Drittes Edelmetall im dritten Rennen: Die deutschen Slalom-Kanuten bleiben dank Andrea Herzog im Wildwasser auf der Medaillenspur. Der Weltmeisterin gelang in einer wahren Nervenschlacht der nächste große Coup, trotz einer Berührung im Stangenwald paddelte die Sportsoldatin bei der olympischen Premiere im Canadier zu Bronze.
Nur die australische Topfavoritin Jessica Fox sowie Mallory Franklin aus Großbritannien waren im Kasai Canoe Slalom Centre etwas schneller.
Zuvor hatten bereits Ricarda Funk mit Gold im Kajak und Sideris Tasiadis mit Bronze im Canadier Edelmetall für den Deutschen Kanu-Verband (DKV) gewonnen. Die Rehabilitierung für die Nullnummer in Rio 2016 ist längst gelungen.
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Die 21-jährige Herzog kassierte an Tor 17 für ihre Stangenberührung eine Zeitstrafe von zwei Sekunden, doch dank eines beeindruckenden Schlussspurts rettete das Küken im deutschen Team die Medaille ins Ziel.

Nächste deutsche Kanu-Medaille! Herzog mit Top-Lauf zu Bronze

Andrea Herzog holt sich Tipps von Ricarda Funk

Herzog hatte sich vor dem Entscheidungstag mit Funk zum Abendessen verabredet, holte sich von der Kajak-Siegerin noch ein paar Tipps. Und die fruchteten offenbar bestens - bereits in den ersten beiden Runden untermauerte die Sächsin eindrucksvoll ihre Medaillenambitionen. Nach Rang zwei in den Vorläufen ließ sie sich schon im Halbfinale von einer Stangenberührung nicht aus der Ruhe bringen und paddelte als Vierte in den Endlauf.
Herzog war 2019 mit gerade einmal 19 Jahren in die Weltspitze gestürmt, gewann bei der WM im spanischen La Seu d'Urgell sensationell die Goldmedaille.
Kein Grund zum Abheben für die generell eher introvertierte Sportlerin. Der WM-Titel mache sie "nicht zu einem anderen Menschen", sagte die fünfmalige Junioren-Weltmeisterin damals.
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Auf der Erfolgswelle: So machte Funk das Gold-Märchen wahr

Herzog: Nach Einserabitur zur Weltklasseathletin

Ihr Weg nach oben hätte kaum geradliniger verlaufen können. 2008 nahm ihr Bruder Robert sie erstmals mit zum Kanu-Training, 2009 saß sie mit nur zehn Jahren erstmals im Slalomboot. Nach einigen Jahren im heimischen Verein in Meißen wechselte sie 2015 wegen der besseren Trainingsbedingungen nach Leipzig ans Sportgymnasium. Trotz anfänglichen Heimwehs reifte die Einserabiturientin dort zur Weltklasseathletin.
Der Wunsch nach Perfektion treibt sie an, selbst das Familienleben muss für ihre sportlichen Ziele hinten anstehen. Freund Philipp, eins selbst Slalom-Kanute, arbeitet im Schichtdienst, die gemeinsame Zeit ist rar. "Wir schaffen es meistens, dass wir uns nicht sehen", sagt sie gerne scherzhaft. Doch spätestens mit Erfüllung ihres olympischen Traums haben sich die Entbehrungen gelohnt.
Und ihre Medaille muss noch nicht die letzte für den DKV sein. Im letzten Wettkampf im Kajak-Einer der Männer schickt Deutschland am Freitag den Vorlaufschnellsten Hannes Aigner ins Rennen.

Zu zweit auf der Olympia-Strecke: Heißer Ritt mit Hannes Aigner

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(mit SID)

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