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WM 2022 in Katar - Expertin Navina Omilade exklusiv: Darum wird Argentinien Weltmeister
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Publiziert 16/12/2022 um 22:30 GMT+1 Uhr
Navina Omilade erklärt im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de, warum Argentinien im Finale der WM 2022 in Katar gegen Frankreich die besseren Karten hat. "Die Mannschaft wird nicht nur für das Land, sondern auch für Lionel Messi noch eine Schippe drauflegen", glaubt die zweifache Europameisterin. Eine sehr kritische Meinung hat Omilade zur neuen Beratergruppe des DFB, der es an Diversität fehle.
Navina Omilade im exklusiven Interview: Darum wird Argentinien mit Lionel Messi Weltmeister
Fotocredit: Imago
Nur noch einen Schritt bis zur Unsterblichkeit. Sollte Lionel Messi Argentinien am Sonntag im WM-Finale gegen Frankreich (16:00 Uhr im Liveticker) zum Titel führen, stünde er endgültig auf einer Stufe mit Diego Armando Maradona.
Navina Omilade ist der Auffassung, das genau diese Ausgangslage bei den Südamerikanern "die entscheidenden Prozente mehr freisetzen könnte, die am Ende den Unterschied ausmachen", so die 41-Jährige, die 2001 und 2005 Europameisterin mit Deutschland wurde.
Mit der Zusammenstellung des neuen DFB-Gremiums, dem Karl-Heinz Rummenigge, Matthias Sammer, Oliver Mintzlaff, Oliver Kahn und Rudi Völler angehören, hadert Omilade indes. Das Quintett verfüge zwar über eine "riesige Expertise", der Frauenfußball sei in der Beratergruppe aber nicht repräsentiert.
Es wirke, als sei "dieser Bereich nicht beachtet worden", moniert Omilade im Gespräch mit Eurosport.de. Dies sei umso bedauerlicher, als dass es derzeit einen "Hype um den Frauenfußball" gebe.
Das Interview führte Pascal Steinmann
Frau Omilade, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Bernd Neuendorf, hat nach dem Debakel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2022 die Berufung einer Beratergruppe verkündet. Wie bewerten Sie diesen Schritt?
Navina Omilade: Grundsätzlich ist es gut, dass sich der DFB externe Hilfe nimmt. Aber die Zusammenstellung hätte breiter gefächert sein können. Keine Frage: Alle sind verdiente Herren, die für den deutschen Fußball Herausragendes geleistet haben und über eine riesige Expertise verfügen. Aber man braucht nun einen weiten Blick.
Wie meinen Sie das?
Omilade: Der Sportdirektor, der gefunden werden muss, ist nicht nur für die A-Nationalmannschaft der Herren, sondern auch für die Frauen, die Jugend sowohl männlich als auch weiblich und die Akademie zuständig. Daher wäre es wünschenswert, wenn diese externe Arbeitsgruppe noch breiter aufgestellt wäre. Stichwort Diversität: Mir fehlt die notwendige Expertise für den Frauenbereich. Es wäre schön gewesen, wenn auch daran bei der Zusammenstellung gedacht worden wäre.
Tabea Kemme und Almuth Schult haben das ebenfalls kritisiert. Was bedeutet diese Ausrichtung für den Stellenwert des Frauenfußballs?
Omilade: Das kommt auf die Zusammenarbeit zwischen der internen und externen Arbeitsgruppe an und darauf, wer am Ende die Entscheidungen fällt. Aber so wie das kommuniziert worden ist, ist das kein Schritt nach vorne. Das wirkt, als sei dieser Bereich nicht beachtet worden. Das ist gerade in dieser Zeit, in der ein Hype um den Frauenfußball entsteht, ziemlich schade.
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Kemme kritisiert DFB-Taskforce: "Wenn es wirklich um Werte geht..."
Quelle: MagentaTV
Schult sagte auch, es sei ein cleverer Schachzug gewesen, fünf der größten Kritiker ins eigene Boot zu holen. Inwieweit war die Zusammensetzung der Konstellation eine taktische Entscheidung?
Omilade: Teilweise. Wenn es am Ende nicht klappt, können diese Personen kaum Kritik üben, weil sie selbst in die Entscheidungsprozesse involviert waren. Das hat Almuth Schult gut analysiert. Aber ich bin sicher, dass das nicht der alleinige Grund für die Auswahl der Personen war, da sie alle in den unterschiedlichsten Bereichen sehr viel Fachexpertise mitbringen.
Bei der Suche nach dem neuen Sportdirektor entsteht ein wenig der Eindruck, dass der Deutsche Fußball-Bund Schwierigkeiten hat, Charaktere zu finden, die für den Verband arbeiten wollen. Welche Erklärung kann es dafür geben?
