Zwei Stars des unbeschwerten Tour-Sommers 2019 greifen beim Giro wieder an, nachdem sie in Frankreich 2020 verletzungsbedingt nicht wie geplant glänzen konnten: Jetzt gehen Egan Bernal und Emanuel Buchmann auf die Jagd nach dem Rosa Trikot und dem Podium in Mailand - und für Voigt startet der Kolumbianer gefühlt schon mit Vorsprung ins Rennen:
"Alle, die nicht Bernal heißen, müssen angesichts der knapp insgesamt 40 Kilometer Zeitfahren direkt zwei Minuten Rückstand einkalkulieren: Buchmann, Simon Yates, Hugh Carthy - die müssen alle so fahren, dass sie diese Zeit irgendwo und irgendwie rausholen", stellt der einstige Giro-Etappensieger klar.
Was also kann der deutsche Hoffnungsträger am Ende der drei Wochen erreichen? Für Aldag sind die "Top Ten Minimalziel, aber da sollte eigentlich mehr gehen. Er hat Erfahrung und warum sollte man nicht mit einem Auge Richtung Podium schielen? Er hat das Potenzial als Bergfahrer und ein gutes Team um sich", fasst er die Ausgangslage zusammen.
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Ähnlich schätzt Voigt die Chancen des Bora-Kapitäns ein, auch wenn dessen lange Pause eine Prognose schwierig mache. "Er ist lange keinen Rennen gefahren und es geht jetzt etwas ins Unbekannte. Aber ich halte seine Entscheidung, in diesem Jahr beim Giro zu starten, für sehr clever und geschickt. Es sind dort deutlich weniger Zeitfahr-Kilometer als bei der Tour und das sollte ihm mehr liegen. Dazu hat der Giro acht Bergankünfte, was gut für ihn ist - ich denke, Platz fünf bis sechs ist drin."
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Giro-Favoriten: Bei Bernal ist alles möglich

Ebenfalls nur wenig Rennpraxis bringt Bernal mit, wie Aldag unterstreicht: "Sein Zustand ist noch ungewisser und er übt sich in Understatement, aber an seinem Talent besteht kein Zweifel. Man weiß nur einfach nicht, wie es ihm geht: Er kann den Giro gewinnen oder wieder nach zwölf Etappen mit Rückenschmerzen nach Hause fahren."
Voigt stimmt der Einschätzung zu: "Mit Bernal nach dem langen Herumlaborieren in diesen bergigen Giro zu starten, ist eine mutige Entscheidung."

Doch der 24-Jährige ist nicht der einzige Trumpf seiner Mannschaft, wo mit Pavel Sivakov (Russland) und Daniel Felipe Martinez (Kolumbien) weitere Top-Fahrer im Aufgebot stehen, betont Voigt: "Team Ineos hat ein Luxusproblem und fast mehr Kapitäne als Helfer. Aber wie das Sturz-Aus von Geraint Thomas letztes Jahr beim Giro gezeigt hat, ist es nicht verkehrt, zwei Leader am Start zu haben. Es ist vernünftig, sich abzusichern und das macht auch weniger Druck auf Bernal."

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Giro-Favoriten: Evenepoel nach Horror-Sturz zurück

Mit großer Spannung erwartet wird die Grand-Tour-Premiere von Remco Evenepoel. Nach seinem schweren Sturz bei der Lombardei-Rundfahrt im letzten Jahr hat er kein Rennen mehr bestritten, nun wagt sich der junge Belgier direkt an diesen sehr schweren Giro.

