Flandern-Rundfahrt 2026 - Jens Voigt im Interview: "Alle hätten selbst vor Pogacar mit Fieber Angst ..."

Bei Mailand - Sanremo kam es nicht zum erwarteten Duell zwischen Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel. Die Rolle des größten Pogacar-Herausforderers übernahm da Tom Pidcock. Bei der Flandern-Rundfahrt steht die nächste Runde im Kampf der beiden fleißigsten Monumente-Sammler der vergangenen Jahre an. Wer hat die besseren Karten, wer könnte die beiden ärgern? Jens Voigt blickt auf die Ronde 2026.

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Quelle: Eurosport

In den vergangenen vier Jahren wechselten sich van der Poel und Pogacar als Sieger in Oudenaarde ab - jeder gewann zwei Austragungen. Dem Gesetz der Serie nach wäre nun der Niederländer wieder an der Reihe.
Auf dem Weg nach Sanremo zeigte Pogacar in dieser Saison bereits, dass er seinen großen Rivalen abhängen kann. Beide waren beim ersten Monument des Jahres gestürzt, van der Poel wirkte davon im Finale deutlich mehr beeinträchtigt.
Pogacar wird nun in Flandern wie im vergangenen Jahr versuchen, die Konkurrenz an den Anstiegen zur Oude Kwaremont und am folgenden Paterberg - den finalen "Hellingen", Kopfsteinpflasteranstiegen - abzuhängen und das Ziel als Solist zu erreichen. Sowohl 2023 als auch im vergangenen Jahr gelang ihm dies genau an dieser Stelle. Van der Poel gewann 2024 nach einem 45-Kilometer-Solo und 2022 im Sprint einer kleinen Gruppe.
Allein 16 dieser Anstiege stehen in der zweiten Hälfte des 278 Kilometer langen Rennens von Antwerpen nach Oudenaarde auf dem Programm - dreimal davon der Kwaremont. Eurosport-Experte Jens Voigt blickt auf das erwartete Duell zwischen Pogacar und van der Poel.
Worauf kommt es an bei der Flandern-Rundfahrt?
Jens Voigt: Betrachtet man die Sieger der vergangenen 15 Jahre, dann zeigt sich, dass man ein vielseitiger, kompletter Rennfahrer sein muss - vom Sprinter Alexander Kristoff bis zum Tour-de-France-Sieger Pogacar war alles dabei. Es gibt in Flandern nicht den einen Spezialisten, der sich nur darauf konzentrieren könnte. Es ist eines der spannendsten Rennen und eigentlich nicht so leicht vorherzusagen. Aber zuletzt war es natürlich fast klar, dass es sich zwischen Pogacar und van der Poel entscheidet.
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278 Kilometer, 22 Anstiege: Die Strecke der Ronde 2026