Omilade: Es ist schwierig, geeignete Kandidaten zu finden. Viele, die dafür infrage kämen, stehen bei Vereinen unter Vertrag. Denn: Warum sollten geeignete Kandidaten auf dem Markt sein? Es wird eine schwere Aufgabe, die richtige Person zu finden, die über die Expertise verfügt und zeitgleich verfügbar sein kann.
Die Euphorie um die Nationalmannschaft war gering, das EM-Finale 2022 hatte höhere Einschaltquoten als sämtliche Gruppenspiele bei der WM 2022. Wo liegen da die Chancen für den Frauenfußball?
Omilade: Einige Fans haben von Beginn an erklärt, sie haben keine Lust auf die Weltmeisterschaft in Katar. Diese Zeit ist von den Frauen unheimlich gut genutzt worden.
Welche Maßnahmen sind ergriffen worden?
Omilade: Viele Vereine haben ihre Heimspiele in den großen Stadien ausgetragen, zum Beispiel Wolfsburg, Bayern oder Bremen. Alle hatten fantastische Zuschauerzahlen. Da waren viele Fans aus dem Männerbereich dabei, das hatte ein anderes Niveau mit den Fahnen und Sprechchören. Offenbar sind einige, die sich nicht für die WM in Katar interessiert haben, zum Frauenfußball gelockt worden, die sonst eventuell nicht gekommen wären.
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DFB-Präsident Neuendorf verteidigt Besetzung der Taskforce
Quelle: Eurosport
In der Tat ist vor dem Turnier viel über Gastgeber Katar gesprochen und Kritik geübt worden. Wie haben Sie die Weltmeisterschaft grundsätzlich erlebt?
Omilade: Die deutsche Wahrnehmung auf das Turnier war von Beginn an unheimlich kritisch. Dadurch sind das große Interesse und die Fußballstimmung ausgeblieben. Aber es besteht ein wahnsinniger Unterschied in den Eindrücken.
Wie meinen Sie das?
Omilade: In anderen Ländern ist ein Hype entstanden mit Public Viewing, Autokorsos und allem, was eine Weltmeisterschaft sonst auch bei uns immer mit sich gebracht hat. Die Bilder, die man aus Argentinien, Brasilien und anderen Ländern gesehen hat, haben gezeigt, dass dort ein Rieseninteresse für die WM bestand. Solche Dinge waren bei uns undenkbar. Daher muss man das etwas differenzierter betrachten.
Wie fällt Ihr Fazit aus?
Omilade: Unter dem Strich kann man sagen: Sportlich war das Turnier auf einem guten Niveau. Besonders ab den K.o.-Spielen. In Deutschland waren sowohl die Stimmung als auch das Interesse wohl so schlecht wie noch nie.
Schlussendlich war die deutsche Mannschaft aus dem Kreis der Nationen, die ein Statement mit der "One-Love"-Binde tragen wollten, die einzige, die mit der "Mund-zu-Geste" überhaupt eine Botschaft gesetzt hat. War das rückblickend ein Fehler, haben wir uns dieser WM-Euphorie selbst beraubt?
Omilade: Ich würde es nicht als Fehler bezeichnen, ein politisches Statement setzen zu wollen und für die eigenen Werte einzustehen - gerade bei dem Hintergrund. Es war nur leider nicht gut genug durchdacht und vorbereitet und hat dadurch zu sehr viel Unruhe geführt. Für das Interesse in Deutschland war das sicherlich nicht förderlich. Auch die Mannschaft war dadurch abgelenkt. Der Fokus lag nicht auf dem Fußball.
Ob aufgrund der Diskussionen oder nicht: Für Deutschland war nach der Vorrunde bereits Schluss. Was hatten die vier Halbfinalisten, also Frankreich, Argentinien, Marokko und Kroatien, der deutschen Mannschaft sportlich voraus?
Omilade: Es ist immer schwer, solche Quervergleiche zu ziehen. Aber grundsätzlich haben alle vier Mannschaften stärker verteidigt und im Kollektiv besser funktioniert als Deutschland. Sie haben einerseits wenige Torchancen zugelassen und andererseits vor dem Tor die notwendige Effizienz gehabt.
Mit welchen Gedanken blicken Sie auf die beiden Halbfinalpaarungen Argentinien gegen Kroatien und Marokko gegen Frankreich zurück?
Omilade: Die Favoriten haben sich klar durchgesetzt und teilweise von Einzelaktionen ihrer Topstars gelebt. Bei Argentinien hat Lionel Messi herausragend gespielt. Wie er das 3:0 vorbereitet hat, war der Wahnsinn. Auch Julián Álvarez hatte einen Sahnetag. Bei Frankreich waren es Kylian Mbappé, der beide Tore mit herausragenden Aktionen erzwungen hat, und Antoine Griezmann. Beide Teams hatten aber auch die mannschaftliche Geschlossenheit. Es waren also nicht nur die einzelnen Spieler, sondern beides: das Kollektiv und die herausragenden Einzelleistungen.
