WM: Julian Nagelsmanns Sorgenliste wächst nach Deutschlands Pleite gegen Ecuador - unglücklicher Neuer als Sinnbild
Update 26/06/2026 um 14:59 GMT+2 Uhr
Die deutsche Nationalmannschaft verliert das dritte Vorrundenspiel gegen Ecuador mit 1:2 - na, und? Als Gruppensieger war man bereits weiter, ein Warnschuss zur rechten Zeit? Plötzlich poppen Sorgen und Fragezeichen vor dem Beginn der K.o.-Runde auf. Eine davon betrifft Manuel Neuer. Dabei wollte sich Bundestrainer Julian Nagelsmann eine Torwartdiskussion um alles in der Welt ersparen.
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Quelle: MagentaTV
Am späten Abend kehrte die Nationalelf nach dem Abendflug aus Newark ins WM-Camp nach Winston-Salem zurück. Mit einigen Fragezeichen und Sorgen im Gepäck und dabei geht es nicht darum, wer der Gegner für den Sieger der Gruppe E man Montag in Foxborough bei Boston in der ersten K.o.-Runde sein wird: Einer der Dritten aus den Gruppen A, B, C, D oder F.
Nach Abschluss der gesamten Vorrunde am Samstagabend (Ortszeit in den USA), also mit lediglich 42,5 Stunden Vorlauf können Bundestrainer Julian Nagelsmann und sein Analyseteam den Gegner im Sechzehntelfinale sezieren. Was Nagelsmann nervt.
Der Bundestrainer sieht darin eine Benachteiligung der Gruppensieger: "Ich halte da nicht allzu viel davon, dass man als Gruppensieger ein bisschen bestraft wird."
Der 38-Jährige meinte: "Wir haben uns die potenziellen Gegner aufgeteilt. Ich habe drei, vier Spiele geschaut, das Analyseteam ebenfalls. Es kann sich jeder vorstellen, dass es bessere Konstellationen gibt, als Samstagnacht durchzuschrubben. Das wird eine Nachtschicht, wir wollen große Teile schon präpariert haben, damit wir den Matchplan am Sonntag nicht in ganz großer Hektik erstellen müssen."
Keiner der Einwechselspieler konnte sich empfehlen
Wäre es andererseits nicht noch wichtiger, all die Fehler und Unzulänglichkeiten der Mannschaft intensiv zu besprechen? Und die richtigen Schlüsse aus dem 1:2-Dämpfer im dritten Gruppenspiel gegen Ecuador zu ziehen?
Die Mittelfeldzentrale um die Sechser Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha hatte einen ganz schwachen Tag, auch im Abwehrzentrum stimmte die Abstimmung beim wieder zusammengeführten Innenverteidiger-Pärchen Jonathan Tah und Antonio Rüdiger, der den verletzten Nico Schlotterbeck ersetzt, selten.
Immerhin kann Linksverteidiger Nathaniel Brown, von David Raum in New Jersey vor allem defensiv mehr schlecht als recht vertreten, nach Adduktorenproblemen wohl wieder dabei sein. Von all den gegen Ecuador eingewechselten Profis (Angelo Stiller, Maximilian Beier, Malick Thiaw und Pascal Groß) konnte sich keiner für einen Startelf-Einsatz in der K.o.-Runde empfehlen.
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Was besser werden muss: Intensität, Tempo, Struktur
"Wir haben bewusst viel gewechselt. Man hat gesehen, dass wir auch ein paar müde Beine hatten", erklärte Nagelsmann, "dass dann alles etwas schleppender ist und länger dauert, kann man niemandem zum Vorwurf machen. Wir vertrauen jedem Spieler im Kader und müssen den Spielern auch die Chance geben, das zu zeigen."
Die Intensität im Spiel, das Tempo, die Leidenschaft - in all diesen Bereichen ist Luft nach oben. Ein geduldiger Spielaufbau, eine erkennbare Struktur - daran muss in der kurzen Zeit bis Montag gearbeitet werden.
Mit einer Sorgenfalte, mit einem Thema hätte vor der K.o.-Runde niemand im DFB-Lager gerechnet: Eine Torwartdiskussion um Manuel Neuer, den Weltmeister von 2014. Und natürlich will man die Sache möglichst kleinhalten. Wie der Betroffene nach dem Ecuador-Spiel selbst.
Gleich bei der ersten Frage in der Interview-Zone in einem klimatisierten Zelt vor dem WM-Stadion in New Jersey musste Neuer sich wehren. Es ging um die Situation, die das dritte Gruppenspiel entschied.
Nach einer Ecke verlängerte Kevin Rodríguez den Ball vor David Raum mit dem Kopf Richtung Fünfmeterraum. Neuer schien bereit, wollte sich den Ball in die Arme fallen lassen, griff jedoch ins Leere. Gonzalo Plata kam von der Seite reingespritzt und hielt gedankenschnell den Fuß rein - die Kugel flitschte unter die Latte - das 1:2 (78.).
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Manuel Neuer beim Tor zum 1:2 gegen Ecuador
Fotocredit: Getty Images
Neuer: "Jeder, der schon mal im Tor gespielt hat, weiß..."
Zu spät reagiert? Zu langsam, zu passiv? Ob er sich den Gegentreffer ankreide, wollte ein Reporter wissen? Bei der Antwort reagierte Neuer, der seine braune Ledertasche für die persönlichen Utensilien neben das Podium gestellt hatte, schnell. Er ging in die Offensive: "Nee!"
Eine erste, kurze Begründung als Erklärung seiner Sicht lautete: "Weil es eine ganz normale Kopfballverlängerung, und ich versuche, den Ball zu fangen." Danach folgte eine ausführlichere Erläuterung des Bayern-Torhüters: "Jeder, der schon mal im Tor gespielt hat, weiß, dass ich mich genau so zum Ball hinstellen muss und versuchen muss, den auch so zu fangen."
Neuer vergleicht die Szene mit einem Zweikampf bei Feldspielern: "Es ist, wie wenn einer zum Ball geht und ein anderer mit der Fußspitze drankommt." Eben, weil dieser schneller handelt den berühmten Schritt voraus ist. Neuer war das nicht, reagiert zu zögerlich, nicht konsequent genug.
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Quelle: MagentaTV
Wie Neuer sich gegen Vorwürfe wehrt
Für Neuer, der sich Zeit seiner fantastischen Karriere immer damit schwertat, einen Fehler zuzugeben, plädierte auch nach seinem 127. Länderspiel auf unschuldig, sagte: "Ich muss auf das schauen, was vor mir passiert, auf die Kopfballverlängerung, wo der Ball ist und was mit dem Ball passiert. Deshalb wollte ich ihn einfach nur fangen. Das wäre auch die sicherste Lösung gewesen."
Alternative Lösungen? In den von der Seite anstürmenden Mann gehen? "Ich sehe ihn von hinten natürlich auch gar nicht", rechtfertigte sich Neuer. Den Ball mit einem gewissen Risiko wegfausten? "Wenn ich anfange, im Fünfmeterraum die Bälle auf Brustwarzenhöhe rumzupatschen, wäre es womöglich ein Eigentor gewesen."
Er schloss, um das nochmal klarzustellen, mit: "Auf gar keinen Fall." Auf erneute Nachfrage meinte der Rekordtorhüter bei Weltmeisterschaften mit nun 22 Einsätzen: "Es ist eine ganz normale Situation, und ich treffe die Entscheidung in Millisekunden." Für ihn war die Diskussion in dem Moment beendet.
Baumann statt Neuer? Dagegen sprach "der Blick aufs Ganze"
Dabei sah der 23 Monate nach seinem Rücktritt aus der Nationalelf zur WM-Endrunde zurückgekehrte Neuer in der Szene ziemlich alt aus. Gegen Außenseiter Curacao (7:1) zum Auftakt und im zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste (2:1) konnte sich Neuer nicht auszeichnen.
Er habe "eigentlich nur zwei Bälle bisher aufs Tor bekommen und die waren drin", hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann gesagt und trotz des bereits feststehenden Gruppensieges auf eine Dankeschön-Aufstellung von Oliver Baumann verzichtet. Der 36-Jährige hatte sämtliche WM-Qualifikationsspiele meist sehr ordentlich bestritten.
"Beim Blick aufs große Ganze", so Nagelsmann vor der Partie gehe es um "Rhythmus" - und eben nicht um Geschenke für Loyalität.
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Nagelsmann nimmt Neuer in Schutz: "Undankbar für Torwart"
Quelle: Perform
Nagelsmanns Kritik: "Wir müssen im Sandwich bleiben"
Gegen Ecuador konnte Neuer in der 62. Minute immerhin seine erste Parade des Turniers zeigen - beim Schuss von Enner Valencia. Neuers Patzer wenig später sah Nagelsmann eine Kollektivschuld: "Wir müssen die Höhe halten, müssen im Sandwich bleiben." Das ging an Raum, der sein Kopfballduell verlor. Verständlich, dass Neuer den schützt, den er zurückholte und sich nun eine Torwartdiskussion vermeiden will.
Das alles hätte der Bundestrainer sich ersparen können. Eine schöpferische Pause für Neuer, der stattdessen in einer intensiven Trainingseinheit hätte gefordert werden können, und ein Einsatz für Baumann - wäre das nicht der Königsweg gewesen?
Hätte Baumann stark gehalten, wäre er bis ans Ende seiner Tage happy und dankbar über das WM-Erlebnis gewesen. Hätte Baumann gepatzt, wäre es nicht weiter schlimm gewesen und alle hätten gesagt: Gut, dass Neuer in der K.o.-Runde wieder spielt.
Aber so?
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