Olympia 2021 - Annika Schleus Drama im Modernen Fünfkampf sorgt für Tränen: "Worst-Worst-Case"
Fassungslosigkeit und Tränen statt Gold-Hoffnung: Für Fünfkämpferin Annika Schleu endete das Springreiten in einer persönlichen Tragödie. Als Führende ging sie in den Parcours, doch ihr Pferd Saint Boy ließ sich kaum zähmen und verweigerte mehrfach: null Punkte, Medaillenchance dahin. Nicht nur Schleu weinte, auch die Bundestrainerin ließ der Enttäuschung freien Lauf. Die Reaktionen zum Drama.
Annika Schleu auf "Saint Boy" bei den Olympischen Spielen in Tokio
Fotocredit: Getty Images
Auch mehrere Minuten nach dem Springreit-Drama um Annika Schleu war Bundestrainerin Kim Raisner immer noch sichtlich angefasst. "Ich kann noch heulen. Annika geht es nicht gut. Es war einfach unfair. Das Pferd ist vorher schon nicht gegangen", sagte sie in der "ARD".
Schleus Pferd Saint Boy hatte schon der ROC-Athletin Gulnas Gubaidullina große Probleme bereitet. Das Pferd verweigerte mehrfach, die 29-Jährige verließ ohne Punkte den Parcours.
Die Pferde werden vor der Konkurrenz den Athletinnen zugelost. Sollte ein Tier einer Reiterin große Probleme bereiten, darf die nachfolgende Athletin mitunter auf ein anderes Pferd setzen.
Doch dafür gibt es klare Regeln - und die waren in Schleus Fall nicht gegeben, wie die Bundestrainerin erklärte: "Ich habe das Abreiten gemacht. Sie hat es mir erzählt. Wir hätten das Pferd nur wechseln können, wenn es vier Mal stehen geblieben wäre. Es ist aber nur dreimal stehen geblieben, dann ist die Russin ja nicht mehr aus der Ecke rausgekommen."
Und auch der Tierarzt gab für Schleus Ritt mit "Saint Boy" sein Okay. "Das war dann noch irgendwie die letzte Chance zu wechseln, dann hätten wir ein Ersatzpferd nehmen können. Das konnten wir nicht, also musste sie mit dem Pferd reiten", so Raisner weiter. Beim Einreiten sei dann alles gut gewesen, doch als es in den Parcours ging, muckte "Saint Boy" wie bei der ROC-Athletin zuvor auf. Wohl auch, weil es nach den schlechten Erfahrungen zuvor bereits verängstigt war.
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Tränen-Drama! Schleu verliert fast schon sicher geglaubtes Gold
Quelle: Eurosport
Bundestrainer Raisner: "Das Pferd muss ein Problem mit der Arena haben"
"Das Pferd muss ein Problem mit dieser Arena haben. Es wollte ja nicht mal galoppieren. Also ist es nicht ihre Schuld. Das Pferd wollte immer nur zur Tür", analysierte die Bundestrainerin, immer noch den Tränen nahe.
Die Möglichkeit eines Protests gab es aus ihrer Sicht dennoch nicht. "Die Regeln sind halt klar, bei vier Verweigerungen oder wenn ein Reiter zweimal vom Pferd fällt, dürfen wir wechseln. Dafür, dass ein Pferd so ungehorsam ist und nicht aus der Ecke geht, gibt es diese Regel halt nicht. Das ist leider so", meinte Raisner weiter.
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Bereits vor Schleu-Ritt: Saint Boy verweigert mehrfach bei ROC-Reiterin
Quelle: Eurosport
Besonders bitter aus deutscher Sicht: Bereits vor fünf Jahren in Rio hatte die Olympiasiegerin von 2008, Lena Schöneborn, ähnliche Probleme. Schöneborn verfolgte das Drama in Tokio von der Tribüne aus. Als Raisner daran dachte, konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten: "Lena weiß, wie sich das anfühlt. Ich kann kaum glauben, dass dies uns zwei Olympische Spiele hintereinander passiert."
