Giro d'Italia: Remco Evenepoel zur Tour de France? Gilbert rät davon ab - Teamarzt erklärt Test
VonFelix Mattis
Publiziert 16/05/2023 um 14:28 GMT+2 Uhr
Nach dem Corona-Aus von Remco Evenepoel beim Giro d'Italia wird spekuliert: Fährt der Belgier im Juli erstmals die Tour de France? Eurosport-Experte Philippe Gilbert rät seinem Landsmann und ehemaligem Teamkollegen davon ab: "Ich denke nicht, dass er genug Zeit zum Erholen hat - psychologisch und auch physisch. Er wäre schon recht spät dran für die Vorbereitung", sagte der Ex-Weltmeister.
Remco Evenepoel et Philippe Gilbert
Fotocredit: Getty Images
Darüber hinaus betonte Gilbert, dass Evenepoels engster Helferkreis ja weiterhin beim Giro im Einsatz sei und daher für die Tour im Juli auch kaum zur Verfügung stehen würde.
Die Planung bei Evenepoels Team Soudal - Quick-Step, das sich bislang nicht zu den Spekulationen äußern wollte, sieht eigentlich vor, bei der Frankreich-Rundfahrt auf Etappenjagd zu gehen und das Team auf Sprint-Star Fabio Jakobsen auszurichten.
Eine komplette Helferriege würde Evenepoel dort also wohl ohnehin nicht bekommen, um auf Gesamtwertung zu fahren.
Trotzdem könnte ein Tour-Debüt in diesem Jahr mit einer freien Rolle und der Möglichkeit, einen Etappensieg zu jagen, für die Zukunft des Belgiers wertvoll sein.
Gilbert rät Evenepoel von Tour de France ab
Gilbert aber sieht das anders. Er rät seinem Ex-Teamkollegen, den Fokus wie ursprünglich geplant auf die Weltmeisterschaften im August und anschließend auf eine mögliche Titelverteidigung bei der Spanien-Rundfahrt zu legen.
"Ich würde bei der Belgien-Rundfahrt (im Juni, Anm. d. Red.) zurückkehren, dann die belgischen Meisterschaften im Zeitfahren und auf der Straße fahren, wo er gewinnen kann. Danach würde ich drei Wochen ins Höhentrainingslager gehen und danach die Tour de Wallonie (Ende Juli, Anm. d. Red.) bestreiten, die die beste Vorbereitung für die Clasica San Sebastian ist", so Gilbert.
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2019 bestritten Gilbert und Evenepoel gemeinsam die WM in Yorkshire.
Fotocredit: Eurosport
"Das wäre die ideale Vorbereitung für die Weltmeisterschaften", meinte der Ex-Profi: "Wir wissen, dass er dort diesmal auch den Zeitfahrtitel holen will. Das Double ist sein großes Ziel. Ich war damals in England mit ihm auf dem Zimmer, als er Vize-Weltmeister im Zeitfahren wurde. Das war eine große Enttäuschung für ihn."
2019 in Yorkshire wurde Evenepoel in seinem ersten Profijahr bei den Zeitfahr-Weltmeisterschaften nur vom Australier Rohan Dennis bezwungen. Gilbert gehörte damals ebenfalls noch zum Nationalteam der Belgier und startete wenige Tage später gemeinsam mit Evenepoel im Straßenrennen, wo beide vorzeitig ausstiegen.
Kein Zögern beim Teamarzt: "Sonst wäre ich es nicht wert, Arzt zu sein"
Unterdessen erklärte Soudal-Teamarzt Toon Cruyt gegenüber dem belgischen Sportsender "Sporza", wie es zu dem positiven Test von Evenepoel gekommen war. Demnach habe er nach dem Zeitfahren kurzfristig entschieden, den Mann im Rosa Trikot zu testen, anstatt damit bis zum Ruhetag zu warten - auch weil Evenepoel schon am Samstag nicht mehr ganz fit gewesen sei.
"Wir hatten Tests vor dem Giro und wollten dann in der ersten Giro-Woche nur testen, wenn es jemand schlecht geht. Am ersten Ruhetag hätte ich ohnehin alle getestet. Aber nach dem, was ich nach dem Zeitfahren und bei der Dopingkontrolle gesehen habe, entschied ich, Remco sofort zu testen. Und dann kam der Ball ins Rollen", erklärte Cruyt.
Evenepoel werde nun mindestens eine Woche Ruhe halten, erklärte der Arzt. Dann würde es kardiologische Untersuchungen geben, bevor der Weltmeister wieder ins Training einsteigen kann.
Cruyt betonte außerdem, dass es keinen Moment des Zögerns gegeben habe, nachdem der Test positiv ausgefallen war. "Nein, nein. Ich möchte die Gesundheit von niemand aufs Spiel setzen. Dann wäre ich es nicht wert, Arzt zu sein", erklärte er.
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Alle 21 Etappen des Giro d'Italia - die Strecke in der Übersicht
Quelle: Eurosport
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