Giro d'Italia: Jens Voigt exklusiv zu deutschen Chancen auf Etappensiege - Lennard Kämna mit guten Karten am Ätna

Jens Voigt bewertet in Teil 1 des Exklusiv-Interviews mit Eurosport.de die Chancen der deutschen Profis beim Giro d'Italia. Der Eurosport-Experte traut vor allem Lennard Kämna vom Team Bora-hansgrohe einen Etappensieg zu - und zwar am berühmten Vulkan Ätna. Dazu müssten aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, betont Voigt, der außerdem heiße Duelle der Sprinter mit Phil Bauhaus erwartet.

Eurosport-Experte Jens Voigt über die Giro-Chancen von Lennard Kämna (2.v.r.)

Fotocredit: Getty Images

Mit dem Giro d'Italia, der in diesem Jahr über 3445,6 Kilometer durch Ungarn und Italien führt, steht ab dem 6. Mai die erste von drei Grand Tours an - täglich live bei Eurosport!
Durch das Fehlen der beiden slowenischen Topstars Primoz Roglic und Tadej Pogacar werde die Karten neu gemischt - auch für die deutschen Fahrer.
Erfolge erwartet Jens Voigt aber in erster Linie im Hinblick auf Tagessiege. Lennard Kämna etwa habe das Potenzial, um "auf der 4. Etappe bei der Bergankunft am Ätna vorne in der Gruppe mit dabei zu sein und die Etappe zu gewinnen", glaubt der 50-Jährige.
Darüber sieht Voigt bei Zielsprints gute Chancen auf einen deutschen Etappensieg. "Phil Bauhaus ist mit seinen Qualitäten ein heißer Tipp", so der Ex-Profi, der 2008 selbst ein Teilstück der Italien-Rundfahrt für sich entscheiden konnte.
Kleinere Brötchen müssen die deutschen Radprofis wohl im Hinblick auf das Gesamtklassement backen, erläutert Voigt im Gespräch mit Eurosport.de.
Das Interview führte Tobias Laure
Der Giro steckt einmal mehr voller schwerer Bergetappen. Wie sieht es da mit den Chancen aus deutscher Sicht aus?
Jens Voigt: Mit Lennard Kämna und Emmanuel Buchmann von Bora-hansgrohe haben wir zwei starke deutsche Bergfahrer. Allerdings mit Einschränkungen.
Nämlich?
Voigt: Meiner Meinung nach haben die beiden noch nicht die Form, um am Berg im Kampf Mann gegen Mann Topleuten wie João Almeida, Richard Carapaz oder Mikel Landa Paroli bieten zu können. An diesen Bergkönigen kommen sie wahrscheinlich nicht vorbei. Anders sieht es aus, wenn es gelingt, vorne wegzufahren, um solchen Duellen aus dem Weg zu gehen - oder wenn es Gruppenankünfte gibt. Dann sind Etappenerfolge am Berg drin für Kämna und Buchmann.
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Kämna stürmt zum Sieg: Das Finale der 3. Etappe der Tour of the Alps

Quelle: Eurosport

Gerade bei Bora-hansgrohe scheinen sich eine ganze Reihe taktischer Möglichkeiten zu ergeben. Wie sieht die beste Option aus?
Voigt: Ich würde Kämna den Auftrag geben, dass er an den ersten zwei, drei Tagen absichtlich viel Zeit verlieren soll, um dann auf der 4. Etappe bei der Bergankunft am Ätna vorne in der Gruppe mit dabei zu sein - und zu gewinnen. Das Team hat ja mit Wilco Kelderman, Jai Hindley und auch Buchmann drei Fahrer, die auf das Klassement fahren können. Buchmann etwa hat aus meiner Sicht eine Top-Ten-Platzierung in der Gesamtwertung im Kreuz.
Wie sieht es bei den Sprintern aus?
Voigt: Phil Bauhaus von Bahrain-Victorious ist mit seinen Qualitäten ein heißer Tipp. Wahrscheinlich wird schon das dritte Teilstück des Giro über 201 Kilometer von Kaposvár nach Balatonfüred zur Beute für die Sprinter. Das ist die große Chance für Bauhaus, früh ein Ausrufezeichen zu setzen und Selbstvertrauen zu tanken. Wenn er das Momentum dann mitnimmt, kann er auch weitere Etappen holen.
Aber die Konkurrenz ist stark...
Ja, kurioserweise haben gerade ein paar andere deutsche Fahrer etwas dagegen. Rick Zabel wird bei Israel-Premier Tech versuchen, Giacomo Nizzolo in Position für den Sieg zu bringen. Roger Kluge, Rüdiger Selig und Michael Schwarzmann haben bei Lotto Soudal ähnliches vor, nur eben für ihren Topsprinter Caleb Ewan. Das werden hochinteressante Vergleiche bei den Sprintern.
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"Wahnsinn!" Bauhaus sprintet zum Triumph auf der Schlussetappe

Quelle: Eurosport

Wie schätzen Sie die Chancen der Deutschen auf Ausreißererfolge ein?
Voigt: Ich denke da an Jasha Süterlin vom Team Bahrain-Victorious. Wenn die Mannschaft ihm aus einer Fluchtgruppe heraus die Freiheit gibt, kann er definitiv eine Etappe gewinnen. Ähnliches gilt für Michael Schwarzmann von Lotto Soudal. Er müsste sich mit Thomas de Gendt absprechen, so nach dem Motto: 'Heute du in der Fluchtgruppe, morgen ich.' Dazu kommt Nico Denz vom Team DSM, der ebenfalls aus einer großen Gruppe von zehn bis 15 Fahrern heraus stark einzuschätzen ist im Hinblick auf einen Tagessieg - er war beim Giro ja schon oft als Ausreißer nah dran an einem Erfolg.
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Giro 2022: Die Streckenvorschau auf die Italien-Rundfahrt

Quelle: Eurosport

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