Giro d'Italia - Drei Dinge, die auf der 4. Etappe auffielen: Doppelte Befreiungsschläge für UAE-Duo und Lidl-Trek

Mit der Ankunft in Italien ist das Peloton beim Giro d'Italia endlich der Sonne begegnet. Die 4. Etappe in Kalabrien wartete aber auch mit dem ersten langen Anstieg auf. Selbst wenn vorher viele noch über einen Massensprint spekulierten, wurde schnell klar: Da waren nur noch bergfeste Fahrer gefragt. Am Ende jubelten die Teams UAE und Lidl, aber auch Visma überzeugte heimlich. Was uns auffiel.

Highlights: Sekundenkrimi um Rosa Trikot auf 4. Etappe

Quelle: Eurosport

Drei Tage nach dem schweren Massensturz auf Etappe zwei, der Adam Yates, Jay Vine und Marc Soler aus dem Rennen beförderte, hat das Überfliegerteam aus den Emiraten bereits das Blatt gewendet:
Etappensieg für Jhonatan Narvaez und ein starker Auftritt von Jan Christen in Cosenza.
Noch breiter als beim Landesmeister Ecuadors war das Grinsen am Dienstagabend aber im Gesicht eines Italieners: Giulio Ciccone erfüllte sich endlich seinen Kindheitstraum, schlüpfte ins Maglia Rosa und sorgte damit auch bei Lidl-Trek für deutlich bessere Stimmung als zuletzt.
Drei Dinge, die auf der 4. Etappe des Giro d'Italia auffielen:

1. Comeback-Duo glänzt: Narvaez jubelt dank Christen

Der ursprünglich geplante Kapitän, Joao Almeida, musste kurz vor Giro-Start absagen. Der aufgerückte Co-Leader, Adam Yates, stieg wegen seines Sturzes auf der 2. Etappe am Sonntagmorgen mit Anzeichen auf eine Gehirnerschütterung aus.
Und trotzdem ist UAE-Emirates-XRG pünktlich zur Ankunft des Rennens in Italien wieder obenauf: Die designierten Helfer des Überflieger-Rennstalls bekommen bei dieser Italien-Rundfahrt nun ihre Chancen, als Etappenjäger zu glänzen und tun das sofort.
"Natürlich ist der Sieg heute für unsere Teamkollegen, die auf der 2. Etappe gestürzt sind. Sie haben hart gearbeitet, kamen hierher, und dann passierte das …", dachte Narvaez nach seinem Sieg in Kalabrien sofort an Yates, Vine und Soler.
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Balsam für die UAE-Seele: Narváez sprintet zum Etappensieg

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Doch auch der Ecuadorianer selbst hat harte Monate hinter sich, nachdem er im Januar bei der Tour Down Under an einem Fahrbahnteiler schwer gestürzt war, sich mehrere Brustwirbel brach und seither bis zum Giro kein Rennen mehr bestritten hatte.
Und Narvaez war nicht der einzige Giro-Comebacker, der für UAE am Dienstag glänzte. Denn auch Jan Christen fährt bei der Italien-Rundfahrt sein erstes Rennen nach einer Verletzungspause. Der Schweizer brach sich bei Mailand-Sanremo am 21. März das Schlüsselbein und trägt jetzt beim Giro das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers.
Dabei beeindruckte er mit dem Gewinn des Red Bull-Zwischensprints und der damit verbundenen sechs Bonussekunden sowie auch mit einem mutigen Vorstoß 1,5 Kilometer vor dem Etappenziel. Der schien angesichts der noch sieben wartenden Kurven auf den letzten 1.500 Meter tatsächlich vielversprechend und wurde in gewisser Weise auch zum Schlüssel zum Sieg für Narvaez.
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Bengsch analysiert den Zielsprint: Narvaez mit Top-Position und Klasse

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Christen zwang die Movistar-Helfer des sprintstarken Orluis Aular und auch Matteo Sobrero für Ciccone in die harte Verfolgung, anstelle eines geordneten Sprint-Leadouts. Nachdem der Schweizer dann eingangs der 400 Meter langen Zielgeraden eingeholt war, stand Aular zu früh im Wind und Narvaez konnte aus dem Windschatten kommend vorbei zum Sieg sprinten.

