Giro d'Italia 2025 - Drei Dinge, die auf der 1. Etappe auffielen: Erster Punktsieg von Bora über UAE, Wout van Aert ist (fast) wieder da

Die 1. Etappe des Giro d'Italia 2025 bot zum Auftakt vieles: Favoriten, die sich zeigten und leider auch hochgehandelte Fahrer, für die das italienische Abenteuer beendet war, bevor es überhaupt das Austragungsland erreichte; dazu Klassikerfahrer in Topform und ein unterschwelliges Duell der Topteams. Über allem thronte: Lidl-Trek mit Tagessieger Mads Pedersen. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights XXL: Lidl-Trek setzt Duftmarke - Drama um Landa

Quelle: Eurosport

Mads Pedersen lachte auf die Frage der Reporter bei seinem Sieger-Interview, was denn der Plan seines Teams Lidl-Trek bei der 1. Etappe des Giro zwischen Durres und Tirana in Albanien gewesen sei. "Es war genau so, wie ihr das im Fernsehen sehen konntet", sagte der Mann, der im Zeitfahren während der 2. Etappe das Maglia Rosa tragen wird.
Es fällt tatsächlich schwer, angesichts der finalen 40 Kilometer ein Haar in der Lidl-Suppe zu finden - das ganze Team zog an einem Strang und der designierte Kapitän Pedersen vollendete die Aufgabe 200 Meter vor dem Ziel.
Dass sich der Däne nicht schon deutlich vor dem Ziel aufrichten konnte, lag an Wout van Aert. Der Belgier ließ Pedersen für den ersehnten Sieg ordentlich kämpfen - trotz Krankheit im Vorfeld.
Überschattet wurde der Giro-Auftakt in Albanien vom schweren Sturz von Mikel Landa. Der Soudal-Quick-Step-Kapitän kam knapp fünf Kilometer vor dem Ziel an einem Bordstein zu Fall und wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Spanier brach sich einen Rückenwirbel - der Traum vom dritten Podium bei der Italien-Rundfahrt endete an Tag eins.
Drei Dinge, die auf der 1. Etappe auffielen.

1. Van Aert ist (fast) wieder da - aber Lidl-Trek überragt

15 Rennen bestritt van Aert in dieser Saison - gewinnen konnte er noch keines davon, dafür wurde er in Tirana zum vierten Mal Zweiter. Für den Visma-Lease a Bike-Kapitän war es nach einem - für seine hohen Ansprüche - enttäuschenden Frühjahr fast ein gefühlter Sieg bei seinem Giro-Debüt.
Nicht nur, weil er nahe am Topfavoriten Pedersen dran war, sondern auch, weil er trotz einer Krankheit im Vorfeld bei dieser anspruchsvollen Etappe Zweiter werden konnte. Im Ziel-Interview hustete der 30-Jährige immer wieder zwischen den Sätzen, aber war zufrieden mit sich.
"Das war deutlich über meinen Erwartungen", sagte er am Eurosport-Mikrofon. "Ich habe mich während der Etappe nicht wirklich gut gefühlt, aber es gibt nur sehr wenige Chancen auf das Rosa Trikot und daher wollte ich es unbedingt probieren. Am letzten Anstieg habe ich sehr gelitten, um überhaupt dranzubleiben. Platz zwei ist daher ein sehr gutes Ergebnis. Ich muss versuchen, mich so gut es geht zu erholen, ich werde es Tag für Tag angehen und es morgen natürlich wieder versuchen."
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Furioser Auftakt: Pedersen kocht van Aert im Zielsprint ab

Quelle: Eurosport

Wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, dann hat der exzellente Zeitfahrer im Kampf gegen die Uhr exzellente Chancen auf das Maglia Rosa. Das wird Pedersen auf jeden Fall nicht kampflos hergeben. Der Tagessieger kam gar nicht mehr aus der Begeisterung über das perfekte Teamwork seiner Mannschaft heraus.
"Giulio Ciccone ist hier für das Gesamtklassement und dann zieht er das ab, absoluter Wahnsinn, es dann so zurückzahlen zu können", sagte er. Die Chancen für das Zeitfahren schätzte er realistisch ein: "Ich war nach Paris - Nizza zweimal auf dem Zeitfahrrad, aber es ist ein kurzes Zeitfahren, vielleicht kann ich was aus dem Hut zaubern. Ich werde auf jeden Fall alles versuchen, um das Trikot morgen zu ehren."

