Horrorfilm" im staubigen Wüstensand gruselig zu Ende ging, wurden die verantwortlichen "Regisseure" zum Rapport gerufen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, passend im schwarzen Hemd und gezeichnet von einer schlaflosen Nacht, forderte unter den strengen Blicken der katarischen Polizei eine schonungslos offene Analyse von Hansi Flick und Oliver Bierhoff. Doch die Protagonisten der "Kata(r)strophe" kleben an ihren Jobs - Ausgang offen.
"In der kommenden Woche" will sich Neuendorf mit dem Desaster-Duo zusammensetzen. So lautet sein "Fahrplan", den der angeschlagene Verbandschef bei einer hektisch auf dem Hamad International Airport von Doha anberaumten Stellungnahme unter chaotischen Umständen am Freitagmittag verkündete. An diesem "ersten Treffen" wird sein Vize Hans-Joachim Watzke teilnehmen - ein bekennender Bierhoff-Kritiker. Der BVB-Boss sagte auf SID-Anfrage, er wolle zunächst nur "intern" sprechen.
Neuendorf erwartet "eine sportliche Analyse" der zweiten krachenden WM-Blamage nach 2018: Die muss Flick liefern - zudem soll er die "Perspektiven mit Blick auf die Europameisterschaft im eigenen Land" 2024 aufzeigen, die der Chef erkennen will. Neuendorf forderte darüber hinaus, die Aufarbeitung müsse "die Entwicklung der Nationalmannschaft und unseres Fußballs seit 2018" umfassen - damit zählte er Bierhoff zumindest an.
Der Geschäftsführer und der Bundestrainer berieten sich nach dem 4:2 gegen Costa Rica bei der Abfahrt aus dem "Beduinenzelt" von Al-Khor um 1:46 Uhr Ortszeit im Bus. Ihr Credo: Wir erfüllen unsere Verträge bis 2024. Doch viele Fans sehnen sich nach einer Lichtgestalt wie Jürgen Klopp, die einen kleinen Funken Hoffnung auf ein zweites Sommermärchen wecken könnte.
WM: Flick nach Aus angezählt
Flick hat grobe Fehler gemacht. Ob in der - zugegeben kurzen - Vorbereitung, bei Aufstellungen oder Auswechslungen. Eine Achse hat er nie gefunden, die eklatanten Schwächen in der Defensive oder beim Torabschluss konnte er in 15 Monaten Amtszeit nicht beheben. Wie Joachim Löw 2018 setzte er zu sehr auf die vermeintliche Qualität der Stars, sah die Katastrophe nicht kommen.
Sogar sein Freund Lothar Matthäus warf dem Bundestrainer vor, er habe sich "vercoacht". Dass er in seiner schwärzesten Stunde plötzlich Mängel in der Ausbildung beklagte, wirft ein schlechtes Licht auch auf ihn: Flick entschied seit 2006 in verschiedenen Positionen über zwölf Jahre beim DFB mit, auch als Sportdirektor.
Muss er zurücktreten? Wie Löw 2018 scheut der Bundestrainer vor der für viele logischen Konsequenz zurück, an ihm habe es nicht gelegen: "Mein Trainerteam und ich haben gute Arbeit geleistet." Von seiner Seite gebe es keinen Grund, aufzugeben: "Mir macht es Spaß, wir haben gute Spieler, die nachkommen, an mir wird's nicht liegen."
Doch auch Flick wird angezählt. Auf die Fernsehanalyse des früheren Kapitäns Bastian Schweinsteiger, die Mannschaft habe "nicht gebrannt", reagierte er dünnhäutig. Dietmar Hamann hält es "für ausgeschlossen, dass wir mit dem Trainer weitermachen können". Und Michael Ballack, der "Capitano" von 2006, forderte: "Es gehört beim DFB dazu, dass jede Position hinterfragt wird. Da gehört auch der Trainer dazu. Alle."
Also auch Bierhoff, der bereits die dritte Turnierpleite nacheinander verantwortet. Für viele Anhänger wie Experten ist der einstige EM-Held das Sinnbild der Entfremdung zwischen Basis und Verbandsspitze. Doch einen Rücktritt "schließe ich gerade aus", sagte er schulterzuckend. Auch von den Spielern verkündete (noch) keiner seinen Abschied, wenngleich es bei Thomas Müller sehr nach einem "Servus" klang. Manuel Neuer will weitermachen.
WM-Aus als "Horrorfilm"
Als der Kapitän mit dem Gros der Mannschaft abzüglich einiger Urlauber um 11:26 Uhr das abgelegene Quartier in Al-Ruwais verließ, prangte der Slogan "Cheer" (jubeln) wie Hohn auf dem Bus, Wind wirbelte Wüstensand auf. Zuhause braute sich "ein Hurrikan" zusammen, wie Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann analysierte.
Der "Planet Fußball" wurde von einem "Erdbeben erschüttert", schrieb die französische Zeitung "Le Monde" treffend. Der Nimbus der deutschen Turniermannschaft ist zerstört.
"Es ist wie in einem Horrorfilm", stöhnte Kai Havertz schockiert. "Ich bin fassungslos, dass es heißt: Koffer packen", meinte Niclas Füllkrug, neben Zauberdribbler Jamal Musiala der einzige WM-Lichtblick. Joshua Kimmich, der schwer an der Last des dritten "vergeigten" Turniers der einst umjubelten Confed-Cup-Generation trug, meinte am "schwierigsten Tag" seiner Karriere: "Ich habe ein bisschen Angst davor, in ein Loch zu fallen."
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(SID)
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