Rad-EM 2025 - Tadej Pogacar lässt Belgien und Remco Evenepoel im Straßenrennen verzweifeln: "Andere Sportart"

Tadej Pogacar hat es wieder getan! Eine Woche nach dem WM-Titel in Kigali hat der slowenische Dominator mit einem Monster-Solo auch den Europameister-Titel im Straßenrennen errungen. Für Remco Evenepoel blieb erneut nur die Silbermedaille. Dabei hatten sich der belgische Topstar und seine Landsleute eine ganz besondere Taktik überlegt. Doch Pogacar ließ die Konkurrenz einmal mehr verzweifeln.

Highlights: Pogacar mit Monster-Solo zu Gold - schwarzer Tag für Vingegaard

Quelle: Eurosport

Das belgische Radsport-Team hatte sich im Straßenrennen der Europameisterschaft etwas vorgenommen, das wurde früh deutlich.
Eine Woche, nachdem ihr Topstar Remco Evenepoel dem slowenischen Dominator Tadej Pogacar den Weltmeister-Titel überlassen musste, sann die belgische Equipe auf Rache.
Der Plan war klar: Pogacar in den Höhenrunden hinauf nach Saint-Romain-de-Lerps (7 km bei 7,2 Prozent Steigung) von seinen slowenischen Teamkollegen isolieren und die Entscheidung des Rennens auf die flachere Endrunde rund um das Val d’Enfer verlagern. "Wir wollten die kleine Schleife mit einem starken belgischen Kollektiv in Angriff nehmen. An den kurzen Anstiegen hätte Pogacar nicht so viel Zeit auf Evenepoel herausfahren können", erklärte Evenepoels Landsmann Louis Vervaeke nach dem Rennen gegenüber "Sporza".
Und siehe da: Der erste Teil des Plans ging auf. Nach einer Attacke von Pavel Sivakov rund 103 Kilometer vor dem Ziel hielt das belgische Team das Tempo hoch, distanzierte so nicht nur überraschend den zweimaligen Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard, sondern auch Pogacars Landsleute Domen Novak und Matevz Govekar, die ihm bis dato gute Dienste geleistet hatten.
picture

"Keine Chance": Superstar Vingegaard wird früh abgehängt!

Quelle: Eurosport

Pogacar mit fast unglaublichem Solo

In einer rund 30 Mann starken Spitzengruppe hatte Evenepoel fortan mit Tiesj Benoot, Steff Cras und Vervaeke noch drei Helfer dabei, während Pogacar isoliert bzw. geradezu von hellblauen Leibchen umzingelt war. "In der dritten Runde habe ich gesehen, dass es vier Belgier waren – und ich war allein", erkannte auch der spätere Europameister und machte dann das, was er in der Vergangenheit schon so oft getan hatte: Er suchte sein Heil in der Flucht.
"Es war besser, selbst anzugreifen, als zu viele Gegner um sich herumzuhaben", so Pogacar, der am dritten und letzten Anstieg zur Côte de Saint-Romain-de-Lerps rund 76 Kilometer vor dem Ziel attackierte und schnell alle Begleiter bis auf Evenepoel abschütteln konnte. Der 25-Jährige blieb rund einen Kilometer an Pogacars Hinterrad, ließ dann jedoch auch abreißen.
picture

Weltmeister macht ernst: Pogacar lässt auch Evenepoel stehen

Quelle: Eurosport

Pogacar setzte also zu genau dem Solo an, das er selbst im Vorfeld nur schwer für möglich gehalten hatte und vor dem ihn Belgiens Nationalcoach Serge Pauwels gewarnt hatte.
"Das Rennen ist dafür zu kurz, der Rennverlauf wird völlig anders sein", hatte Pogacar auf einer Pressekonferenz gesagt: "Um sich hier abzusetzen, muss man wirklich stark sein. Ich glaube nicht, dass es klappt."

