Leichtathletik-EM: Owen Ansah holt Bronze über 100 Meter - "keine Angst" vor Medaillen-Verlust wegen drohender Sperre

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Owen Ansah gewann Bronze über 100 Meter bei der Leichtathletik-EM in Birmingham. Für den 25-Jährigen war es aufgrund einer drohenden Dopingsperre nach einem verweigerten Test allerdings auch kein leichter Wettkampf. Nach dem Rennen posierte der Sprinter mit der Deutschland-Fahne und seiner Bronze-Medaille für die Fotografen - und war auf die Fragen zur Dopingthematik vorbereitet.

100 Meter: Ansah holt Bronze - Drama um Top-Favorit Jacobs

Quelle: Eurosport

Owen Ansah spazierte langsam und etwas verloren wirkend über die blaue Bahn des Alexander Stadiums, die deutsche Fahne auf den Schultern, ein Lächeln im Gesicht. Eine Ehrenrunde verkniff sich der Hamburger nach seinem Sprint zu EM-Bronze, still genoss er den süßen Moment und blendete dessen salzigen Beigeschmack aus.
"Ach, ich bin einfach nur glücklich. Ich bekomme unglaublich viel Zuspruch, auch aus Deutschland", sagte Ansah. Im 100-m-Finale von Birmingham hatte er den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Einer Karriere, die angesichts der drohenden Vier-Jahres-Sperre wegen eines - so der Vorwurf - verweigerten Dopingtests alsbald in Trümmern liegen könnte.
"Diese Medaille war mein großes Ziel", sagte der 25-Jährige, der sich in 10,19 Sekunden bei strammem Gegenwind nur den Briten Romell Glave (10,09) und Jeremiah Azu (10,16) geschlagen geben musste. Ansah hat seine Medaille, er will am Freitag über 200 m (live bei Eurosport und HBO Max), "das traue ich mir zu", eine zweite gewinnen. Dabei ist völlig offen, wie lange er die erste behalten darf.
Er verspüre "keine Angst", dass er Bronze verlieren könne, sagte Ansah, "Ich vertraue auf mein Team, das hinter mir steht. Ich kann das andere nicht beeinflussen. Ich kann nur beeinflussen, wie schnell ich auf der Bahn bin. Und das habe ich heute gut gezeigt."

Muss Ansah die Bronzemedaille zeitnah abgeben?

Dabei ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die erste deutsche Männer-Medaille seit 1986 zeitnah per Paketpost in den Niederlanden beim viertplatzierten Elvis Afrifa landet und das deutsche Warten auf einen Medaillen-Nachfolger von DDR-Sprinter Steffen Bringmann vor 40 Jahren in Stuttgart weitergeht.
Sobald Ansah, der Anfang Juli einem Kontrolleur die Probenabgabe verweigerte (so der NADA-Vorwurf), in den Sanktionsvorschlag der Nationalen Anti-Doping-Agentur einwilligt, die ihn vier Jahre sperren will (oder drei Jahre, wenn Ansah binnen 20 Tagen ab Erhalt des Sanktionsbescheids zustimmt), sind alle Erfolge seit dem Testtag futsch. Gleiches gilt, wenn eine andere Instanz in der Folge im NADA-Sinne entscheidet. Deshalb kann der Deutsche Leichtathletik-Verband nicht riskieren, Ansah in den EM-Staffeln einzusetzen.
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Owen Ansah läuft zu Bronze über 100 Meter bei der EM in Birmingham

Fotocredit: Getty Images

Da Ansah, der nicht zustimmen will, nicht suspendiert ist, darf er vorerst weiterlaufen. Allerdings verzögert sich damit auch der Beginn einer möglichen Sperre. Alles in allem eine sehr missliche Situation für ihn, die er aber in Birmingham erstaunlich gut ausblendete. "Der Zuspruch, das Team in meinem Rücken, das verleiht mir Flügel", sagte Ansah.

Kein böses Blut zwischen Ansah und der Konkurrenz

Auffällig in Birmingham war indes, dass der Fall Ansah international noch kaum registriert wird. Der schnellste Deutsche der Geschichte erhielt vielleicht etwas weniger Beifall als die Finalrivalen, aber auch keine Pfiffe, es gab kein böses Blut aus Richtung der Konkurrenz.
Dass sich die britischen Doppelsieger Glave und Azu mit dem doppelten Union Jack in den Händen offenbar gerade in dem Moment aus dem Staub machten, als sich Ansah mit der Deutschlandfahne neben sie stellen wollte, habe er nicht so wahrgenommen. "Das sah dann nur so aus. Niemand ist weggegangen. Die sind hier zu Hause und wollten sich feiern lassen", sagte Ansah: "Wir verstehen uns alle cool."
Vorerst ist Ansah noch ein Teil von "alle". Und vorerst hat er sich den Traum von einer Medaille erfüllt. Bis auf Widerruf.
(SID)
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Irrer Tausendstel-Krimi um 100-Meter-Hürden-Gold

Quelle: Eurosport


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