Zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Ägypten traf Deutschland auf den Turnier-Neuling Uruguay. Obwohl mit Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold gleich drei Champions-League-Sieger vom THW Kiel der DHB-Auswahl im Vorfeld absagten, gab Vizepräsident Bob Hanning vor Turnierstart das Viertelfinale als Mindestziel aus. Ein Sieg gegen Außenseiter Uruguay war deshalb Pflicht.
Und die Deutschen starteten auch sehr konzentriert in die Partie. Julius Kühn traf mit dem ersten Wurf zur 1:0-Führung. Auf der anderen Seite stand die Abwehr gegen die in der Offensive klar limitierten Südamerikaner sicher. Erst nach sieben Minuten kam Uruguay in Person von Federico Rubbo zum ersten WM-Tor ihrer Geschichte.
Deutschland zog relativ schnell auf 6:1 davon, danach schlichen sich aber zunehmend ein paar Ungenauigkeiten im Offensivspiel ein. Insbesondere Uwe Gensheimer vergab in der ersten Halbzeit neben einem Siebenmeter auch noch drei weitestgehend freie Würfe. Zudem hielt Uruguays Keeper Federico Gonzaléz ein ums andere Mal stark und stand zwischendurch bei 43 Prozent gehaltenen Bällen.
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Von seinen Vorderleuten erhielt der Torhüter aber nicht allzu viel Unterstützung, auch wenn zumindest nur wenige Tempogegenstöße zugelassen wurden. Immerhin kamen die Uruguayer noch zu weiteren Treffern, am Ende von Halbzeit eins waren es vier Stück.
Deutschland ließ zwar ein paar Chancen zu viel liegen, der 16:4-Vorsprung zur Pause verdeutlichte aber die klare Überlegenheit. "Die Uruguayer haben Probleme mit dem Arbeitsgerät, der ein oder andere auf der Mittelposition scheint auch übergewichtig zu sein", urteilte DHB-Vizepräsident Hanning in der Halbzeit in der "ARD".
Zur zweiten Hälfte tauschte DHB-Trainer Alfred Gislason durch und gab auch seinen restlichen Spielern genügend Zeit, sich für das Turnier einzuspielen.
Die deutsche Mannschaft nutzte die hohe Führung, um ein wenig zu experimentieren, steigerte im Vergleich zur ersten Halbzeit aber die Effektivität. Zwar konnten die Uruguayer noch zwei Zwei-Minuten-Strafen ziehen und dadurch selbst das eine oder andere Tor erzielen, doch Deutschland baute den Vorsprung kontinuierlich aus.
Der Angriff zeigte sich deutlich effektiver als noch in der ersten Halbzeit. Es ergaben sich mehr Tempogegenstöße nach Balleroberungen, die insbesondere Timo Kastening (neun Treffer) vollendete. So hatte Deutschland nach 19 gespielten Minuten in der zweiten Hälfte (32:9) schon genauso viele Treffer vorzuweisen wie in Halbzeit eins.
Zum Ende des Spiels legten beide Mannschaften angesichts des klaren Spielstandes nicht mehr die hohe Intensität an den Tag. Das kam aber vor allem den Deutschen zugute, die nun fast nach Belieben trafen.
Am Ende stand daher ein deutlicher 43:14-Sieg, den die Mannschaft aber durchaus einzuschätzen weiß. Erst im dritten Gruppenspiel gegen Ungarn am Dienstag (20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) wartet die erste schwere Aufgabe.

Die Stimmen zum Spiel:

Johannes Bitter (Deutschland): "Wir sind super glücklich. Wir haben uns genau so vorbereitet wie auf jeden starken Gegner, weil wir uns nichts zu Schulden kommen lassen wollten. Und das Ergebnis ist am Ende vollkommen okay. Gut gefallen hat mir auf jeden Fall, dass wir in der zweiten Halbzeit schönen Handball gespielt haben, dass wir auch ein bisschen mutiger und frecher waren. In der ersten Halbzeit waren wir doch ein bisschen gehemmt und haben viele Bälle verworfen. Aber das ist vollkommen normal."
Alfred Gislason (Trainer Deutschland): "Ich bin erstmal sehr zufrieden mit der Einstellung, besonders mit der Abwehr in der ersten Halbzeit, dass sie Geduld hatten. Sie wussten ja auch, dass es ein anderer Gegner ist, als man gewöhnt ist. Jeder will ja auch spielen und ich gucke ja schon auf die Statistik. Es war auch das Ziel, uns weiter einzuspielen und Taktiken einzustudieren. Das ist bedingt gelungen. Mit der Spielzeit hat es uns der Gegner ein bisschen zu leicht gemacht, damit ein richtiger Trainingseffekt dabei herauskam."

Das fiel auf: Deutscher Angriffsmotor stottert eine Halbzeit lang

16:4 lautete die deutliche Halbzeitführung für die DHB-Auswahl. Dennoch zeigten sich sowohl Trainer als auch Spieler nach der Partie nicht zufrieden mit den ersten 30 Minuten. Insbesondere die Chancenverwertung bemängelte Gislason im Anschluss im Interview und erklärte: "Ich war natürlich in der ersten Halbzeit relativ unzufrieden. Wenn man bei elf Toren schon zehn Fehlwürfe hat - auch wenn der junge Torhüter gut gehalten hat - darf uns das so nicht passieren."
Tatsächlich entstand der Eindruck, dass die Deutschen nicht alle Abschlüsse mit höchster Konzentration nahmen. Und so waren die 16 Treffer gegen einen Gegner wie Uruguay eigentlich zu wenig. In der zweiten Hälfte nahmen sich die Spieler dies offenbar zu Herzen und nutzten die schwindenen Kräfte des Gegners zu viele Tempogegenstößen, die effektiv genutzt wurden. Das Trefferverhältnis von 16:27 zwischen Halbzeit eins und zwei unterstreicht diesen Eindruck.

Der Tweet zum Spiel:

Das erste WM-Spiel der Geschichte dürfte für alle Uruguayer ein besonderer Moment gewesen sein. Ein Spieler hatte aber noch einen unglaublicheren Tag. Keeper Federico Gonzaléz zeigte eine tolle Partie und hielt in der ersten Halbzeit starke zehn Würfe. Dafür wurde er am Spieleende als Spieler des Spiels ausgezeichnet - eine tolle Geste.

Die Statistik: 174

Es war nicht unbedingt der Abend von Uwe Gensheimer, der nicht nur seinen einzigen Siebenmeter vergab, sondern auch ein paar gute Chancen liegen ließ. Dennoch knackte der Kapitän durch seine drei Treffer eine ganz besondere Marke. Mit nun 174 Toren im Trikot der Nationalmannschaft ist Gensheimer nun deutscher WM-Rekordtorschütze.
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