2. Red Bull mit optischem Sieg über UAE - aber was ist es wert?

Während Lidl-Trek das Feld über die zweifach befahrene Schlussrunde Stück für Stück auseinandernahm und sich damit - zurecht - ins Rampenlicht fuhr, führten die Mannschaften der großen Klassement-Favoriten Primoz Roglic (Red Bull-Bora-hansgrohe) und Juan Ayuso (UAE Emirates-XRG) einen subtileren Kampf um die Vorherrschaft.
Die beiden topbesetzten Teams verfolgten einen sehr unterschiedlichen Ansatz: Der deutsche Rennstall hielt sich permanent an der Spitze auf, zeigte mannschaftliche Stärke, Kapitän Roglic fuhr entspannt vorne mit - ganz so, wie er sich auch im Vorfeld in den Interviews und am Start in Durres gab.
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Giro-Favoriten: Vier einstige Sieger und ein junger Herausforderer

Quelle: Eurosport

UAE um Ayuso hingegen war fast unsichtbar. Rafal Majka tauchte zwischenzeitlich vorne auf, aber Kapitän Ayuso ließ sich praktisch nicht blicken. Der optische Sieg ging an die Raublinger - aber hat es auch eine Bedeutung? Zumindest einen Vorteil hatte es für Roglic und Co.: Die Fahrer hielten sich aus allem Stress heraus: "Die Jungs waren jederzeit gut und immer in Position, wenn es darauf ankam. Das macht mich glücklich", sagte Roglic im Ziel in Tirana.
Ein - womöglich der wichtigste - Helfer von Ayuso dagegen stürzte im Finale: Jay Vine ging im Umfeld des Landa-Sturzes zu Boden, da waren die meisten Red-Bull-Fahrer schon um die Kurve. Runde eins von 21 ging also nach Punkten an Roglic.

3. Das Klischee tritt ein: Für einige Stars ist der Giro gelaufen

Das deutsche Team nahm sich eine absolute Binsenweisheit des Radsports wohl zu Herzen - und wie so oft bewahrheitete sie sich an Tag eins des Giro: Man kann die Rundfahrt in der ersten Woche nicht gewinnen, aber verlieren. Während die meisten an dieser Stelle eine Einzahlung ins Phrasenschwein fordern, scharren andere Teams verlegen mit den Füßen.
Allen voran natürlich Soudal-Quick-Step. Die Equipe war voll und ganz auf die Klassement-Ambitionen von Landa ausgerichtet, der in einer Linkskurve nicht nur aus der Rundfahrt ausschied, sondern sogar um die Fortsetzung seiner Saison fürchten muss.
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Landa stürzt schwer: Mitfavorit scheidet schmerzhaft aus

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Aber nicht nur Stürze verpassten einigen Favoriten einen Dämpfer - das Tempodiktat von Lidl-Trek erwies sich auch als zu heftig für erweiterte Top-Fünf-Kandidaten wie Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) und Derek Gee (Israel-PremierTech). Sie verloren 57 Sekunden (Gee) beziehungsweise 1:35 Minuten (Arensman) auf den Sieger Pedersen und die meisten anderen Favoriten.
Das ist kein Beinbruch, aber wenn man an einem Berg der dritten Kategorie nicht mehr Teil einer rund 40-köpfigen Gruppe sein kann, dann wird es auch im Hochgebirge knapp mit den Podiumsträumen. Und während früher noch eine andere Binsenweisheit galt - man könne sich im Verlauf einer Grand Tour in Form bringen - so gilt das für den Radsport im Jahr 2025 definitiv nicht mehr.

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