Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Evenepoel muss sich freuen, Rosa los zu sein
VonFelix Mattis
Publiziert 09/05/2023 um 22:10 GMT+2 Uhr
Drei Tage nachdem Remco Evenepoel das Rosa Trikot im Auftaktzeitfahren des Giro d'Italia überlegen eroberte, hat der Belgier es auf der 4. Etappe dieser 106. Italien-Rundfahrt am Lago Laceno wieder abgegeben - an den Norweger Andreas Leknessund, den er offensichtlich für keine große Gefahr in der Gesamtwertung hält. Doch nicht nur das fiel am Dienstag nach 175 Kilometern auf.
Highlights: Leknessund verliert Etappenfinale - und ist dennoch Sieger
Quelle: Eurosport
Das vierte Giro-Teilstück war dreigeteilt: Im ersten Renndrittel fuhr das gesamte Fahrerfeld am Anschlag. Es dauerte rund 70 Kilometer, bis sich die Ausreißergruppe des Tages löste.
Danach kehrte im Hauptfeld Ruhe ein und es wurde kurzzeitig regelrecht gebummelt, bis das Spitzenreiter-Septett gut viereinhalb Minuten Vorsprung hatte.
Und zum Schluss rauschte man auch hinten im Peloton den Schlussanstieg zum Lago Laceno so schnell hinauf, dass viele Fahrer Probleme bekamen.
Während an der Spitze des Rennens Aurelien Paret-Peintre und Andreas Leknessund den Etappensieg unter sich ausmachten - mit dem besseren Ende für den Franzosen - war dahinter im Hauptfeld der Mann im Rosa Trikot plötzlich von all seinen Helfern isoliert.
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Ein Pokerspiel! Analye zum Ausreißer-Duell um Etappensieg und Rosa
Quelle: Eurosport
Das führt uns zum ersten der drei Dinge, die auffielen:
1.) Evenepoel und Quick-Step sind froh, Rosa abzugeben
Schon nach seinem Zeitfahrsieg am Samstag hatte Remco Evenepoel angedeutet, dass die bergige 4. Etappe durch Kampanien eine gute Gelegenheit sein könnte, die Verantwortung des Gesamtführenden beim Giro vorerst nochmal abzugeben. Letztlich tat der Belgier am Dienstag genau das, indem er und sein Team einer Ausreißergruppe genug Vorsprung gewährten, so dass einer der Ausreißer Rosa übernehmen konnte: Andreas Leknessund.
Gleichzeitig aber ließ man die Gruppe auch nur soweit weg, dass der Rückstand Evenepoels auf den neuen Mann in Rosa möglichst klein bleiben würde - bei 28 Sekunden ist er jederzeit sehr gut in Reichweite für den Weltmeister.
Fragen musste man sich am Dienstagabend aber, wieso Evenepoels Team in der Anfangsphase den ersten Spitzengruppen hinterherjagte und das Rennen damit auf den ersten 70 Kilometern so schwer machte. Evenepoels Helfer wie Pieter Serry oder Josef Cerny wurden mehrmals abgehängt, kamen wieder zurück, arbeiteten wieder im Wind und fielen dann erneut zurück. "Ich hätte die erste Gruppe gleich fahren lassen. Natürlich war Brandon McNulty da drin, aber ich wäre das Risiko eingegangen. So hat er im Endeffekt heute sieben Fahrer verbraucht", meinte auch Eurosport-Experte Bernie Eisel im Velo Club.
Am Ende, in der Schlusssteigung zum Lago Laceno, war Evenepoel völlig isoliert. Als einziger Quick-Step-Fahrer im knapp 30 Mann starken Favoritenfeld. Man könnte argumentieren, dass seine Helfer Feierabend hatten und sich am Ende schonen durften. Doch dass man den Kapitän völlig allein lässt, das entscheidet man nicht freiwillig. Ein Defekt am Rad von Evenepoel, er hätte keine Hilfe mehr gehabt und unweigerlich viel Zeit auch auf seine wichtigsten Kontrahenten eingebüßt.
Nein: Das 'Wolfpack' war nach diesem harten Tag einfach am Limit. Deshalb muss man bei den Belgiern froh sein, dass man das Führungstrikot nun erstmal los ist und in den nächsten Tagen weniger Arbeit verrichten muss. "Die anderen Teams haben gesehen, dass er der einzige von seinem Team war. Wenn sie eine Chance sehen, werden sie ihn attackieren", ist sich Eisel sicher, dass Evenepoel und sein Team mit ihrer Fahrweise am Dienstag leichtsinnig ihre eigene Schwäche offengelegt haben.
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Eisel: "Evenepoels Team hat viel zu viel investiert"
Quelle: Eurosport
2.) Almeida hat Probleme bergab im Nassen
Schon auf der 3. Etappe stürzte Joao Almeida gut 15 Kilometer vor dem Ziel, als direkt vor ihm Mads Würtz Schmidt zu Fall gekommen war. Anschließend wirkte der Portugiese extrem unsicher im weiteren Verlauf der Abfahrt. Tagsdrauf nun wurde die Schwäche des 24-Jährigen im Nassen noch deutlicher.
Denn als nach knapp 40 Kilometern in der ersten längeren Abfahrt von Lagopesole hinunter nach Atella das Peloton bei hohem Tempo weit aufgereiht war, tat sich vor dem UAE-Kapitän eine Lücke auf.
Almeida verlor den Anschluss zum ersten Feld und musste danach von seinen Teamkollegen durch eine mehrere Kilometer dauernde Verfolgungsjagd erst wieder nach vorne gebracht werden. Sicher, am Ende des Tages verlor er erneut keine Zeit und ist daher weiterhin Evenepoels ärgster Verfolger im bereinigten Klassement der Titel-Aspiranten.
Doch wie die Konkurrenz am Dienstag bei Evenepoel dessen Team als möglichen Schwachpunkt ausgemacht haben dürfte, so wissen viele nun sicher auch, was sie machen, wenn es an den großen Alpenpässen nass werden sollte - nämlich nicht nur bergauf angreifen. Zumal auch Almeidas Co-Kapitän Jay Vine in besagter Abfahrt in der Gruppe des Portugiesen saß und sich auch an anderer Stelle nicht durch besondere Fahrkünste hervortat:
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Das war knapp! Vine stürzt beinahe am eigenen Teamwagen
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3.) "Mittelschwer", das gibt's nicht mehr
Auf dem Papier war das Teilstück von Venosa zum Lago Laceno eine der sogenannten "mittelschweren Etappen" durchs Mittelgebirge. Doch die Fahrweise im modernen Radsport macht gerade aus diesen Tagen immer häufiger richtig brutale Aufgaben für die weniger bergfesten Fahrer. Auch am Dienstag war das wieder der Fall, weil auf den ersten 70 Kilometern über drei nicht kategorisierte Anstiege und einen Kategorie-2-Berg nie Ruhe einkehrte.
Einige Fahrer, wie der Sieger vom Sonntag Jonathan Milan, konnten dem Feld schon auf den ersten 20 Kilometern nicht mehr folgen. Am Ende kam das Gruppetto mehr als 26 Minuten nach dem Sieger im Ziel an. Das war zwar noch sieben Minuten vor Ablauf der Karenzzeit, doch die schon an den ersten Rundfahrttagen wachsende Ermüdung, wird den Sprintern früher oder später zum Verhängnis werden.
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Daten-Analyse: So brutal ist der Giro-Auftakt für die Sprinter bisher
Quelle: Eurosport
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