Evenepoel jagt Pogacar vergeblich

Doch es klappte – und wie! Während sich Evenepoel in der Verfolgung mit Cristian Scaroni (Italien), Juan Ayuso (Spanien) und Paul Seixas (Frankreich) zu einem Quartett zusammenschloss, baute Pogacar an der Spitze seinen Vorsprung immer weiter aus.
"Als es eine Minute wurde, sagte ich ihm (Evenepoel, Anm. d. Red.), er solle versuchen, sich abzusetzen", verriet Belgien-Coach Pauwels gegenüber "Sporza". Rund 38 Kilometer vor dem Ziel gelang dies Evenepoel auch, der Pogacar in der Folge als Solist jagte. Während er seine zwischenzeitlichen Begleiter noch um über drei Minuten distanzierte, konnte er auf den Weltmeister jedoch nur geringfügig Boden gutmachen.
Am Ende musste sich der Belgier wie bei der WM vor einer Woche mit Silber zufriedengeben, während Pogacar der Radsport-Welt mit seinem ersten Europameister-Titel einmal mehr verdeutlichte, dass er in dieser Form auch gegen die ausgeklügeltsten Manöver immun zu sein scheint.
"Was hätten wir anders machen sollen? Wenn mir jemand sagen kann, wie Tadej heute zu schlagen gewesen wäre, höre ich mir das gern an", sagte ein fast verzweifelter Vervaeke.
"Wenn man sich die Unterschiede anschaut, hat er wieder herausgeragt", sagte Evenepoel: "Ich komme noch nah heran, der Rest ist aber weit weg. Die Unterschiede waren sogar größer als in Kigali"
picture

Pogacar erklärt Renntaktik: Solo war "nicht geplant, aber..."

Quelle: Eurosport

Belgien verzweifelt an Pogacar: "Ist ein Phänomen"

Noch deutlicher wurde sein Nationaltrainer: "Pogacar ist ein Phänomen. Er betreibt praktisch eine andere Sportart", sagte Pauwels gegenüber "VTM": "Wenn man ihn aus der Gleichung herausnimmt, könnte man fast dasselbe über Evenepoel sagen. Er liegt auch drei Minuten vor dem Rest, was ebenfalls beispiellos ist. Evenepoel ist im Moment sehr, sehr gut - aber Pogacar ist noch eine Stufe über ihm."
Währenddessen war Benoot froh, es überhaupt versucht zu haben, Pogacar ins Wanken zu bringen. "Wenigstens haben wir uns nicht wie Schafe zur Schlachtbank führen lassen. Wir bereuen unsere Taktik nicht", so der 31-Jährige, der am Ende als 13. über die Ziellinie rollte.
Und Evenepoel selbst? Der konnte der erneuten Niederlage sogar etwas abgewinnen. "Es ist das erste Mal, dass ich so lange mitgehen konnte. Das ist positiv", sagte der Silbermedaillengewinner, der am Mittwoch immerhin im Zeitfahren EM-Gold geholt hatte: "Aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass noch Arbeit vor mir liegt, um mit so einem Angriff mithalten zu können."
Die nächste Chance bekommt er bereits am kommenden Wochenende. Bei der Lombardei-Rundfahrt, dem fünften und letzten Monument des Jahres, trifft er erneut auf Pogacar.
Doch auch dort dürfte der fast übermenschliche Slowene nur schwer zu knacken sein, immerhin konnte er die vergangenen vier Ausgaben allesamt für sich entscheiden.
"Ich will jedes Jahr eine bessere Version von mir werden", sagte Pogacar, gerade erst 26 Jahre alt geworden, und es klang wie eine Drohung. Evenepoel schließt daraus: "Wenn ich ihn schlagen möchte, muss ich an mir arbeiten. Diesmal konnte ich den Rückstand schon in Grenzen halten. Er hat mich nicht weggeblasen."
Für Evenepoel wird es gleichzeitig das letzte Rennen für sein bisheriges Team Soudal-Quick Step, bevor er sich der deutschen Red-Bull-Mannschaft anschließt. Und dem Raublinger Rennstall gab er schon Hausaufgaben auf. "Die EM dürfte für mein neues Team und meinen Trainer sehr interessant sein", sagte Evenepoel: "Sie können es analysieren und entscheiden, wie wir trainieren sollten."
Das könnte Dich auch interessieren: Yates macht Erfolgstag für UAE-Emirates perfekt
(mit SID)
picture

Skurrile Szene: Pogacar von Fans mit Flyern beklebt

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung