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Russland legt Einspruch gegen Vierjahressperre ein

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Russland - Olympische Spiele

Fotocredit: Getty Images

VonEurosport
19/12/2019 Am 14:58 | Update 19/12/2019 Am 14:59

Russland zieht gegen die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verhängte Vierjahressperre vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Das beschloss der Aufsichtsrat der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA am Donnerstag. Damit kommt es sehr wahrscheinlich zu einem monatelangen juristischen Tauziehen, das bis zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 dauern könnte.

Wladimir Putin gab die Richtung vor, und selbstverständlich folgte die RUSADA. Die Vierjahressperre gegen Russland sei "politisch motiviert", sie verstoße "gegen den gesunden Menschenverstand", sagte der Staatspräsident am Donnerstag. Nur Minuten später bestätigte die russische Anti-Doping-Agentur das Unausweichliche: Russland geht vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Sanktionen vor - der Weltsport muss sich auf eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang einstellen.

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Die WADA hatte in der vergangenen Woche die RUSADA wegen manipulierter Daten aus dem russischen Kontrolllabor suspendiert und weitere Strafen beschlossen. Da der Einspruch aufschiebende Wirkung hat, werden die Sanktionen zunächst nicht rechtskräftig.

Auseinandersetzungen könnten auch nach Olympia 2020 weitergehen

Ein Ende des mehr als fünf Jahre dauernden Dopingskandals ist damit nicht in Sicht. Bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio oder sogar darüber hinaus könnten sich die juristischen Auseinandersetzungen ziehen. Ein ungünstiges Szenario, auch für die deutsche Anti-Doping-Agentur. "Es wäre wünschenswert gewesen, dass die Entscheidung der WADA von der RUSADA akzeptiert und umgehend umgesetzt wird. Für die sauberen Sportlerinnen und Sportler ist es der denkbar schlechteste Weg, da die Entscheidung nun weiter aufgeschoben wird", teilte die NADA mit.

Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kritisierte ebenfalls die Haltung Russlands:

Dieser juristische Schritt sendet das völlig falsche Signal und kostet den russischen Sport erneut massiv an Glaubwürdigkeit, weil er nicht von notwendiger Einsicht, sondern von mangelndem Problembewusstsein zeugt.

Ausschluss gilt auch für die Fußball-WM 2022

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA wollte den Betrug der RUSADA, unter deren Aufsicht noch bis ins Jahr 2019 Daten des Moskauer Kontrolllabors manipuliert worden sind, nicht mehr tolerieren und schloss die Russen am 9. Dezember aus. Olympische und Paralympische Spiele sowie Weltmeisterschaften wie die 2022 im Fußball sollen betroffen sein, weder russische Flaggen, noch die Hymne sollen bei diesen Events zu sehen oder zu hören sein. Steht all das nun infrage?

Zumindest besitzt der Einspruch aufschiebende Wirkung, erst nach einem Urteil des CAS werden die Sanktionen rechtskräftig. Oder auch nicht: "Wir glauben, dass unsere Argumente stark genug sind, aber ich werde keine Prognose abgeben", sagte Alexander Iwlew, Aufsichtsratsvorsitzender der RUSADA. Eine andere Meinung vertritt Juri Ganus, Präsident der RUSADA. "Es gibt keine Möglichkeit, diesen Fall vor Gericht zu gewinnen", sagte er zuletzt.

Verhandlungstermin noch offen

Wann es zu einer Verhandlung vor dem CAS kommt, ist noch unklar, ob das Urteil bis zur Eröffnungsfeier in Tokio am 24. Juli 2020 rechtskräftig wird, kann sich zumindest Sportrechtsexperte Michael Lehner "nicht vorstellen". In solch kurzer Zeit könne es kein ordentliches Verfahren geben, sagte Lehner dem "SID". Das sei schade für das Publikum, "und dennoch begrüße ich, dass die WADA-Entscheidung überprüft wird".

Der CAS muss nun Lösungen finden - mit "verhängnisvollen" Folgen für die olympische Bewegung im kommenden Sommer, wie Dagmar Freitag dem SID erklärte. Wie vor den Spielen 2016 in Rio werde monatelang unklar bleiben, "wer unter welchen Bedingungen in Tokio am Start sein wird, zumal die WADA-Entscheidung aus meiner Sicht ohnehin überflüssige Schlupflöcher biete", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag.

Putin: Ausschluss gegen olympische Charta

Freitag ist sich sicher: Die WADA und das Internationale Olympische Komitee (IOC) wollen "Athletinnen und Athletinnen aus Russland in Tokio einen Start ermöglichen, notfalls eben unter neutraler Flagge", sagte sie: "Den Werten der Charta des IOC entspricht diese Vorgehensweise allerdings nicht."

Auch Wladimir Putin argumentiert mit der olympischen Charta, den grundlegenden Prinzipien des Ringeordens, allerdings legt er sie etwas anders aus als die SPD-Politikerin. Schon die WADA-Entscheidung verstoße gegen die Richtlinien, jede Bestrafung müsse individuell sein, sagte Putin. Darüber muss nun der CAS entscheiden - und das möglichst schnell, um weiteren Schaden von den sauberen Athleten fernzuhalten.

(SID)

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