Quelle: Eurosport

Pogacar hat seine beiden Siege an der identischen Stelle herausgefahren - beim letzten Anstieg zum Oude Kwaremont rund 18 Kilometer vor dem Ziel - und siegte dann als Solist. Was spricht dafür, dass es in diesem Jahr genauso kommen wird?
Voigt: Eigentlich spricht alles dafür. So vorhersehbar - Kritiker würden sagen, so langweilig - ist das Ganze. Ich denke auch, dass er gewinnen wird, auch wenn van der Poel ihm den Sieg natürlich streitig machen will. Diese beiden stehen aber klar über allen anderen, für die es im Normalfall nur um Platz drei geht.
Wer könnte für eine Überraschung sorgen und die beiden Superstars ärgern?
Voigt: Wout van Aert ist nicht in der Form, um mit um den Sieg zu fahren. Vielleicht ist der beste Visma-Fahrer auch Christophe Laporte, der In Flanders Fields aufs Podium gefahren ist. Er ist sehr stark und das Team zählt traditionell zu den besten. Auch Jonas Abrahamsen könnte ein Kandidat sein, wenn er fährt, braucht man schon drei Teams, um ihn wieder einzufangen. Wenn ich mir die Startliste so anschaue, fehlt mir ansonsten etwas die Fantasie, einen anderen Sieger zu sehen. Natürlich sind da sehr viele gute Fahrer und starke Teams dabei. Aber es müsste schon sehr viel gegen UAE und Alpecin laufen, damit es eine Überraschung gibt.
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Welchen Rennverlauf erwarten Sie am Sonntag?
Voigt: Die Anwesenheit von Pogacar verändert die gesamte Dynamik des Rennens. Er könnte mit 40 Grad Fieber und auf einem Bein am Start stehen, und die anderen Teams hätten immer noch Angst vor ihm. Er ist so eine dominante Figur, weil er eigentlich immer gewinnt, wenn er am Start steht. Alle Mannschaften werden daher auf UAE und auch auf Alpecin mit van der Poel schauen und sich einen Plan überlegen. Es ist wie bei einem Pokerspiel. Alle Teams verstecken ihre Karten, während UAE und Alpecin ihre Karten einfach offen auf den Tisch legen. Aber es sind eben sehr gute Karten und nur mit einem Royal Flush könnte eine andere Equipe an ihnen vorbeigehen. Sie dürfen keinen Meter mit oder für diese beiden Mannschaften mit den überragenden Kapitänen fahren. Es muss heißen: alle gegen diese beiden. Klingt unfair, aber es ist die einzige Chance. Nur diese beiden Mannschaften sollten alle Löcher zufahren müssen. Bei diesem Rennverlauf und wenn sich van der Poel und Pogacar anschauen, dann könnte es anders ausgehen. Aber die beiden sind kaum aufzuhalten und je schwerer das Rennen wird, desto einfacher wird es am Ende für die beiden Topfavoriten.
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Wout van Aert, Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar bei der Flandern-Rundfahrt 2025

Fotocredit: Getty Images

Remco Evenepoel hat seine Teilnahme kurzfristig angekündigt - welchen Einfluss kann er auf das Rennen haben?
Voigt: Ich hielt es zuerst für einen Aprilscherz, so ein Rennen fährt man ja eigentlich nicht 'einfach so' mit. Er ist natürlich eine Bereicherung für das Rennen. Ein Schwergewicht des modernen Radsports und bekannt für eine offensive Fahrweise. Er könnte schon etwas bewegen und die Kräfteverhältnisse verschieben. Dann gibt es drei Topfavoriten mit ihm, Pogacar und van der Poel.
Welche Aussichten haben die deutschen Starter bei der Flandern-Rundfahrt?
Voigt: Die meisten deutschen Starter werden Helferdienste haben. Fahrer wie Jonas Rutsch oder Jascha Sütterlin sind sehr stark, sie bräuchten in einer gut funktionierenden Gruppe in wenig Glück für ein gutes Ergebnis. Eine Sonderrolle könnte Nils Politt bekommen. UAE könnte ihn als starken und sehr cleveren Fahrer in viele Gruppen mitschicken, die potenziell gefährlich sein könnten. Das könnte eine vermeintlich undankbare Rolle sein, weil die Gruppe nicht durchkommen wird und er für Pogacar arbeiten muss, aber sie könnte sehr wichtig werden.
Wer wird das Rennen gewinnen?
Voigt: Ich denke, dass Pogacar gewinnen wird. Er hat es inzwischen irgendwie raus, diese Rennen zu gewinnen. Das einzige, was ihn davon abhalten könnte, wäre, dass er sich zu sehr auf Paris - Roubaix in der folgenden Woche konzentriert, weil er dieses Rennen noch nicht gewonnen hat. Aber der Slowene ist keiner, der Schwierigkeiten hat, sich zu motivieren, er will immer gewinnen. Und er wird auch in Oudenaarde seinen dritten Sieg bei diesem Monument einfahren.
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Quelle: Eurosport


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