Isaac Del Toro verteidigt das Maglia Rosa beim Giro d'Italia - aber Juan Ayuso stürzt ab: UAE-Emirates-XRG hat ein Problem
VonJan Zesewitz
Publiziert 27/05/2025 um 21:43 GMT+2 Uhr
Es war der erste schwache Tag für das Team UAE-Emirates-XRG beim Giro d'Italia 2025. Über die ersten zwei Wochen dominierte die Equipe das Renngeschehen, trug in Person von Isaac Del Toro seit der Gravel-Etappe nach Siena das Maglia Rosa. Mit Juan Ayuso war auch der nominelle Kapitän in der Gesamtwertung hervorragend platziert. Nach der Bergankunft in San Valentino sieht die Situation anders aus.
Ayuso platzt, Del Toro strauchelt: UAE in Schwierigkeiten
Quelle: Eurosport
"Insgesamt war es ein guter Tag für uns", sagte UAE-Teammanager Mauro Gianetti im Ziel der 16. Etappe am Eurosport-Mikrofon. Schönfärben ist vor TV-Kameras und gerade während einer dreiwöchigen Rundfahrt erlaubt, aber man muss klar konstatieren: Das stimmt nicht.
Die Probleme begannen am vorletzten Anstieg, dem anspruchsvollsten des Tages, nach Santa Barbara. Juan Ayuso, vor der Etappe Dritter des Gesamtklassements, verlor den Anschluss an die Favoritengruppe. Die Reporter auf den Begleitmotorrädern berichten von Wut- oder Frustrationsbekundungen des Spaniers, der mit dem Ziel antrat, diesen Giro zu gewinnen.
Bis ins Ziel verlor er satte 14:47 Minuten auf den Tagessieger Cristian Scaroni. Der Giro ist für den 22-Jährigen gelaufen. Eine Woche lang hielten die UAE-Verantwortlichen an der Doppelspitze mit Del Toro fest, bis zum Ruhetag vor dieser 16. Etappe, dem Auftakt einer knüppelharten Schlusswoche mit vier schweren Bergetappen.
Zum üblichen Ruhetag-Videocall des Teams erschienen diesmal drei Leute: Die Team-Verantwortlichen Fabio Baldato und Matxin Fernandez. Und Isaac Del Toro, der Mann in Rosa. Nicht dabei: Juan Ayuso. Auch wenn der Spanier nicht explizit degradiert wurde, sprachen Baldato und Matxin vom "Leader" im Singular und der Notwendigkeit, dass sich alle kompakt um ihn herum gruppieren.
Frust und Wut bei Ayuso
Ayuso ist ein selbstbewusster Mann mit Ambitionen. Schon bei der Tour de France im vergangenen Jahr musste er von Teamkollegen bei einer Bergetappe eingenordet werden, um seinen Job als Helfer zu erfüllen - für Tadej Pogacar, für den wohl fast jeder Fahrer der Welt ein Helfer wäre, sollte er das gleiche Trikot tragen.
"Ich habe noch nicht verstanden, was sein Problem war", wunderte sich Eurosport-Experte Bernhard Eisel im Velo Club. "Ist er enttäuscht von sich oder vom Team, weil keiner auf ihn wartet?".
Gianetti gab einen Erklärungsversuch im Interview ab: "Er hatte von Beginn an heute kein gutes Gefühl und hat aufgrund des kalten Wetters gelitten. Er hat viele Jacken gebraucht, musste die dann wieder ausziehen. Er hat dadurch Zeit und Energie verloren. Er hat sich nicht gut gefühlt und wir haben im Anstieg sofort gesehen, dass er den besten Fahrern nicht folgen konnte."
Und Del Toro? Um ihn gruppierte sich wie abgesprochen das gesamte Team, das aber auch nicht die Dominanz der vergangenen Tage zeigen konnte. "Das große Problem sind nicht nur Del Toro und Ayuso", sagte Eisel und deutete damit an, dass abgesehen von Rafal Majka und Adam Yates auch die Helfer nicht ihren besten Tag erwischten.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/05/27/image-c77c3d24-d024-452f-9f68-80f1ec6aac05-85-2560-1440.jpeg)
Del Toro: "Habe heute realisiert, was es heißt ein Leader zu sein"
Quelle: Eurosport
Kann sich Del Toro fangen?
So war Del Toro am Schlussanstieg alleine, als Richard Carapaz sechs Kilometer vor dem Ziel den Turbo zündete. Und zum ersten Mal bei diesem Giro hatte der Mexikaner keine Antwort parat. "Es war hart, Mann", sagte er im Ziel. "Heute habe ich gemerkt, was es bedeutet ein Leader zu sein."
Derek Gee, Michael Storer, Simon Yates, Egan Bernal, Damiano Caruso - sie alle ziehen nach Carapaz am Maglia Rosa vorbei. Die beste Nachricht aus UAE-Sicht ist, dass er seine Führung in der Gesamtwertung um 26 Sekunden gegenüber Yates und um 31 Sekunden gegenüber Carapaz verteidigen konnte.
Der 21-Jährige zeigte erstmals eine Schwäche, bis dahin hatte er auf alle Attacken der Gesamtwertungsfavoriten eine Antwort parat. Vielleicht waren die Anstrengungen und die Verpflichtungen des Mannes in Rosa zu viel für den Youngster? "Wenn es nur ein schlechter Tag war, dann hat er sich dafür den richtigen Tag ausgesucht", sagte Eisel. "Aber es sieht etwas so aus, als ob sich die Müdigkeit bei ihm langsam bemerkbar macht."
Wenn Del Toro auch in den nächsten Tagen Carapaz und Co. nicht folgen kann, dann wird UAE diesen Giro komplett verlieren und möglicherweise nicht auf dem Podium beenden. Ob die Verantwortlichen Ayuso mit dem Fokus auf seinen Teamkollegen einen mentalen Knacks beigebracht haben, ist reine Spekulation.
Die Zahlen und Fakten zeigen, dass aus dem Luxusproblem zweier Topleute im Gesamtklassement inzwischen ein Kampf gegen zahlreiche Anwärter geworden ist, die nach dem heutigen Tage das Messer zwischen den Zähnen tragen werden.
Das könnte Dich auch interessieren: Roglic muss Giro aufgeben - Neuer Sturz bringt Aus für Topstar
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/05/15/image-c510cef4-3d35-4dde-bbab-bbcd99b8a410-85-2560-1440.jpeg)
Giro-Strecke: Profil der 17. Etappe - Über den Mortirolo nach Bormio
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung