Olympia 2021: Annika Schleu nach Reit-Drama vom Hass im Internet schockiert

Fünfkämpferin Annika Schleu hat auch knapp eine Woche nach ihrem olympischen Reit-Drama mit den Folgen zu kämpfen. "Die vergangenen Tage waren für mich in mehrfacher Hinsicht schockierend", sagte die 31-Jährige im Interview mit der "ZEIT": "Der Hass, der mir in den sozialen Medien begegnet ist, hat allerdings die Enttäuschung über die verpasste Medaille überlagert."

Fünfkämpferin Annike Schleu

Fotocredit: Getty Images

Ihre Social-Media-Aktivitäten hat sie deshalb heruntergefahren. Auf die Frage, ob man es sich als Leistungssportlerin auf Dauer leisten könne, alle Kanäle in den sozialen Medien runterzufahren, antwortete Schleu: "Ich bin fast so weit, zu sagen, es ist mir wichtiger, das mental zu bewältigen, als Sponsoren zu generieren. Ich will mich nicht diesem Hass aussetzen müssen."
Sie fügte hinzu: "Sollte ich meine Profile je wieder aktivieren, dann wohl nie mehr zugänglich für jeden. Ich befürchte bloß, wenn man einmal so etwas erlebt hat wie ich, ist es sehr schwer, sich davon zu erholen."
Die auf Goldkurs liegende Schleu hatte bei der Reit-Disziplin unter Tränen versucht, das ihr zugeloste und völlig verunsichertes Pferd mit Gerte und Sporen zurück in den Parcours zu bringen. Bundestrainer Kim Raisner hatte sie dazu mit einem heftig umstrittenen Zuruf ("Hau drauf, hau richtig drauf!") zudem animiert.
Als sie vom Pferd gestiegen war, habe sie das erste Mal mitbekommen, dass sie ein Shitstorm überrollt, da ihre Smartwatch unaufhörlich vibriert habe. "Ich dachte, es sei meine Familie, die gesehen hat, was sich abspielt. Aber es waren Nachrichten, ich sah erste Emojis und derart verletzende Satzfetzen, dass es mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat", erinnerte sich Schleu.
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"Hau mal richtig drauf!" Bundestrainerin will Schleu helfen und legt selbst Hand an

Quelle: Eurosport

Schleu fühlt sich vom Weltverband UIPM "alleingelassen"

Nach dem Vorfall hatte die Berlinerin keine spezielle psychologische Unterstützung erhalten. "Aber ich habe mit meiner Sportpsychologin zu Hause telefoniert, auf meine eigene Initiative hin, und ich war froh, dass sie sich am Wochenende Zeit für ein Telefonat genommen hat. Ich werde mich weiter mit ihr unterhalten", erzählte Schleu.
Rückendeckung hatte die Fünfkämpferin noch während Olympia vom Deutschen Olympischen Sportbund und von ihren Fünfkampf-Kollegen aller anderen Nationen erhalten, vom Weltverband UIPM mit dem deutschen Präsidenten Klaus Schormann fühlt sich Schleu allerdings "auf jeden Fall alleingelassen".
Schormann selbst habe "nicht einmal mit mir gesprochen, ich kenne nur die Pressemitteilungen".
Gegen den Vorwurf der Tier-Quälerei wehrte sich die Sportsoldatin aber erneut vehement. "Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst", sagte Schleu.
(mit SID)
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Dogue zum Umgang mit Schleu: "Da ist mir echt schlecht geworden"

Quelle: Eurosport

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