Giro d'Italia - 9. Etappe | Drei Dinge, die auffielen: Bora-Trümpfe stechen in Serie - Sturz als Mahnung
Die bisher schwerste Etappe des Giro d'Italia 2022 zur Bergankunft am Blockhaus sorgte für etliche Überraschungen. Auf den fast 200 Kilometern über fünf Bergwertungen, davon zwei der ersten Kategorie, gab es einen unerwarteten Sieger, böse Überraschungen für Mitfavoriten, einen Sturz-Schock und einige Lehren hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Italien-Rundfahrt. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Bora jubelt bei Bergankunft - Yates verliert alle Chancen
Quelle: Eurosport
Ein Schlagabtausch mit offenem Visier war auf der 9. Giro-Etappe erwartet worden und die Stars blieben dabei am Schlussanstieg nichts schuldig.
Auf den fast 14 Kilometern bei 8,4% Steigung hinauf zum Tagesziel duellierten sich die Favoriten im Finale - falls sie nicht schon zuvor zurückgefallen waren. Die unerwartete Schwäche mancher Topfahrer war nur eine der Überraschungen des Härtetests in den Abruzzen.
Auch der Kampf ums Rosa Trikot nahm einen anderen Ausgang als von vielen Experten erwartet.
Drei Dinge, die auf der Giro-Bergetappe nach Blockhaus auffielen:
1.) Bora-Trümpfe feiern Berg-Triumphe
Zwei Bergankünfte, zwei beeindruckende Siege: Besser hätte der Giro bisher für Team Bora kaum laufen können. Erst setzte sich Lennard Kämna am Ätna durch, jetzt legte Jai Hindley nach. Solche Triumphe waren lange Mangelware für deutsche Fans, die in den letzten Jahren oft eher Sprintsiegen, Erfolgen in Zeitfahren oder Ausreißer-Coups auf weniger steilem Terrain gewohnt waren.
Der verstärkte Fokus auf kletterstarke Fahrer und offensive Fahrweise beim deutschen Rennstall zahlt sich aus, auch Aleksander Vlasov und Sergio Higuita sorgten in dieser Saison schon für weitere Siege mit mächtig Höhenmetern. Dass in der Liste der Saisonsiege bisher nur ein Sprinterfolg steht (Sam Bennett bei Eschborn-Frankfurt) ist im Vergleich zu früheren Jahren untypisch, aber für viele Fans eher spannender.
Beim Giro ist noch kein Ende der Gipfelstürme in Sicht, denn schwere Etappen warten im letzten Drittel der Rundfahrt in Serie und auch im Kampf um das Podium und den Gesamtsieg ist nach Meinung der Teamleitung noch alles offen - Hindley und auch Emanuel Buchmann liegen dafür weiter in aussichtsreicher Lauerstellung in den Top Ten.
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Auf der letzten Rille: Hindley gewinnt knallharten Bergsprint
Quelle: Eurosport
Auch der einzige Rückschlag auf der 9. Etappe - Wilco Keldermans Abrutschen in der Gesamtwertung nach einem Defekt zur Unzeit - eröffnet sogar neue Optionen auf zumindest weitere Etappensiege in den Bergen. "Es werden noch Ausreißergruppen durchkommen", machte Rolf Aldag seinem Schützling im Velo Club von Eurosport Mut. Die Form an sich stimmt schließlich beim Niederländer, wie seine Auftritte am Ätna, im Zeitfahren in Budapest und bei der Auftaktetappe in Ungarn gezeigt haben.
"Im Radsport sollte man niemals vor dem Ende aufgeben. Und ich glaube, das sollte von nun an die Motivation für alle sein", gab der Sportliche Leiter Enrico Gasparotto seinen Fahrern passend mit auf den Weg in den Ruhetag.
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"Davon hat er profitiert": Aldag analysiert Hindleys Sieg
Quelle: Eurosport
2.) Favoriten-Feld mit Aufsteigern und Ausfällen
Fans und Streckenplaner können sich freuen: Der Kampf in der Gesamtwertung ist auch nach zwei Bergankünften und einem Zeitfahren komplett offen. Noch liegen zwölf Fahrer innerhalb von weniger als neunzig Sekunden nach fast 38 Rennstunden auf den ersten neun Etappen.
