Am Montagabend hatte der DHB bekanntgegeben, dass nach den positiven Tests bei Julius Kühn und dessen nachnominierten Ersatzmann Hendrik Wagner sich auch ein Quintett um Andreas Wolff, Kai Häfner und Timo Kastening infiziert habe.
Bundestrainer Alfred Gislason reagierte auf die positiven Tests und nominierte kurzfristig für das Vorrundenspiel am Dienstag gegen Polen (18:00 Uhr im Eurosport-Liveticker) Rune Dahmke, Sebastian Firnhaber, Paul Drux und Fabian Wiede sowie Torwart Johannes Bitter nach.
Häfner und Kastening zählten in den ersten beiden Spielen gegen Belarus und Österreich zu den absoluten Leistungsträgern. Nicht nur deshalb ein schwerwiegender Ausfall für das DHB-Team.
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Doch für Pascal Hens spielten am Dienstagmittag im Gespräch mit Eurosport.de sportliche Aspekte eine untergeordnete Rolle. Auf die Frage, ob die Mannschaft diese ausgefallenen Stützen kompensieren könne, entgegnete Pascal Hens: "Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir darüber überhaupt keine Gedanken. Ich überlege mir mehr, wie es überhaupt weitergehen soll, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es dabei bleibt. Die fünf Jungs, die jetzt positiv sind, waren im ständigen Kontakt mit den anderen. Darüber mache ich mir gerade mehr Gedanken."

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Hens: "Fünf weiteren Fälle am Montag haben mich nicht verwundert"

Und auch wenn er im Gespräch betonte "kein Hellseher" zu sein, sollten sich seine Sorgen nur wenige Stunden später bewahrheiten. Am Nachmittag, drei Stunden vor dem Polen-Spiel, gab der DHB bekannt, dass mit Torhüter Till Klimpke und Marcel Schiller zwei weitere Profis positiv getestet wurden.
Hens überraschten schon die positiven Fälle von Montagabend nicht. "Als Julius Kühn (am Samstag, Anm. d. Red.) den positiven Test hatte, da habe ich mir schon gedacht: ‘Ok, er war in Kontakt mit allen anderen Spielern.’ Ich hatte natürlich gehofft, dass da nichts kommt. Aber mich hat es nicht so sehr verwundert, als am Montagabend die Meldung kam, dass es fünf weitere Fälle gibt", sagte der 41-Jährige am Dienstagmittag, als sieben Corona-Infektionen feststanden.
"Wenn man jetzt eins und eins zusammenzählt, könnte man ja jetzt noch weiter schlussfolgern, die fünf Jungs waren ja auch mit den anderen zusammen", ergänzte Hens. Man könne nur hoffen, dass nichts weiteres komme, sagte er weiter. Diese Hoffnung platzte schon kurze Zeit später.
Auch einen möglichen Rückzug des DHB-Teams bei weiteren Coronafällen wollte Hens nicht ausschließen. "Das kommt immer auf den Umfang an. Wenn jetzt auf einmal zehn weitere Spieler positiv getestet werden, wird es natürlich irgendwann eng. Wen soll der Bundestrainer denn in diesem Fall noch nachnominieren?", meinte der Weltmeister von 2007.

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Hens: "Spiele mit B-Mannschaften will ja auch keiner sehen"

"Ich will jetzt auch nicht prognostizieren, dass Deutschland das Team bald zurückziehen muss", erklärte Hens. Aber: Diesmal habe Alfred Gislason noch Spieler nachholen können, die helfen können, wenn es weitere Fälle gäbe, würde es nicht mehr so sein. "Irgendwann kannst du nicht mehr gleichwertig nachnominieren und dann ergibt es auch keinen Sinn mehr", so Hens.
Die deutsche Mannschaft ist kein Einzelfall. Bereits in der Turnier-Vorbereitung hatten mehrere Nationen mit Coronafällen zu kämpfen. Insgesamt wurden bereits bei der Hälfte der teilnehmenden Teams Infektionen festgestellt.
Sollte sich die Situation auch bei anderen Nationen verschlimmern, sieht Hens die gesamte Europameisterschaft in Gefahr. "Wenn jetzt zusätzlich zur deutschen Mannschaft auch weitere Nationen davon betroffen sein sollten, muss sich auch die EHF (Europäischer Handball-Verband, Anm. d. Red.) überlegen, ob es überhaupt noch Sinn ergibt", meinte Hens.
Spielverlegungen sind aufgrund des enggetakteten Spielplans und Handball-Kalenders nicht möglich. Bei großen Ausbrüchen bliebe im Zweifelsfall entweder der Rückzug oder der komplette Austausch der Spieler. Von dieser Idee hielt Hens jedoch gar nichts: "Spiele mit B-Mannschaften will ja auch keiner sehen."

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Hens appelliert an die Gesundheit der Spieler

Und: "Der Virus ist dann ja auch im Umlauf und es wird immer weitergehen, auch bei den nachnominierten Spielern. Dabei sollte man natürlich auch an die Gesundheit der Spieler denken."
Abschließend sagte er: "Es ist einfach schwierig zu sagen, was in den nächsten Tagen passiert." Das ist es bekanntermaßen bei einer so hohen Leistungsdichte wie bei einer EM meistens. In diesem Jahr ist das Turnier nun endgültig um einen weiteren Spannungsbogen reicher. Einen, auf den nicht nur Hens sehr gerne verzichten würde.
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