MotoGP: Traumkulisse am Sachsenring - doch das Bangen geht weiter

Auch fast 90.000 Fans konnten am Rennsonntag die dunklen Wolken über dem Sachsenring nicht vertreiben. Trotz der Traumkulisse und des überraschenden Comebacks des früheren Weltmeisters Stefan Bradl litt die Stimmung beim Deutschland-GP unter den großen Zukunftsängsten. Es ist noch immer äußerst fraglich, ob der Motorrad-Zirkus im nächsten WM-Jahr wiederkommt - das Hoffen und Bangen geht weiter.

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Es könnte der letzte Vorhang für das Kultevent in Hohenstein-Ernstthal gewesen sein. Argumente für einen Verbleib gab es reichlich - gerade wenn die Rennen liefen, rückte das drohende Aus in den Hintergrund, gerieten die Probleme bei der vermeintlichen Abschiedsvorstellung in Vergessenheit. Nicht nur Rückkehrer Bradl, der unerwartet zum ersten MotoGP-Einsatz nach mehr als eineinhalb Jahren kam, genoss die Atmosphäre.

Fast 200.000 Zuseher am Rennwochenende

"Es war ein tolles Gefühl. Am Schluss haben sie dann auch verstanden, dass wieder ein Deutscher mitfährt", scherzte der Zahlinger, "ich habe das Gefühl gehabt, dass der Sachsenring sehr gut besucht war." Es stimmte, über drei Tage kamen 193.355 Zuschauer an die Strecke - gut 30.000 mehr als im Vorjahr - und machten beste Werbung für den Grand Prix.
Das Publikum setzte ein tolles Zeichen, die deutschen Rennfahrer konnten da sportlich nicht ganz mithalten. Bradl fuhr als 16. knapp an den Punkten vorbei, Marcel Schrötter (Vilgertshofen) blieb in der Moto2 als Sechster unter seinen Möglichkeiten und Philipp Öttl (Ainring) musste sich in der Moto3 mit Rang acht begnügen, obwohl er zwischenzeitlich bis auf Position drei vorgefahren war.

Weltmeister Bradl mit Comeback

Bradl war froh, überhaupt dabei gewesen zu sein. "Ich bin happy, dass ich das Rennen zu Ende fahren konnte und eine gute Performance abgeliefert habe. Ich habe es ganz gut über die Runden gebracht", sagte der Moto2-Champion von 2011, der kurzfristig als Ersatzmann für den Italiener Franco Morbidelli eingesprungen war. Es ärgerte ihn nur, dass es nicht mit einem Punkt geklappt hatte. "Es wäre schön gewesen. Ich bin ein Racer."
Derweil zementierte Marc Marquez seine Ausnahmestellung. Der Weltmeister feierte seinen neunten Sieg in Serie, seit 2010 hat Marquez jedes Rennen auf der Strecke gewonnen - und das immer von der Pole Position. "Ich liebe den Sachsenring", sagte Marquez in deutscher Sprache. Der Honda-Fahrer macht sich logischerweise für einen Verbleib stark.

Schrötter verpasst Podiumsplatz klar

Marcel Schrötter (Vilgertshofen) hatte gehofft, endlich den ersten Podiumsplatz seiner Karriere zu holen - es wurde wieder nichts. Der 25-Jährige, in dieser Saison schon dreimal Vierter, kam beim Sieg des Südafrikaners Brad Binder einem Top-3-Ergebnis nicht wirklich nahe und verlor in der letzten Kurve auch noch völlig unnötig eine Position. "Das darf nicht passieren. Vor allem, weil es mein eigener Fehler war", sagte der WM-Achte, der in Gedenken an den im Frühjahr verstorbenen früheren Motorrad-Piloten Ralf Waldmann ("Mein Idol") mit einer besonderen Helmlackierung fuhr.
Öttl, der Anfang Mai seinen ersten Grand-Prix-Sieg gefeiert hatte und danach aber in ein Leistungsloch gefallen war, zeigte eine beeindruckende Aufholjagd und belohnte sich. Der Oberbayer war vor seinem Urlaub in der dreiwöchigen Sommerpause total zufrieden: "Wir sind wieder in den Top 10, da wo wir hingehören."
Am Vormittag war Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer an der Strecke eingetroffen und von Nadin Pohlers, Geschäftsführerin der Sachsenring Rennstrecken Management GmbH (SRM), in Empfang genommen worden. Es fanden Gespräche statt, Ergebnisse wurden nicht bekannt. Die SRM muss sich jetzt mit dem ADAC einig werden, der den Vertrag mit dem WM-Vermarkter geschlossen hat. Ausgang offen.
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