WM 2022 in Katar - Kommentar zur Farce um die "One-Love"-Kapitänsbinde: An Lächerlichkeit nicht zu überbieten

Die Kapitäne von sieben europäischen Teams um Manuel Neuer wollten bei der WM 2022 mit einer "One-Love"-Armbinde ein Zeichen setzen - und dann knicken Deutschland, England, Wales, Belgien, Dänemark, die Niederlande und die Schweiz beim ersten Gegenwind komplett ein. Die Farce um die ohnehin schon weichgespülte Binde zeigt: Die FIFA kann bei dieser WM machen, was sie will.

Manuel Neuer mit "One-Love"-Kapitänsbinde beim Testspiel gegen Oman neben Leon Goretzka

Fotocredit: Imago

Ein Kommentar von Florian Bogner
Die FIFA sagt in ihren heiligen Regeln: Politische Statements sind auf dem Fußballfeld nicht erlaubt. Was ein politisches Statement ist, definieren freilich nur die hohen Herren vom Fußball-Weltverband selbst.
So haben sie nun entschieden: Eine Kapitänsbinde mit einem sechsfarbig gestreiften Herz, dazu der Slogan "One-Love" - das geht nun wirklich zu weit. Politisch. Nicht gewollt. Am Ende verprellt man damit noch die so spendablen Kataris (wie mit dem Bier im Stadion). Lieber sollen die Kapitäne doch von der FIFA ausgegebene Binden mit tollen, seelenlosen Slogans wie #NoDiscrimination tragen.
Wer sich dagegen die One-Love-Armbinde umschnallen will, dem wird bereits vor Anpfiff eine Gelbe Karte gezeigt - was sich im Turnierverlauf als äußerst misslich herausstellen würde. Deswegen verzichten Manuel Neuer, Harry Kane & Co. nun auf das Statement. Die Mühe nicht wert, könnte man meinen.
Die "One-Love"-Binde wird damit vollends zur Farce.
Ohnehin schon ein fauler Kompromiss - die Farben des Herzens auf der Binde wurden extra so angelegt, dass sie nicht zu sehr nach Regenbogen, dem Erkennungszeichen der LGBTQIA+-Community aussehen - und ein bisschen Ukraine wurde auch noch reingemischt. Die ganze Aktion wird damit nun komplett ins Lächerliche gezogen.
Natürlich: Eine persönliche Strafe - vor jedem Spiel Gelb für Neuer - in Kauf zu nehmen, ist mit den sportlichen Zielen nicht vereinbar. Man hätte dennoch nicht gleich einknicken dürfen.
Man hätte sagen können: Dieses (Minimal!-)Statement ist für uns nicht verhandelbar. Und wenn euch das nicht passt, dann spielen wir eben nicht. Sitzstreik in der Kabine. Damit hätte man den Ball schön wieder zur FIFA rübergespielt.
So aber machen sich DFB, FA, KNVB & Co. ebenso lächerlich wie die FIFA, die sich immer schamloser als Spielball für katarische Gefälligkeiten entpuppt.
So platt das Statement der "One-Love"-Binde auch gewesen sein mag - wer wie diese FIFA nicht mal mehr vor der Liebe halt macht mit seinen verbohrten, machtversessenen und schonungslos gierigen Motiven, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
picture

Neuer steht hinter One-Love-Binde: "Haben keine Angst"

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung