WM 2026 - Lionel Scaloni und Luis de la Fuente: Die Trainer im WM-Finale sind das Gegenteil des "modernen" Coachings
Publiziert 16/07/2026 um 19:56 GMT+2 Uhr
Im Finale der Fußball-WM 2026 stehen mit Spanien und Argentinien zwei Fußballnationen mit Weltklassespielern, leidenschaftlichen Fans - und Trainern, die wirken, als wären sie aus der Zeit gefallen. Sie kennen viele Spieler noch aus den Jugendteams, sind waschechte Fans ihrer Mannschaften und setzen alles auf das Kollektiv statt auf taktische Finesse oder Einzelaktionen. Ein Erfolgsrezept.
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Quelle: Perform
Er konnte, er wollte gar nicht hinschauen. Es war zu viel für Lionel Scaloni, der feuchte Augen bekam, als Enzo Fernández den Ball zum 3:2-Endstand gegen Ägypten im Tor versenkte. Spiel gedreht, nicht nur im WM-Achtelfinale.
Als sie im Halbfinale den Rückstand gegen England aufholten und Lautaro Martínez in der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte, muss es Scaloni ähnlich gegangen sein wie im Achtelfinalspiel. "Ich kann nicht hinsehen", hatte er da gesagt. "Ich bin sehr, sehr emotional. Was für eine Gruppe!"
In seiner Heimat nennen sie ihn "llorona", was man ins Deutsche übersetzen könnte mit "Heulsuse". Und es ist liebevoll gemeint, es zeichnet Scaloni aus. Die "Heulsuse" hat es erneut ins WM-Finale geschafft.
Nicht nur der Argentinier, auch sein Gegenüber, Luis de la Fuente, ist keiner, den man typischerweise einen "modernen" Trainer nennen würde. Der spanische Erfolgsweg ist dem argentinischen ähnlicher als gedacht - und das liegt vor allem an den Trainern.
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Scaloni und de la Fuente: eine Interimslösung, eine Beförderung
Er sollte nur für zwei Spiele interimsweise auf der Bank sitzen. Als der damals 40 Jahre alte Lionel Scaloni 2018 als Nationaltrainer Argentiniens fest übernahm, hielt Fußballgott Diego Maradona - also der andere argentinische Gott neben Lionel Messi - nicht begeistert, eher belustigt. "Ein super Typ, aber er kann nicht einmal den Verkehr regeln", sagte der 2020 verstorbene Nationalheld - und wurde eines Besseren belehrt.
Scaloni, der selbst als Rechtsverteidiger das Trikot der Albiceleste trug, kam als Trainer ohne Erfahrung zur Nationalmannschaft, coacht sie nun seit über 100 Spielen, gewann zweimal die Copa America und steht vor der WM-Titelverteidigung.
Auch Luis de la Fuente, 65-jährig, kam eher schleichend auf seinen Trainerstuhl. Nach der WM 2022 trennte sich der spanische Fußballverband nach dem Achtefinal-Aus gegen Marokko von Luis Enrique. Hier entschied man sich allerdings bewusst, keinen großen Namen zu holen.
Stattdessen beförderten sie den langjährigen Jugendtrainer de la Fuente, was sich als Glücksgriff herausstellte. Seit 37 Spielen ist "La Roja" ungeschlagen, auch das vierte von vier Duellen gegen Frankreich gewann de la Fuente mit den Spaniern. Es ist kein Zufall.
"Vereins-Ikonen" statt Team-Manager
Um zu sehen, warum das so ist, muss man sich nur die Laufbahn des spanischen Trainers anschauen, der seit 1997 als Fußballtrainer und seit 2013 beim spanischen Fußballverband arbeitet. Wie die Spieler selbst durchlief auch er (fast) alle Mannschaften.
Er gewann mit der U18 die Mittelmeerspiele (2018), wurde mit der U19 Europameister (2015), mit der U21 Europameister (2019) und gewann mit ihr Olympisches Silber (2021). Viele Spieler, mit denen er in den USA auf Weltmeistermission ist, kennt er seit deren Jugendtagen.
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Luis de la Fuente herzt Rodri nach dem Halbfinal-Sieg gegen Frankreich.
Fotocredit: Imago
Meine Beziehung zu rund 90 Prozent des aktuellen Kaders reicht Jahre zurück.
Das sagte de la Fuente vor der WM in einem Interview mit "fifa.com". "Einige kenne ich sogar seit sie zehn oder zwölf Jahre alt waren. Ich habe jede Phase ihrer Entwicklung miterlebt und wir sind gemeinsam gewachsen. Das geht weit über das normale Verhältnis zwischen Spieler und Trainer hinaus."
Scaloni kennt einen seiner Spieler sogar noch aus der gemeinsamen aktiven Zeit: 2006 saßen er und der damals 19-jährige Lionel Messi beide auf der Bank, als Deutschland sie nach dem 4:2 im Elfmeterschießen nach Hause schickte. Beide Trainer, Scaloni und de la Fuente, sind so tief verwurzelt mit ihren Teams, wie es sonst nur langjährige Vereinstrainer oder gar Vereinsikonen schaffen.
Kollektiv schlägt Taktik
Wie der argentinische Trainer führt, macht eine Aussage seines Schützlings Rodrigo de Paul deutlich.
Wir sind keine Fußballspieler, sondern Menschen, die Fußball spielen.
"Wenn du weißt, da ist ein Trainer, der deine persönlichen Probleme, Träume und Freude versteht, fühlst du dich viel wohler."
Scaloni versteht sie. "Es ist nicht einfach, bei einer Mannschaft von 30 Spielern jeden glücklich zu machen", sagte auch Leandro Paredes. Scaloni schafft das - und noch mehr: Er macht Messi zum klaren Führungsspieler auf dem Rasen, dem alle folgen sollen. Und alle folgen ihm.
Diesen einen klaren Führungsspieler gibt es beim Europameister nicht, dafür ein starkes Kollektiv. "ZDF"-Experte Christian Streich schwärmte etwa: "Er hat in dem Interview achtmal die Mannschaft erwähnt, immer von der Gruppe gesprochen, vom Land, von Dankbarkeit. Er ist ein Weltklasse-Trainer und es kommt nur Demut rüber, Ruhe, Zurückhaltung."
Das sei "außergewöhnlich". De la Fuente hat das spanische Spiel sicher nicht revolutioniert. Er hat es auch nicht schöner gemacht, aber besser. "Bei uns dreht sich alles um die Werte, die den Teamgedanken ausmachen: füreinander und für sich selbst spielen", sagte er bei "fifa.com".
Durch raffinierte Taktik - wie sie Pep Guardiola, England-Trainer Thomas Tuchel oder vielleicht auch Julian Nagelsmann praktizieren - fallen Scaloni und de la Fuente nicht auf. Doch beide zeigen, dass Teamgeist und ein Kämpferherz wichtiger sein können.
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Quelle: Perform
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