Für Topfavorit Richard Carapaz und sein Ineos-Team war die Schlusssteigung zum Blockhaus allerdings eine kleine Ernüchterung: Die Helfer investierten alle Kräfte und auch der Olympiasieger selbst forcierte knapp fünf Kilometer vor dem Ziel - doch mit Mikel Landa und Romain Bardet konnten ihm zwei Rivalen am Berg Paroli bieten. Ein Selbstläufer wird die Wiederholung des Gesamtsieges von 2019 ganz offensichtlich nicht.
Für Simon Yates hingegen, vor einer Woche noch überraschender Sieger des Zeitfahrens, zerschlugen sich alle Podiumsträume durch die über zehn Minuten Rückstand, auch Kelderman (s.o.) musste sich aus dem Kreis der Podiumskandidaten verabschieden. Schließlich erlebte auch Giulio Ciccone bei seinem Heimspiel am Blockhaus einen Tiefschlag, der Publikumsliebling aus den Abruzzen verlor 9:26 Minuten und alle Optionen auf das Podest in Verona.
Dafür beeindruckte sein Trek-Teamkollege Juan Pedro Lopez weiter: Der Spanier verteidigte sein Rosa Trikot mit allen Kräften, inklusive eines Flaschenwurfs vor Frust, nachdem er im Schlussanstieg das Rad eines Rivalen touchiert hatte und kurz zum Stillstand gekommen war. Dass der 24-Jährige trotz dieses zeitraubenden Zwischenfalls das maglia rosa verteidigte, war beeindruckend. Seine teaminterne Kapitänsrolle ist nun unangefochten, weder Ciccone noch Mollema haben noch Aussichten auf einen Spitzenplatz. Wenn der 13. der letzten Vuelta also weiter so beherzt fährt, könnte ein einstelliges Ergebnis im Gesamtklassement möglich werden.
Neben dem Youngster sorgten die Oldies am Blockhaus für Aufsehen: Domenico Pozzovivo (39) schob sich als Sechster des Tages bis auf Rang acht nach vorne (+0:54) und in dieser Kletterform kann er sein bislang bestes Giro-Ergebnis (5.) wieder ins Visier nehmen, Alejandro Valverde (42) schnuppert wieder an den Top Ten und Vincenzo Nibali (37) zeigte sich stärker als am Ätna und kletterte zurück in die Top 15 als Achter der Etappe.
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"Es bleibt spannend": Die Giro-Favoriten unter der Lupe
Quelle: Eurosport
3.) Sturz-Schock als Mahnung
Die 9. Etappe hätte abseits aller sportlichen Dramen auch von einem folgenschweren Sturz überschattet werden können. Als Natnael Tesfatsion als Führender in der Abfahrt vom Passo Lanciano in einer Kurve nach Fahrfehler geradeaus weiterfuhr, stockte kurz der Atem.
Als der Profi aus Eritrea wenig später wieder hinauf an die Strecke kletterte, dann sogar das Rennen fortsetzen und die Etappe beenden konnte, wurde schnell zur Tagesordnung übergegangen.
Doch auch wenn Bilder von glimpflich ablaufenden Stürzen auf Bergetappen schon immer die Geschichte des Radsports geprägt haben (Wim van Est, Johan Bruyneel, Jan Ullrich, John-Lee Augustyn...) - manche Unfälle haben kein happy end. Das sollte gerade beim Giro d'Italia nie vergessen werden, wo die Startnummer 108 im Gedenken an Wouter Weylandt seit seinem tödlichen Sturz 2011 nicht mehr vergeben wird.
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Sturz-Schock beim Giro: Führender fliegt in der Abfahrt ab
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"Wäre ein Mega-Fehler": Eurosport-Experten zu Bernals Comeback
Quelle: Eurosport
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