Neue Vorwürfe gegen THW

Der Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, hat neue Details zu den Bestechungsvorwürfen um den THW Kiel genannt. Der 39-Jährige schilderte Gespräche mit dem Hauptbeschuldigten und zurückgetretenen THW-Manager Uwe Schwenker sowie dem ehemaligen Trainer Zvonimir Serdarusic.

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Beide hätten, so der Bericht der "Hambuger Morgenpost", Nielsen gegenüber Bestechungen eingeräumt. Serdarusic habe auch die Absicht gehabt, nach seiner Entlassung 2008 Schwenker "aus Rache" mit belastenden Kontoauszügen zu erpressen. Das Ausmaß der Manipulation sei sehr hoch: 22 von 25 internationalen Schiedsrichter-Duos seien käuflich, habe Nielsen von Serdarusic erfahren.
Der THW Kiel kündigte rechtliche Schritte gegen Nielsen an. In einer Pressemitteilung hieß es: "Der THW Kiel geht nach wie vor davon aus, dass die von Herrn Nielsen erhobenen Vorwürfe inhaltlich falsch und sachlich unbegründet sind. Über die in Zagreb und im Hause Serdarusic geführten Gespräche liegen abweichende und gegenteilige Angaben beteiligter Dritter vor. Außerdem weichen diese Äußerungen von Herrn Nielsen in zahlreichen Punkten erheblich von eigenen früheren Aussagen vor den Ermittlungsbehörden und dem Amtsgericht Kiel ab." Den dadurch begründeten Verdacht einer falschen uneidlichen Aussage von Nielsen werde der THW der Staatsanwaltschaft Kiel anzeigen.
"Es ist für Uwe Schwenker eine schwierige Abwägung gewesen zwischen dem Schutz der eigenen Interessen und dem Schutz des Handballs. Leider ist diese Abwägung zu Lasten des Handballs ausgegangen", sagte Hans-Peter Krämer, Aufsichtsratsmitglied des Ligaverbandes HBL, der vor einer "unendlichen Geschichte" warnte. Schwenker bestreitet nach wie vor die Vorwürfe der Schiedsrichterbestechung.
"Makabrer Beigeschmack"
"Alles muss schnellstens auf den Tisch, damit diese herrliche Sportart wieder das Wesentliche sichtbar machen kann, nämlich den Sport", erklärte Krämer, "Handball bietet im Moment ein Bild wie der Radsport auf dem Höhepunkt der Dopingkrise." Derzeit würde sich noch nicht einmal in Kiel jemand über den fünften Titel in Serie freuen, den der THW am Wochenende perfekt machen kann: "Das hat einen makabren Beigeschmack, denn die Kieler spielen derzeit so gut wie nie".
Die bisher ungeschlagenen "Zebras" brauchen aus der Auswärtspartie beim TBV Lemgo nur noch einen Punkt, um vorzeitig zu triumphieren. Bei Trainer Alfred Gislason sorgte zumindest die Entwarnung bei Rückraumstar Nikola Karabatic, der trotz Knieproblemen spielen kann, für Erleichterung.
Nielsen will unterdesse am Rande des WM-Finals am 31. Januar in Zagreb von Schwenker über die Bestechung informiert worden sein. Auch THW-Gesellschafter Hubertus Grote, Geschäftsführer der "Kieler Nachrichten", habe davon gewusst. Begründet habe Schwenker die Manipulation damit, dass "man nur so die Champions-League gewinnt". Belege für die Schiedsrichter-Bestechungen will Nielsen indes im Gespräch mit Serdarusic und dessen Ehefrau gesehen haben. Der 58-Jährige hatte bereits einen Dreijahres-Vertrag bei den Löwen unterzeichnet, der kurz darauf aufgelöst worden war.
Ruf "auf 20 Jahre ruiniert"
Zwar glaubt Nielsen nicht, dass der THW auch in der Bundesliga bestochen habe, Serdarusic habe ihm aber gesagt, dass "international 22 von 25 Schiedsrichter-Gespannen für Bestechungsgelder empfänglich" seien. Als Konsequenz aus der Manipulationsaffäre fordert Nielsen harte Strafen für den Konkurrenten, dessen Ruf "auf 20 Jahre ruiniert" sei.
So müsse der THW mit einer internationalen Sperre für drei Jahre und einem Punktabzug von 20 Zählern für die nächste Bundesliga-Saison bestraft werden. Der Geschäftsführer der Löwen, Thorsten Storm, sagte, bei den geforderten Strafen handle es sich "um Nielsens persönliche Meinung, nicht den Standpunkt der Rhein-Neckar Löwen. Wir können niemanden bestrafen."
Storm sorgt sich um den Handball
Details aus dem Gespräch mit Serdarusic, bei dem auch Storm anwesend gewesen sein soll, nannte er nicht. Bei dem Treffen sollten "Aussagen und Gerüchte" geprüft werden, um zu entscheiden, ob das Arbeitsverhältnis mit dem neuen Trainer angetreten werden könne.
"Für die Rhein-Neckar Löwen war die Angelegenheit erledigt, nachdem uns Noka Serdarusic gewisse Dinge bestätigt hatte und wir den Vertrag mit ihm aufgelöst hatten", sagte Storm, der sich um den Ruf seiner Sportart sorgt. "Man muss aufpassen, dass wir damit unsere sportlichen Leistungen nicht wieder mit dem Arsch umschubsen. Das passiert nämlich gerade."
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