Wenn Kunstturnerin Elisabeth Seitz lacht, hat das immer etwas Ansteckendes. Vielleicht deshalb fliegen der deutschen Rekordmeisterin bei ihrer Kampagne gegen Sexismus im Sport so viele Sympathien zu. Aber eben auch, weil die Sportsoldatin ihr Anliegen nicht dogmatisch oder gar moralinsauer in die Öffentlichkeit trägt.
"Wir wollen zeigen, dass der Turnsport wunderschön ist und dass es dabei nicht darum geht, was man trägt. Das Wichtigste ist, dass sich die Turnerin wohlfühlt", beschreibt die Stuttgarterin den Kern ihrer Initiative "It's my choice", die nach den Olympischen Spielen in Tokio noch mehr an Fahrt aufnehmen soll.

Anzüge offiziell seit 2009 erlaubt

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Die 27-Jährige möchte niemandem etwas vorschreiben, sondern jeder Athletin vorleben, dass sie selbst entscheiden kann, was sie wann tragen möchte. Bei den Europameisterschaften im April in Basel traten die deutschen Turnerinnen erstmals auch in langbeinigen Einteilern statt der üblichen knapperen Turnanzüge an - und ernteten damit Aufsehen weltweit.
Über allem steht für die WM-Dritte von 2018 am Stufenbarren die freie Entscheidung: "Ich fühle mich sehr wohl in den langen Anzügen, aber es ist tagesabhängig. Manchmal mag ich mehr Stoff, manchmal habe ich Lust auf weniger." Offiziell erlaubt sind die sogenannten Unitards zwar schon seit 2009, wurden aber bislang fast ausschließlich aus religiösen Gründen von wenigen muslimischen Athletinnen getragen.
Und so ist auch überhaupt noch nicht entschieden, in welchem Dress sich Seitz und ihre Teamkolleginnen Kim Bui, Sarah Voss und Pauline Schäfer am Sonntag (ab 13:20 Uhr bei Eurosport) beim olympischen Qualifikations-Wettkampf im Ariake Gymnastics Center präsentieren werden.

Krönender Abschluss für Bundestrainerin Koch?

Unabhängig von der Bekleidung will sich das Quartett für das olympische Teamfinale am Dienstag qualifizieren, für Seitz geht es am Stufenbarren aber auch um einen Platz im Gerätefinale. Vor fünf Jahren in Rio de Janeiro musste sie am Doppelreck mit dem undankbaren vierten Platz hinter ihrer damaligen Teamkollegin Sophie Scheder vorliebnehmen.
Ein Finalplatz für das Quartett des Deutschen Turner-Bundes (DTB), eine Medaille für Seitz - das wäre auch für die scheidende Bundestrainerin Ulla Koch ein krönender Abschluss. Nach 16 Jahren als Teamchefin geht die Rheinländerin im Herbst in den Ruhestand.
Und sie bewies, dass man auch mit 66 Jahren Neuem gegenüber aufgeschlossen bleiben kann. Denn als ihr eine ihrer Athletinnen offenbarte, sich im Kurzanzug "fast nackt" zu fühlen, sah Koch Handlungsbedarf: "Da muss man als Trainerin reagieren und sagen: Was kann man da machen?"
Sie regte bei Teamschneiderin Steffi Kusemann an, einen alternativen Turndress zu kreieren. Keine drei Monate später kam bereits ein "Prototyp" im Training zum Einsatz. Ein weiter entwickeltes Modell wird nun in Tokio auf der ganz großen olympischen Bühne zu sehen sein.
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(SID)

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