WM: Bleibt Julian Nagelsmann Bundestrainer nach Aus gegen Paraguay? DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußert sich erstmals

Julian Nagelsmann ist nach dem blamablen deutschen Aus bei der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA gegen Paraguay die am heißesten diskutierten Personalie. Bleibt der 38-Jährige Bundestrainer oder muss er gehen? Zurücktreten wird der Ex-Bayern-Coach laut eigener Aussage nicht. Rudi Völler stärkte Nagelsmann den Rücken, der DFB spielt auf Zeit. Fest steht: Veränderungen müssen her.

Neuendorf nach WM-Aus deutlich: "Können nicht zur Tagesordnung übergehen"

Quelle: Perform

Am Morgen nach dem Albtraum von Foxborough trommelte Julian Nagelsmann seine am Boden zerstörte Mannschaft im heimischen "Spukschlösschen" zu einer letzten Ansprache zusammen. Dann zerstreuten sich seine WM-Verlierer vom Camp in Winston-Salem aus in alle Winde, so wie die Hoffnungen auf ein erfolgreiches Turnier zerstoben waren.
Und der DFB-Präsident schrieb dem Bundestrainer inmitten einer Nachfolge-Diskussion über Jürgen Klopp ins Zeugnis, dass es so definitiv nicht weitergehen kann.
"Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Bernd Neuendorf mit Leichenbittermiene und schwarzer Jacke. 16 Stunden nach dem Paraguay-Desaster klang es wie der erste Teil eines Abschieds.
Er habe "noch länger" mit Nagelsmann, Geschäftsführer Andreas Rettig und Sportchef Rudi Völler zusammengesessen, verkündete Neuendorf. "Wir sind uns einig, dass das Abschneiden nicht unseren Ansprüchen genügt." Nun soll getagt, analysiert, erörtert und entschieden werden.

Klopp als möglicher Nachfolger?

Weit entfernt braute sich ein tobendes Donnerwetter zusammen. Völler versuchte sich zwar noch verzweifelt als Blitzableiter, aber sämtliche Experten, der Schattenmann Klopp und die gekränkte deutsche Fußball-Nation schreien nach krachenden Konsequenzen. Fliegt der Bundestrainer? Vermutlich. Kommt jetzt Klopp? Vielleicht.
Nagelsmann hatte einen Rücktritt trotzig abgelehnt. "Ich bin keiner, der wegläuft. Ich stehe bereit, wenn der DFB das möchte", sagte er im Angesicht der nächsten Schreckensbilanz.
Klopp war für "MagentaTV" am frühen Morgen deutscher Zeit schon wieder auf Sendung, und er mauerte. "Unabhängig von meiner Person muss sich vieles ändern", forderte er. "Wir werden sehen, wer Bundestrainer ist, das wird in den kommenden Wochen und Monaten entschieden. Wahrscheinlich Julian Nagelsmann." Wahrscheinlich? Hm.
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Nagelsmann: "Wenn der DFB will, mache ich weiter"

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Völler springt Nagelsmann zur Seite

Die berühmten "Mechanismen" (Nagelsmann) des Geschäfts beim einst so stolzen DFB greifen zumindest nicht automatisch. Völler sprang dem Bundestrainer erneut zur Seite. "Ich bin immer noch davon überzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist, aber ich bin nicht der DFB alleine", sagte er. Wieder dieses Wort: wahrscheinlich.
Ist es ein Abrücken des väterlichen Freundes? Nagelsmann, betonte Völler, sei "weiterhin ein absoluter Toptrainer" und "die richtige Person am richtigen Ort".
Klopp hätte die Säge auspacken können, er hielt sich aber zurück. "Ich verstehe, dass mein Name genannt wird, aber das ist nicht der Moment, darüber zu sprechen - und vor allem nicht mit mir", betonte er.
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Kimmich deutlich: "Dürfen nicht von Glück abhängig sein"