Wie haben Sie die Vorstellung der Marokkaner gegen Frankreich gesehen?
Omilade: Marokko muss man den allerhöchsten Respekt zollen. Ihre gesamte Startelf hatte fast denselben Marktwert wie Mbappé alleine. Sie haben keine Weltstars in ihren Reihen, sondern von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit gelebt. Das war toll zu sehen. Sie haben es sich erarbeitet, so weit zu kommen und immer noch die Möglichkeit, den dritten Platz zu erreichen. Es hat unglaubliche Kräfte freigesetzt, dass ein ganzes Land, ein ganzer Kontinent und die arabische Welt hinter der Mannschaft standen.
Die Marokkaner haben nach dem Spiel Beschwerde gegen Schiedsrichter Cesar Arturo Ramos eingelegt. Luka Modric und andere Kroaten haben nach dem Aus gegen Argentinien gegen Daniele Orsato geschossen. Es gab bei dieser WM unheimlich viele Verbalattacken gegen die Unparteiischen.
Omilade: Die Entwicklung ist besorgniserregend und gefährlich. Die Spieler werden ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht. Man muss sich da nicht wundern, dass das in den Amateurbereichen zu mehr und mehr Problemen führt. Ich kenne es aus keiner anderen Sportart, dass derart gegen Schiedsrichter geschossen wird, immer wieder Entscheidungen infrage gestellt werden und es zu Rudelbildungen kommt. Das sollte sich mit dem Videoassistenten ändern, aber es wird leider nicht besser.
Auch nicht in den vergangenen vier Wochen.
Omilade: Diese Beschwerden haben sich durch das gesamte Turnier gezogen. Wenn die FIFA die Weltmeisterschaft analysiert, muss sie da noch einmal ganz genau hinschauen und für die Zukunft eine Lösung finden.
Lassen Sie uns vor dem Endspiel nochmal auf das Turnier zurückschauen: Wer war in Ihren Augen der bislang beste Akteur bei der Weltmeisterschaft 2022?
Omilade: Messi war die prägendste Figur dieser WM. Wie er seine Rolle angenommen und trotz des Erwartungsdrucks einer ganzen Nation abgeliefert hat, war beeindruckend. Auch im Halbfinale hat er überragend gespielt. Er sticht absolut heraus. Nun steht er mit seiner Mannschaft im Finale und kann seiner herausragenden Karriere die Krone aufsetzen.
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Lionel Messi wird im Finale sein 26. WM-Spiel bestreiten
Fotocredit: Getty Images
Im Endspiel trifft er mit Argentinien auf Titelverteidiger Frankreich. Was für ein Finale erwarten Sie am Sonntag in Lusail?
Omilade: Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe. Argentinien und Frankreich haben im Turnier starke Leistungen erbracht und unter Beweis gestellt, was in ihnen steckt. Und es steht für beide unheimlich viel auf dem Spiel.
Was meinen Sie?
Omilade: Frankreich kann die erste Mannschaft seit 60 Jahren werden, die den Titel verteidigt. Argentinien möchte den ersten Triumph seit 1986 einfahren. Messi will sich die Krone aufsetzen und seine Karriere vergolden. Mbappé könnte mit 23 Jahren zum zweiten Mal Weltmeister werden und somit mit Pelé gleichziehen. Daher können wir uns auf ein hochklassiges Finale freuen.
Viel wird im Vorfeld über das Gigantenduell Messi gegen Mbappé gesprochen. Warum kommt es im Endspiel auf mehr an als auf die beiden PSG-Stars?
Omilade: Es wird absolut mehr als dieses Privatduell. Es wird wie im Halbfinale auf die Mischung ankommen: Wer die bessere Mannschaftsleistung auf den Platz bringt, wird die Nase vorne haben. Aber natürlich wird es auch eine entscheidende Rolle spielen, was die einzelnen Superstars herausholen können, wenn es auf Messers Schneide steht.
Wer wird am Ende den Pokal in die Höhe stemmen?
Omilade: Ich denke, Argentinien wird Weltmeister. Messi hat angekündigt, dass das Finale sein letztes WM-Spiel sein wird. Die Mannschaft wird nicht nur für das Land, sondern auch für Messi noch eine Schippe drauflegen. Das könnte die entscheidenden Prozente mehr freisetzen, die am Ende den Unterschied ausmachen.
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Happy End im WM-Märchen? Messi will die letzte Chance nutzen
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