Die Marschroute des Deceuninck-Rennstalls ist, dass der Seriensieger der letzten Jahre sich in den Dienst von Teamkollege Joao Almeida stellen soll, schließlich fuhr der Portugiese im Vorjahr über zwei Wochen im Rosa Trikot. Doch auch in der belgischen Mannschaft könnte die Kapitänsrolle wechseln, meint Voigt:
"Sie sind gezwungen, eine Mehrfachstrategie zu fahren. Denn bei allem Respekt für die Jungs: Ich sehe dort keinen, der es wirklich mit Bernal oder Vincenzo Nibali aufnehmen kann. Sie haben niemand, der ganz klarer Sieganwärter oder Podiumskandidat ist, sie müssen sich so halb durchmogeln. Ihre Top-Fahrer können alle Dritter werden - oder Fünfter, oder Zwölfter. Evenepoel kann durchaus nach fünf Tagen das Rosa Trikot tragen - und nach fünfzehn Tagen ausgebrannt sein. Mit Almeida eine zweite Option zu haben, ist ganz sicher eine gute Lösung. Dieser sehr bergige Giro kommt aber aus meiner Sicht Almeida nicht so entgegen wie einem reinrassigeren Bergfahrer."


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Giro-Favoriten: Nibali nie abschreiben

Auf den letzten Drücker hat sich nach seinem Handgelenksbruch mit Nibali auch der Fan-Liebling der Italiener fit für den Giro gemeldet. Mit einer Spezialschiene geht der zweifache Gewinner des "maglia rosa" in Turin an den Start, aber die Form aus seinen besten Jahren hat er nach Meinung von Aldag nicht.
"Wir haben ihn auf der Rechnung, allein wegen seiner taktischen Fähigkeiten, seiner Cleverness und seiner Erfahrung. Ein Favorit auf den Sieg ist er für mich nicht - aber einer, der uns bestimmt unterhalten wird. Und wenn er seine Chance sieht, wird ihn auch die Erinnerung an seinen Sturz nicht hindern, auf den Abfahrten volles Risiko zu gehen. Aber bei den schweren Bergankünften wird er etwas an Zeit verlieren."

Giro-Favoriten: Yates schon in Topform

Während also viele Topfahrer mit ungewissem Formstand beim Auftaktzeitfahren von der Startrampe rollen werden, hat einer der Sieganwärter ein ganz anderes Problem: Simon Yates hat sich beim letzten Härtetest in der Tour of the Alps dermaßen stark in den Bergen präsentiert, dass an ihm erst einmal kaum ein Weg vorbei scheint.

Doch der Brite hat an den Giro nicht nur die Erinnerung seiner drei Etappensiege 2018, sondern auch den kurz darauf folgenden Einbruch drei Tage vor Schluss, als ihm Chris Froome das Rosa Trikot entriss. Sollte der 28-Jährige deshalb seine Kräfte in der ersten Giro-Hälfte bewusst schonen, um in der extrem schweren Schlusswoche noch sicher Reserven zu haben?
Voigt rät zu einer anderen Taktik: "Nimm, was du kriegen kannst, jede Minute, jede Sekunde - was du hast, das hast du. Und ein Etappensieg oder das Rosa Trikot gibt dir und dem Team Moral und nimmt Druck. Deshalb sollte er gleich bei der ersten großen Bergankunft auf der 6. Etappe seine Topform nutzen."

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Zwei heiße Außenseitertipps aus Irland und Italien hat Voigt auch noch: "Daniel Martin sollte man bei den vielen Bergankünften auf jeden Fall auch auf der Rechnung haben, falls er nicht stürzt. Ich traue ihm auch zu, dass er aufs Podium fahren kann. Und ich halte sehr viel von Fausto Masnada, der gerade bei der Tour de Romandie Dritter wurde. Er ist für mich der Unbekannte, der unauffällig mitfahren und etliche Favoriten überraschen könnte."


Dazu kommt abschließend noch das deutsche Team DSM um den Vorjahreszweiten Jay Hindley und den französischen Neuzugang Romain Bardet sowie das deutsche Trio Arndt, Denz und Kanter - für Voigt "eine Wundertüte mit vielen jungen, hungrigen Fahrern und erfahrenen Profis: Die sind für alles gerüstet und können jeden Tag das Rennen mitbestimmen."
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