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DFB muss aus Fehlern lernen

Mit einem schnellen Urteil rechnet Nagelsmann nicht. "Die drei Herren", also Neuendorf, Rettig und Völler, "haben Charakter und werden nicht zwischen Tür und Angel entscheiden", sagte der 38-Jährige, der einen Vertrag bis zur EM 2028 besitzt.
Doch der DFB sollte aus seinen Fehlern von 2018 und 2022 lernen. Nach dem Vorrunden-Aus hielt er an Joachim Löw bzw. Hansi Flick fest, das entpuppte sich als falsch. Wertvolle Zeit für den Neuanfang wurde vergeudet.
Auch jetzt muss an vielen Stellschrauben gedreht werden, da sind sich Nagelsmann und Klopp einig. "Wir haben seit zwölf Jahren gar nichts gerissen", sagte der Noch-Bundestrainer: "Es wäre vermessen zu sagen, wir gehören noch zur Weltspitze."
Die Niederlage nach den Elfmeter-Fehlschüssen von Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah im Sechzehntelfinale ließ auch Klopp ratlos zurück. "Es gibt 500.000 Wege, ein Fußballspiel zu gewinnen. Du musst nur einen finden", sagte der einstige Meistermacher von Dortmund und Liverpool.
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Tah verweigert Schiri-Diskussion: "Bringt nichts"

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Wirtz und Musiala funktionieren nicht

Die Mannschaft schleppte zu viele Probleme mit sich herum. Die Unterschiedsspieler Florian Wirtz und Jamal Musiala machten nicht den Unterschied, andere waren von ihrer Bestform weit entfernt. Hinzu kam Verletzungspech (Gnabry, Karl, Schlotterbeck).
Immerhin stellten sich die Spieler ihrer Verantwortung. "Ich kenne Deutschland als Kind vor dem Fernseher, da war immer Halbfinale, Finale. Natürlich will man das auch den Kindern der jetzigen Generation geben", räumte Kapitän Joshua Kimmich zerknirscht ein. Schuld seien "nicht der Trainer, nicht die Medien, nicht der Schiedsrichter, auch nicht der Gegner, sondern das waren einzig und allein wir".
Havertz, der in der regulären Spielzeit zum Ausgleich getroffen hatte, gab sich ebenfalls selbstkritisch. "Es hat nicht so viel gepasst, wenn man gegen Paraguay ausscheidet", sagte der Stürmer. "Fußballerisch waren wir besser, dafür sind die in anderen Sachen viel weiter als wir", lautete die entlarvende Analyse von Nadiem Amiri.
Und jetzt? "Wir müssen hundertprozentig ein paar Dinge verändern. Da können wir bei der U10 anfangen und ein paar Jahre warten, was oben rauskommt", sagte Klopp.
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WM-K.o. gegen Paraguay: Hummels fordert Konsequenzen

Quelle: MagentaTV

Deutschland vor nächstem Umbruch

Doch so viel Zeit bleibt nicht. Am 24. September startet die neue Nations League mit einem Spiel beim Erzrivalen Niederlande. Einige Stars werden nicht mehr dabei sein. Manuel Neuer kündigte seinen abermaligen Abschied an. Antonio Rüdiger ließ seine Zukunft offen, hinter Leon Goretzka steht ein Fragezeichen. Kimmich bleibt hingegen an Bord. "Was ich niemals tun werde, ist: aufgeben", sagte er.
International sorgte das Aus für Kritik und Verwunderung. "Von Deutschland ist nichts mehr übrig", schrieb die spanische Marca. "Flop Germania!", titelte die italienische Gazzetta dello Sport.
Bundeskanzler Friedrich Merz spendete Trost. "Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert", schrieb der CDU-Politiker im Netz. Diese Meinung dürfte er exklusiv haben.
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(SID)
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Gervinho lobt Diomande: "Kann etwas beitragen"

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