2. Geduld zahlt sich aus: Ciccone in Rosa

Zum Auftakt in Bulgarien war das Rosa Trikot das große Ziel des deutschen Teams Lidl-Trek. Jonathan Milan sollte in Burgas zum Sieg sprinten und gleich auf der 1. Etappe das Führungstrikot überstreifen. Der Italiener aber wurde von Paul Magnier (Soudal-Quick-Step) geschlagen und musste dasselbe auch zwei Tage später auf Etappe drei in Sofia wieder über sich ergehen lassen. Der Bulgarien-Trip hat sich für die Lidl-Mannen nicht gelohnt.
Umso schöner wurde es dann am ersten Tag im Heimatland des "Corsa Rosa": "Ich habe vom Rosa Trikot geträumt, seit ich ein Kind war", strahlte Ciccone im Interview, nachdem er mit dem Gewinn von je vier Bonussekunden am Red-Bull-Sprint sowie im Etappenziel die Gesamtführung erobert hatte - 352 Tage nachdem er den Vorjahres-Giro nach einem Sturz hatte aufgeben müssen und bei seiner neunten Teilnahme insgesamt.  
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Ciccone im Rosa Trikot: "Dafür habe ich mit Radsport angefangen"

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"Ich freue mich wirklich für ihn, dass das heute wahr geworden ist", sagte Lidls Sportlicher Leiter Gregory Rast am Eurosport-Mikrofon und auch Derek Gee-West verriet: "Er hat den ganzen Morgen im Bus davon gesprochen! Das ist wirklich sehr speziell für uns!"
Am speziellsten aber war der Erfolg natürlich für Ciccone selbst. Denn auch wenn er vor sieben Jahren bereits für zwei Tage das wohl wichtigste Trikot des Radsports getragen hatte, das Gelbe bei der Tour de France, sagte er nun: "Klar: Gelb ist eines der schönsten Trikots der Welt und ich war wirklich jung. Das war etwas Besonderes. Aber das ist auch Rosa für mich", stellte er beides auf eine Stufe.
Die Frage ist: Wie geht es jetzt weiter für den Italiener? Eigentlich war er für die Jagd nach Etappensiegen und dem Bergtrikot zum Giro gereist, Derek Gee-West soll für Lidl-Trek auf Gesamtwertung fahren. Doch wenn ein Italiener erstmal Rosa trägt, wird er es wohl kaum in den kommenden Tagen freiwillig ausziehen und Rückstände einsammeln, um nochmal freie Fahrt für Fluchtgruppen zu bekommen.

3. Nur Visma kommt gut über ersten langen Berg

Vor dem Start blies Peloton, Reportern und Fans in Catanzaro starker Wind ins Gesicht. Die drohende Windkantengefahr in Kalabrien war Gesprächsthema Nummer eins und darüber hinaus wurde in sämtlichen Interviews spekuliert, ob es einen Massensprint geben könnte.
Am Ende aber wurde deutlich: 14 Kilometer Anstieg bei knapp sechs Prozent im Schnitt sind eben 14 Kilometer Anstieg bei knapp sechs Prozent im Schnitt. Der erste Kategorie-zwei-Berg der Rundfahrt zog den Sprintern schon in seinen steilen Anfangsmetern den Zahn und am Ende kamen nur gut 40 Mann über die Kuppe 43 Kilometer vor dem Ziel.
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Sprinter und Rosa Trikot abgehängt: Harter Anstieg sorgt für Selektion

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Movistar wollte die Chance nutzen, mit dem sehr endschnellen, aber eben auch kletterstarken Orluis Aular aus einem dezimierten Feld heraus zum Sieg zu sprinten. Geklappt hat das am Ende nicht ganz, aber das bedeutet gleichzeitig: Sie werden es auf ähnlich gelagerten Etappen wieder versuchen. Einfache Tage gibt es bei einer Grand Tour, sobald es irgendwo bergauf geht, eben einfach nicht.
Doch der Anstieg von Cozzo Tunno hat noch etwas ans Licht gebracht: Er offenbarte, welche Helfer stark genug sind, um an längeren Bergen bei ihren Kapitänen zu bleiben und somit das Rennen um die Gesamtwertung in den kommenden Wochen zu kontrollieren. Einen besonders guten Eindruck machte dabei Jonas Vingegaards Visma-Mannschaft, die zu fünft im ersten Feld blieb.
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Voigt-Analyse zur 4. Etappe: Stork jagt Sekunden in Süditalien

Quelle: Eurosport

Movistar und Red Bull-Bora-hansgrohe brachten jeweils immerhin noch vier Mann ganz vorne mit ins Ziel - je zwei davon die Kapitäns-Doppelspitzen Jai Hindley und Giulio Pellizzari beziehungsweise Enric Mas und Einer Rubio.
EF Education-EasyPost, Lidl-Trek, Netcompany-Ineos und Tudor schafften es noch zu dritt und alle anderen Mannschaften mit maximal zwei oder sogar nur einem oder gar keinem Fahrer. Bis auf Visma also hatte kein Team mehr als zwei Helfer noch an der Seite der GC-Leader.
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Giro-Strecke: Profil der 5. Etappe - hügeliges Teilstück in Süditalien

Quelle: Eurosport


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