Was die deutsche Leichtathletik brauchen kann - und was nicht: Neugebauer und Kaul leben es vor, Meyer sorgt für Misstöne
Update 14/08/2026 um 13:01 GMT+2 Uhr
Der Donnerstag brachte bei der Leichtathletik-EM 2026 in Birmingham zwei Goldmedaillen für Deutschland hervor. Leo Neugebauer triumphierte im Zehnkampf, Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause war derweil über 3000 Meter nicht zu schlagen. Im Nachgang lieferten die beiden Titel völlig unterschiedliche Bilder, die zeigten, was die deutsche Leichtathletik braucht - und was eben nicht.
Gold und Silber! Neugebauer hält Kaul in Zehnkampf-Krimi in Schach
Quelle: Eurosport
Es sind die eindrücklichen Bilder, die manchmal mehr über eine Sportart erzählen als eine Medaille.
Mit allerletzter Kraft rettete Leo Neugebauer am Donnerstagabend die Goldmedaille im Zehnkampf bei der Leichtathletik-EM 2026 in Birmingham (bis 16. August live im Stream bei HBO Max) über die Ziellinie. Am Ende lag der frischgebackene Europameister knapp vor Landsmann Niklas Kaul.
Obwohl sie Sekunden zuvor noch Rivalen auf der Strecke waren, sorgten die beiden deutschen Zehnkämpfer für einen der schönsten Momente dieser EM: Erschöpft und mit einem breiten Lächeln im Gesicht klatschten sie sich ab, freuten sich füreinander und gönnten dem anderen seine Leistung.
Ein Augenblick, der kaum etwas mit dem eigentlichen Wettkampf zu tun hatte - und trotzdem umso mehr über den Sport verriet. Denn genau solche Momente bleiben hängen, weil sie oft eine größere Wirkung haben als das Ergebnis.
Rico Freimuth: "Dein größter Gegner bist du selbst"
"Diese Stimmung hast du bei uns im Zehnkampf immer", ordnete Eurosport-Experte Rico Freimuth die Bilder aus Birmingham ein: "Die zwei Tage, die man immer zusammen verbringt, verbinden auf eine gewisse Art auch."
Der Vizeweltmeister von 2017 musste während seiner Karriere ebenso immer wieder "Niederlagen" einstecken. Auf den Handschlag wollte Freimuth - wie am Donnerstag auch Kaul - aber nie verzichten.
"Dein größter Gegner bist immer nur du selbst. Wenn ein andere besser ist, können wir damit leben", sprach der 38-Jährige den Fair-Play-Geist unter den Zehnkämpfern an.
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13 Meter weiter im Speerwurf! Kaul setzt Neugebauer unter Druck
Quelle: Eurosport
So entstehen nicht nur positive Erinnerungen für den Sportler selbst, sondern auch Bilder, welche die deutsche Leichtathletik - die nicht oft im Rampenlicht steht - brauchen kann.
Schlagzeilen um Meyer: "Kam einfach unglücklich rüber"
Sport auf allerhöchstem Niveau zeigten auch die deutschen Hindernisläuferinnen. Im Finale über 3000 Meter eroberte Gesa Felicitas Krause die Goldmedaille (9:12,69 Minuten), knapp dahinter holte Olivia Gürth Bronze (9:15,33) vor der in der letzten Runde im Wassergraben gestürzten Lea Meyer (4./9:17,07).
Drei DLV-Athletinnen unter den Top Vier - und doch drehte sich am Ende alles um etwas völlig anderes. Meyer, die bei starkem Wind kräftezehrende Führungsarbeit geleistet hatte, kritisierte Krause für ihre zurückhaltende Taktik und ausgebliebene Führungsarbeit.
"Es ist einem ja bewusst: Gesa will keinen Meter was machen", sagte Meyer im "ZDF". "Die sitzt das aus und rennt dann hinten raus." Und: "Ich stehe dazu: Ich halte mich selber für die beste Hindernisläuferin Europas."
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3000 m Hindernis: Krause holt Gold, Bronze an Gürth - Drama um Meyer
Quelle: Eurosport
Aussagen, die Wellen schlugen. "Ich kann ihre Enttäuschung gut nachvollziehen. Es ist für Lea schon alles sehr unglücklich gelaufen", zeigte Eurosport-Expertin Alexandra Burghardt Verständnis für die trotzigen Worte seitens Meyer. Aber: "Es ist auch ein Meisterschaftsrennen - ihre Kolleginnen haben sich bewusst dazu entscheiden, nicht nach vorne zu gehen und das ist auch legitim."
"Ich bin mir sicher, dass sie es bereut, wie sie es im Interview wiedergegeben hat", meinte Burkhardt, selbst 4x100-m-Staffel-Europameisterin von 2022: "Sie hat sich auch für ihre Ausdrucksweise entschuldigt. Den Inhalt sehe ich gar nicht so negativ. Es kam einfach unglücklich rüber, weil sie super emotional und aufgelöst war."
Die Leichtathletik braucht keine künstliche Harmonie
Die Essenz der Geschichte: Wo Menschen um Medaillen kämpfen, müssen nicht alle nach jedem Wettkampf beste Freunde sein. Konkurrenz, Enttäuschung und auch ein bisschen Zoff gehören zum Leistungssport. Einen Unterschied macht allerdings, ob ein Konflikt nach dem Wettkampf untereinander geklärt wird - oder ob er öffentlich zum tonangebenden Teil der Geschichte wird.
Die deutsche Leichtathletik braucht hier keine künstliche Harmonie. Sie braucht Rivalität, Emotionen und Athleten, die um ihre Ziele und Lebensträume kämpfen.
Ein Ausrutscher wie von Meyer ist nur allzu menschlich - doch bleibt er deutlich länger in der Erinnerung haften als Ergebnisse oder nachfolgende Entschuldigungen.
Für einen Sportkosmos wie die Leichtathletik, die im Gegensatz zum Fußball nicht oft im Rampenlicht steht, sind Bilder wie jenes von Neugebauer und Kaul daher Gold wert. Wenn nicht sogar mehr.
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