"Ich bin nervöser, wenn ich turne und ich habe weniger Spaß", bekannte Biles.
Die US-Amerikanerin räumte auch ein, dass sie irgendwann mit einer solchen Eskalation gerechnet habe. "Aber es nervt natürlich, dass es nach einem solchen Jahr ausgerechnet hier bei den Olympischen Spielen passiert."
Zuvor hatten sich im Ariake Gymnastics Center bizarre Momente abgespielt. Simone Biles klatschte, sie schrie, sie warf Küsschen in die Kamera - dabei war sie längst nur noch Zuschauerin.
Olympia - Kunstturnen
Höchste Rückendeckung für Biles: Weißes Haus meldet sich zu Wort
UPDATE 27/07/2021 UM 17:54 UHR
Während die sozialen Netzwerke rund um den Globus regelrecht explodierten, verfolgte der Kunstturn-Superstar das olympische Mannschaftsfinale im weißen Trainingsanzug. Ihre große Show war beendet, bevor sie richtig begonnen hatte.

Was ist los mit Simone? Biles steigt nach nur einem Sprung aus

Biles stieg nach dem ersten von vier Geräten aus - "aus medizinischen Gründen", wie der US-Verband zunächst mitteilte. Die 24-Jährige werde "täglich untersucht, um für kommende Wettbewerbe Klarheit zu bekommen".
Biles hatte die Halle nach einem verpatzten Abgang beim Sprung und anschließenden Diskussionen mit ihrer Trainerin plötzlich verlassen.
Als sie rund zehn Minuten später zurückkehrte, gab das US-Team das vorzeitige Ausscheiden der Rekord-Weltmeisterin bekannt.

Hambüchen: "So noch nie erlebt"

"Die Situation war ganz wild", erklärte Eurosport-Experte Fabian Hambüchen, der 2016 in Rio de Janeiro Olympiasieger am Reck wurde. "Normalerweise macht sie diesen Sprung mit zweieinhalb Schrauben in der Luft - jetzt hat sie den Sprung aber nach eineinhalb Schrauben abgebrochen."
Es habe fast so ausgesehen, "als wollte sie erst den Doppelsalto machen, sich aber in der Luft entschieden, doch die Schraube zu machen. Das war komisch und das habe ich selbst so noch nie erlebt", wunderte sich Hambüchen.
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Auf Simone Biles lastet eine enormer Druck

Damit startete die Gold-Mission der viermaligen Olympiasiegerin von Rio 2016 mit einer riesigen Enttäuschung. In die Medaillenentscheidung griff Biles nicht mehr ein, die Übungen am Stufenbarren, Balken und Boden turnte ihre Ersatzfrau.

Rätselraten um Biles-Aus: Hambüchen vermutet mentale Probleme

Ob die Rekord-Weltmeisterin in Tokio überhaupt noch an den Start gehen kann, blieb zunächst offen. Während des Wettbewerbs am Dienstagabend im Ariake Gymnastics Center wurde Biles immer wieder von ihrer Trainerin in den Arm genommen. Auch ihre Teamkolleginnen streichelten ihr die Wange.
Biles, die schon in der Qualifikation für sie ungewöhnliche Wackler gezeigt hatte, ist in Tokio einem enormen Druck ausgesetzt, die Last auf den Schultern der 24-Jährigen ist riesig. In der Heimat wird dieser Tage nicht weniger als die Wiederholung ihrer vier Rio-Goldmedaillen von Biles erwartet.
"Im Moment habe ich wirklich das Gefühl, dass ich das Gewicht der ganzen Welt auf den Schultern trage", offenbarte Biles nach der Qualifikation in den Sozialen Medien, nachdem eine unsaubere Landung am Boden und ein verstolperter Abgang vom Schwebebalken für Diskussionen nicht nur in den turnverrückten USA gesorgt hatten.

"Die Vorrunde war ein Weckruf"

Diese enorme Erwartungshaltung formulierte Teamkoordinator Tom Forster unmissverständlich: "Die Vorrunde war ein Weckruf, wir müssen daraus lernen. Wir müssen uns dringend darauf konzentrieren, die Fehler zu beheben." Zwar waren auch Biles' Teamkolleginnen nicht ohne Patzer geblieben, doch Adressatin der Kritik war zweifellos in erster Linie die 1,42 m kleine Ausnahmeathletin.
Genau so jedenfalls kamen diese Vorhaltungen auch bei ihr an: "Ich weiß, dass ich den Druck beiseite schieben kann, und dann sieht es so aus, als ob ich ihn nicht mehr spüre. Aber manchmal ist das verdammt hart. Olympia ist kein Spaß."
Hambüchen betonte indes, dass "irgendwann jeder zerbrechlich" sei. "Wir können sicherlich einen großen Druck aushalten und uns mental vorbereiten, aber sie ist einfach nur ein Mensch und das muss man auch respektieren", so der Eurosport-Experte.
"Letztendlich ist die große Frage: Kann sie sich von der Situation heute erholen? Kann sie im Mehrkampf antreten? Kann sie in allen vier Gerätefinals antreten? Es ist nichts verloren. Sie haben trotzdem Silber gewonnen und Simone hat ihren Teil dazu beigetragen. Aber ihr großes Ziel sind drei, vier Goldmedaillen."
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(SID)

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