WM 2022 - Drei Dinge, die bei Argentinien gegen Australien auffielen: Wer ist hier Maradona?
VonThomas Gaber
Publiziert 04/12/2022 um 01:07 GMT+1 Uhr
Argentinien knackt das Bollwerk Australien und zieht ins Viertelfinale der WM 2022 in Katar ein, weil Lionel Messi in seinem 1000. Spiel als Profi einen dieser unzähligen genialen Momente hat. Den hatte auch ein Spieler, der bis dato in der Fußballwelt gänzlich unbekannt war. Argentinien hat das Zeug zum Weltmeister, wäre da nicht das Deutschland-Syndrom ... Drei Dinge, die uns auffielen.
1000 Mal Messi! Fußball-Welt verneigt sich vor La Pulga
Quelle: Perform
Wie begann die WM für Argentinien gleich nochmal? Ach ja, mit einer Niederlage gegen Saudi-Arabien. Lionel Messi schien bei seinem (wahrscheinlich) letzten Versuch, den WM-Titel zu holen, blamabel zu scheitern.
Doch der Weltmeister von 1978 und 1986 ist immer noch dabei und steht durch das 2:1 (1:0) gegen unbequeme Australier schon mal im Viertelfinale, in dem die Niederlande warten.
Bedanken müssen sich die argentinischen Fans, die im Stadion für die bislang beste Atmosphäre bei diesem Turnier sorgten, (natürlich) bei Lionel Messi für dessen Genialität, Australiens Torhüter Mathew Ryan für dessen Slapstick-Aktion vor dem 0:2, Lisandro Martinez für eine Monstergrätsche und dem eigenen Keeper Emiliano Martinez für dessen Parade in Minute 90+7.
Drei Dinge, die uns in einem packenden Achtelfinale auffielen.
1.) Messi ist auch im 1000. Kick pures Gold
1000 Mal berührt, 1000 Mal ist viel passiert. Am 16. Oktober 2004 startete Lionel Messi seine einzigartige Karriere, am 3. Dezember 2022 absolvierte er sein 1000. Spiel als Profi.
Für sein Jubiläum hatte sich Messi (oder sein Ausrüster) etwas Besonderes einfallen lassen. Der 35-Jährige trug Schuhe mit goldener Sohle und goldener Umrandung. Und damit drückte er dem Spiel fast schon selbstverständlich den Stempel auf.
34 Minuten lang war es eine zähe Angelegenheit für die Argentinier. Australien verteidigte erstklassig mit Viererketten und ließ der Albiceleste null Raum zur Entfaltung. Vor allem Messi merkte man an, dass er nicht viel Spaß hatte.
"Er stand da wie ein Fremdkörper, hat nichts gegen den Ball gemacht und war teilweise überhaupt nicht anspielbar, weil er nur spazieren gegangen ist", analysierte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger in der Halbzeitpause.
Aber es gab eben auch diese 35. Minute. Ein Pass von rechts in die Mitte, ein kurzer Sprint Richtung Tor, das Lauern auf ein Zuspiel im Strafraum und letztlich die Vollendung. Vier Gegenspieler in unmittelbarer Nähe konnten Messi nicht daran hindern, den Ball ins linke untere Eck zu schieben. Ein Tor, wie es seit 1000 Spielen nur Lionel Messi erzielen kann.
"Er ist nicht zu sehen, steht teilweise zehn Meter im Abseits und hat dann diesen einen genialen Moment", kommentierte Schweinsteiger voller Hochachtung. Es war Messis neuntes Tor in einem WM-Spiel - eins mehr als Diego Maradona.
Auch in der zweiten Halbzeit nahm sich Messi immer wieder Auszeiten, war aber an den meisten Angriffen der Argentinier direkt beteiligt und setzte ein paar Mal zu vielversprechenden Solos an, als wolle er Maradonas legendäres Tor aus dem WM-Viertelfinale 1986 gegen England (nein, nicht das mit der Hand) kopieren.
"Er ist so unfassbar genial. Ich bin so dankbar, ihn hier live erleben zu dürfen. In Argentinien heißt es, der Fußball schuldet Messi einen WM-Pokal, da gehe ich mit", frohlockte "ARD"-Co-Kommentator Thomas Broich.
Messi selbst blieb nach dem Spiel gewohnt nüchtern: "Das war ein schweres Spiel, am Ende mussten wir leiden. Aber wir haben es in die nächste Runde geschafft. Es wird sicher nicht leichter." Gegen die Niederlande am kommenden Freitag (20 Uhr) bekommt er seine 1001. Nacht.