Auch Schöneborn war fassungslos. Auf der Tribüne flossen auch bei ihr die Tränen. Nachdem sie sich gesammelt hatte, sagte die 35-Jährige direkt nach Schleus völlig missglückten Ritt in der "ARD": "Es kann fast keiner besser nachempfinden als ich. Das ist eins zu eins die Situation, die ich in Rio hatte. Das ist der Worst-Worst-Case, der jetzt eingetreten ist. Mit allen anderen Punktzahlen hätte man ihr die Medaille nicht mehr nehmen können. Das ist jetzt sehr erschütternd."
Fünfkämpfer Dogue nach Schleu-Drama: "Sind gerade fassungslos"
Auch Fünfkämpfer Patrick Dogue, der mit Annika Schleu gemeinsam trainiert, tat sich schwer, das Gesehene einzuordnen: "Wir sind gerade ein bisschen fassungslos. Das Pferd ist ja schon im ersten Durchgang mit null Punkten gegangen. Es sah vom Ritt aus wie im ersten Durchgang. Aber anscheinend waren die Ersatzpferde nicht besser."
Zu diesem Zeitpunkt wusste Dogue allerdings noch nicht, dass Schleu das Pferd gar nicht hätte tauschen können.
So fiel Schleu, die mit 24 Punkten Vorsprung auf die ROC-Athletin Juliana Bataschowa ins Springreiten gegangen war, vom ersten auf den 31. Platz zurück. Schon kurz nachdem sie den Reit-Parcours mit "Saint Boy" betreten hatte, war sie den Tränen nahe, als sie merkte, dass das Pferd nicht gehorcht.
Die Sorgen und die Verzweiflung wurden, nach einer kurzen Phase in der sie Saint Boy beruhigen konnte, im weiteren Verlauf immer größer. Nach den zahlreichen Verweigerungen und der Null-Punkte-Runde ritt sie unter Tränen aus dem Viereck. Wenig später hockte sie völlig aufgelöst, das Gesicht in den Händen vergraben, im Stadioninneren.
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Eurosport-Experte erklärt: Regeldetail verhinderte Pferdtausch bei Schleu
Quelle: Eurosport
Moderner Fünfkampf: Schleu wehrt sich gegen negative Kommentare
Nach dem abschließenden Laserlauf, zu dem sie trotz der chancenlosen Ausgangslage noch angetreten war, sagte sie sichtlich emotional im Eurosport-Interview: "Das ist sehr hart. Ich wusste natürlich, dass es passieren kann - im Fünfkampf ist Reiten dabei. Ich wusste aus dem ersten Durchgang, dass das Pferd ein bisschen in der Ecke geklebt hat, aber beim Einreiten war es wirklich richtig gut."
"Ich kann nur sagen, ich habe im Reiten mein Bestes gegeben", ergänzte sie und wehrte sich zugleich gegen negative Internet-Kommentare: "Leider habe ich online schon gelesen, dass fiese Nachrichten in meine Richtung geschickt wurden. Ich denke schon, dass ich gut mit dem Pferd umgehen kann."
Auf Saint Boy habe sie sich jedoch hilflos gefühlt, erklärte die 31-Jährige und gestand, auch über eine Aufgabe nachgedacht zu haben: "Schon bevor ich angefangen habe, war ich kurz davor zu sagen 'Ich mach's nicht', weil ich gespürt habe, dass es nicht funktioniert."
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"Fiese Nachrichten in meine Richtung": Schleu von Emotionen übermannt
Quelle: Eurosport
Schleu enttäuscht: "Hat uns allen das Herz gebrochen"
Zur Parallele mit Schöneborns Situation in Rio meinte Schleu: "Dass es vor fünf Jahren Lena und jetzt mich in aussichtsreichen Positionen erwischt - bei dem einzigen Event, bei dem wirklich mal auf uns geschaut wird - das ist unglaublich traurig und hat quasi allen aus dem Team das Herz gebrochen."
Trotz "gebrochenem Herz" startete sie im Laserrun, in dem sie aber keine Position mehr gutmachen konnte und letztendlich 31. blieb. Der Olympiasieg ging an die Britin Kate French.
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Tränen-Drama! Schleu verliert fast schon sicher geglaubtes Gold
Quelle: Eurosport
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