Weltverband FIS nimmt Manipulation bei Kombinierer Graabak ins Visier - Norwegens Sport droht das nächste Gewitter

Der norwegische Sport befindet sich in einer Ausnahmesituation. Der aus sportlicher Sicht phänomenal erfolgreichen Heim-WM in Trondheim steht der Anzugsskandal um Norwegens Skispringer gegenüber. Doch damit nicht genug: Auch die Nordische Kombination bereitet den Gastgebern weiterhin Sorgen, denn die FIS hat die Ethik-Kommission eingeschaltet. Im Fokus: die manipulierte Bindung bei Jörgen Graabak.

"Bindung manipuliert": FIS-Direktor Ottesen erklärt Causa Graabak

Quelle: Eurosport

"Irgendjemand hat diese Bindung manipuliert", erklärte FIS-Sportdirektor Lasse Ottesen, nachdem Jörgen Graabaks Sprung im Team-Wettbewerb der Kombinierer annulliert wurde.
Die Folgen sind bekannt: Norwegen ging nicht von Platz eins aus in die Loipe, sondern von Rang fünf - was am Ende gerade so für Bronze reichte.
Das Theater nach dem Wettkampf veranlasste den Weltverband FIS, den Fall an die hauseigene Ethik-Kommission zu geben. "Es geht nicht um die eigentliche Disqualifikation von Jörgen, als er mit nicht ordnungsgemäßen Bindungen gesprungen ist. Es geht um den Protest, den wir aus Norwegen erhalten haben - und um die Vorgänge rund um den Eingang dieses Protestes. Es gab Dinge, mit denen wir überhaupt nicht zufrieden waren", sagte Ottesen zum Ende der WM gegenüber dem norwegischen Nachrichtensender "NRK".
Stein des Anstoßes war die Tatsache, dass die Mannschaft der WM-Gastgeber nach dem Protest den Ski von Graabak noch einmal zur Kontrolle vorlegen musste, dabei aber eine andere, regelkonforme Bindung angebracht hatte.

Täuschungsmanöver? Vehementer Widerspruch aus Norwegen

Während die FIS einen dreisten Betrugsversuch witterte, fühlte man sich im Graabak-Lager zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Die FIS behauptet, dass die Bindung der Skier im Anschluss an den Protest heimlich ausgetauscht wurde, um die Jury zu täuschen", sagte Edgar Fossheim, Leiter des Kommittees der norwegischen Kombinierer, gegenüber dem "NRK".
Es sei zwar richtig, "dass die Bindung ausgetauscht wurde, aber niemand hat erwartet, dass der Ski Gegenstand neuer Untersuchungen sein würde". Es gebe "keinen absichtlichen Betrug unsererseits", so Fossheim.
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Quelle: Eurosport

Vielmehr habe man unmittelbar nach Graabaks Disqualifikation die Skier für das Springen am nächsten Tag präpariert und dabei die Bindung getauscht. Die Zeit habe gedrängt, da "viele Schliffe" vorbereitet werden mussten.

Norwegisches Team sauer auf die FIS

"Dann", erläutert Fossheim, "wurde derjenige, der den Protest eingelegt hat und sich nicht im Wachsraum befand, plötzlich aufgefordert, die Skier zu holen". Dies erledigte Trainer Truls Johansen, der nach Darstellung des norwegischen Skiverbands nicht wusste, dass bereits eine neue Bindung angebracht worden war.
"Ich lief hinunter, um den Ski zu holen und brachte ihn hoch. Dann haben sie ein paar Fotos von den Bindungen gemacht und ich bin wieder rausgegangen. Danach rief man mich schnell wieder zurück und sagte mir, dass der Protest abgelehnt wurde", führte Johansen aus.
Das Vorgehen der FIS, die Art der Kommunikation und Ablehnung des Protests verärgerte das Team. "Ein sehr wichtiger Punkt - und das ist der Kern des Falles - ist, dass wir gegen das Verfahren protestieren und nicht gegen die Disqualifikation selbst", betonte Johansen.

Graabak: "Das war ein Schock"

"Ich war sehr überrascht, als ich von der Disqualifikation erfuhr, denn ich hatte keine Ahnung, dass ich mit der falschen Bindung gesprungen war", erklärte Graabak selbst gegenüber dem "NRK".
Erst am Sonntag, "als die Pressemitteilung der FIS eintraf, habe ich erfahren, dass es eine Kontroverse um den Protest gab. Das war ein Schock", bekannte der viermalige Olympiasieger.
Die Fronten haben sich verhärtet, die Geschichte ist aber noch nicht vorbei. "Der Fall wird derzeit vom FIS-Ethik- und Compliance-Büro untersucht", lässt Ottesen wissen. Er rechne mit einer zeitnahen Entscheidung. Der Norges Skiforbund kann nur hoffen, dass nicht die nächste Blamage ansteht.
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