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Lionel Messi fiel in seinem 1000. Spiel als Profi mit goldenen Sohlen auf
Fotocredit: Getty Images
2.) Aziz Behich eifert Maradona nach
Aziz Behich ist in seinem Fußballerleben bislang nicht sonderlich aufgefallen. 2018/19 spielte er eine Saison bei der PSV Eindhoven, danach tingelte er auf Leihbasis von einem türkischen Erstliga-Klub zum nächsten (die Elite aus Istanbul war nicht dabei) und landete im Sommer 2022 bei Dundee United in Schottland.
Behich ist gelernter Linksverteidiger, seine Stärke liegt im Rustikalen. Gegen Argentinien durfte er mitunter die Kreise von Lionel Messi stören, wenn der sich beim Spazieren gehen auf die rechte Angriffsseite verirrte.
Nach dem kuriosen Anschlusstor der Australier, als ein verzogener Fernschuss von Craig Goodwin von Enzo Fernandez unhaltbar abgefälscht wurde (75.), und die Socceroos daraufhin auf den Ausgleich drängten, gab auch Behich seine Zurückhaltung auf.
In der 81. Minute gelang ihm schließlich etwas, wovon Abermillionen Nachwuchs-, Hobby-, und Proifkicker träumen. Behich schnappte sich kurz hinter der Mittellinie den Ball und stürmte einfach mal drauf los. Er umkurvte zwei Argentinier, schüttelte einen weiteren ab und ließ dann noch zwei ins Leere grätschen.
Fünf blauweiße Verteidiger waren nicht in der Lage, den 31-Jährigen zu stoppen. Doch der Höhepunkt blieb Behich trotzdem verwehrt. Ein Treffer am Ende seines Laufes für die Ewigkeit wurde durch eine Monstergrätsche von Lisandro Martinez vereitelt.
"Was für ein Solo, unfassbar. Aber die Grätsche von Martinez war eigentlich noch geiler", sagte Broich. Auch wenn es nicht vom Torerfolg gekrönt war, hatte Behichs Solo sehr viel von dem Maradonas anno 1986.
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Aziz Behich spielte halb Argentinien Knoten in die Beine
Fotocredit: Getty Images
3.) Argentinien hat das Deutschland-Syndrom
Nach der Schmach gegen Saudi-Arabien holte Argentinien einen schmucklosen Sieg gegen Mexiko und überrannte anschließend die Polen. Die Albiceleste lieferte peu à peu den Beweis, dass sie vor dem Turnier zurecht als heißer Titelkandidat gehandelt wurde.
Auch im Achtelfinale sah es lange Zeit nach einem souveränen Sieg aus, wenngleich der Glanz im Offensivspiel gegen leidenschaftliche Australier fehlte. Argentinien kann sich aber auf eine starke Defensive verlassen, die bei dieser WM im Schnitt nur vier Torschüsse pro Spiel zugelassen hat.
"Sie haben sechs, sieben Spieler unter der ersten Elf, die sehr gut verteidigen können", sagte "ARD"-Experte Sami Khedira.
Doch die Argentinier leiden unter derselben "Krankheit" in Katar wie die deutsche Nationalmannschaft. Spiele, die man total im Griff hat, kippen plötzlich und das gegen Teams, die qualitativ (deutlich) schlechter sind.
Was für Deutschland Japan und Costa Rica waren, waren für Argentinien Saudi-Arabien und Australien. Gegen die Saudis wurde das Spiel nach 1:0-Führung noch 1:2 verloren und gegen Australien waren Messi und Co. drauf und dran, einen 2:0-Vorsprung zu verspielen und in die Verlängerung zu schlittern.
In der siebten Minute der Nachspielzeit hatten die Socceroos durch Garang Kuol den Ausgleich auf dem Fuß, doch Keeper Emiliano Martinez rettete Argentinien mit einem klasse Reflex den Sieg. Anschließend warfen sich zwei argentinische Spieler auf ihren Torhüter und drückten ihn in purer Erleichterung fest an sich.
Argentinien hat in allen Mannschaftsteilen die Qualität, Weltmeister zu werden und zeigt auch die richtige Mentalität. Aber die Mannschaft kann auch vom einen auf den anderen Moment in sich zusammenfallen. So passiert gegen Saudi-Arabien, so passiert gegen Australien.
"Für Argentinien wird es sehr schwer, mit dieser Leistung gegen die Niederlande zu gewinnen", sagte Bastian Schweinsteiger. "Sie haben sehr gute Spieler, aber ich traue ihnen den Titel nicht zu."
Die ungeschlagenen Niederländer sind im Viertelfinale genau das Kaliber, das die Argentinier brauchen, um alle Skeptiker vom Gegenteil zu überzeugen.
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Quelle: Perform
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