Drei Dinge, die beim Giro auffielen: Narváez verpasst den Zug und hat's trotzdem im Griff - Trostpreis für Red Bull

Die 11. Etappe des Giro d'Italia ist zum Tag der Ausreißer geworden und beim ersten Blick auf die Ergebnisliste könnte man meinen: ein Tag zum Vernachlässigen, langweilige Überführungsetappe und wenig Action. Doch auf den 195 Kilometern von Porcari durch die Berge der Cinque Terre nach Chiavari wurden von Anfang bis Ende Vollgas gefahren. Drei Dinge, die beim dritten Narváez-Sieg auffielen.

Highlights 11. Etappe: Vollgas-Action wird zu Ausreißer-Gala

Quelle: Eurosport

Das UAE-Team fährt beim Giro nach dem Aus von Kapitän Adam Yates sowie Jay Vine und Marc Soler weiter von Sieg zu Sieg - Tageserfolg Nummer vier besorgte Jhonatan Narváez für seine Mannschaft am Mittwoch bereits, seinen persönlich dritten.
Dabei rang der Ecuadorianer am Ende im Duell der zwei stärksten Ausreißer des Tages den mutigen und kletterstarken Enric Mas (Movistar) nieder, der sich von seinen Gesamtwertungsambitionen längst verabschieden musste, dafür aber nun als Tagessiegkandidat für die Hochgebirgsetappen umso bessere Karten haben dürfte - das deutete er auf Etappe elf eindrucksvoll an.
Was dagegen zwischen Toskana und Ligurien ausblieb, war ein echter Kampf ums Rosa Trikot. Da haben einige Teams eine mögliche Chance verstreichen lassen.
Dafür gab es für eine den Tag mitprägende deutsche Mannschaft aber immerhin einen Trostpreis.
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Narváez siegt erneut: Ecuadorianer gewinnt im Sprint gegen Mas

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Drei Dinge, die auf der 10. Etappe auffielen:

1. Narváez hat alles unter Kontrolle

Für seinen dritten Etappensieg bei diesem Giro musste Jhonatan Narváez vor allem in der ersten Rennhälfte ganz schön kämpfen.
Das fünfköpfige UAE-Team verpasste in den ersten beiden Rennstunden die ersten beiden größeren Ausreißergruppen und hatte es schließlich vor allem Mikkel Bjerg sowie Lidl-Treks Max Walscheid zu verdanken, dass man rund um La Spezia überhaupt nochmal in den Kampf um den Tagessieg eingreifen konnte.
"Unser Ziel war von Anfang an, in die Gruppe zu kommen. Dann haben wir die erste verpasst und als die eingeholt war, haben wir auch die zweite Gruppe verpasst. Nach zwei sehr harten Stunden habe ich dann den Anschluss doch noch geschafft", fasste Narváez im Sieger-Interview zusammen.
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"Mentalitätsmonster": Experten-Analyse zu Narváez und Team UAE

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Von da an aber hatte der Ecuadorianer wirklich alles unter Kontrolle. Fast spielend leicht kreierte er aus dem Feld heraus eine Verfolgergruppe und schloss die letzte 30-Sekunden-Lücke zur Spitzengruppe schließlich innerhalb von weniger als zwei Kilometern allein.
Angesichts des Finales mit relativ kurzen, steilen Anstiegen und einer Zielgeraden für den Sprint einer kleineren Gruppe war die Etappe dem 29-jährigen Kraftpaket förmlich auf den Leib geschneidert.
Er war unter den letztlich 17 Spitzenreitern, die gemeinsam auf die letzten 70 Kilometer gingen und den Sieg unter sich ausmachen sollten, der klare Top-Favorit. Trotzdem arbeiteten alle munter weiter mit ihm zusammen. Wann immer ein Kontrahent attackierte, wartete Narváez cool ab, ob ein anderer für ihn die Lücke schließen würde. Und wenn das nicht geschah, dann tat er es mit einer kräftigen Beschleunigung eben selbst.
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Etappen-Analyse: Narvaez hatte alles unter Kontrolle - immer

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Einzig Mas, der vor dem Ecuadorianer ebenfalls bereits allein aus dem Feld nach vorne gefahren war und insgesamt bergauf beeindrucken konnte, stellte Narváez für eine etwas schwerere Aufgabe. Die aber löste er mit literarischer Hilfe.
"Er ist klar stärker als ich in den Anstiegen", gab er mit Blick auf Mas zu: "Ich habe mich dann aber an ein Buch erinnert, indem ich las: 'Man wird einen Michael Phelps (Rekordolympiasieger im Schwimmen, Anm. d. Red.) nie beim Laufen vorne sehen. Er hat seine Stärken im Pool.' Also habe ich versucht am Berg nur zu überleben und dann mein Spiel zu spielen." Im Sprint-Finale dann ließ er Mas keine Chance.
Übrigens: Mit seinen drei Etappensiegen ist Narváez auch weiterhin Zweiter der Punktewertung und liegt nun nur noch 20 Zähler hinter dem Maglia Ciclamino von Paul Magnier (Soudal Quick-Step). Vielleicht wird ja sogar das noch ein Thema für ihn?

2. Vollgas-Etappe lähmt Fight ums Klassement

Man hätte am Mittwochmorgen erwarten können, dass einige Kandidaten für die Top 5 der Gesamtwertung im schweren Etappenfinale attackieren würden, um ihre Kontrahenten auf den engen und winkligen Straßen der Cinque Terre unter Druck zu setzen und möglicherweise abzuhängen. Sicherlich war das auch der Plan gerade derer, denen derart technische Klassiker-Finals gut liegen.
Dazu aber kam es nicht. Die Top Ten der Gesamtwertung erreichten gemeinsam in einer 37-köpfigen Gruppe das Tagesziel, in der sie auch alle abwechselnd das Rennen kontrollierten und niemand auch nur zuckte. Ein Nichtangriffspakt? Wohl kaum!
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"Bärenstark und sehr fair": Aldag zieht den Hut vor Mas

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Viel mehr dürfte das hohe Anfangstempo der Etappe den Klassementfahrern die Lust genommen haben. Die ersten beiden Rennstunden mit rund 50 km/h im Schnitt und dann auch die abrupte Zerlegung des Feldes in den Anstiegen zur Rennmitte rund um La Spezia - als Narváez und Mas mit Lennert Van Eetvelt (Lotto-Intermarché) aber auch Fahrer wie Warren Barguil (Picnic-PostNL) oder Giulio Ciccone (Lidl-Trek) unbedingt mit der Brechstange nach vorne zur Spitzengruppe gelangen wollten - setzte allen zu.
"Ich denke, dass dann jeder im Peloton mit der Situation irgendwann zufrieden war und danach defensiv fahren wollte", meinte Top-Favorit Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) am Eurosport-Mikrofon. Der Däne selbst musste am Mittwoch wenig tun, er liegt im Klassement komfortabel auf Rang zwei.

3. Trostpreis für Red Bull

Während Lidl-Trek in der ersten Rennhälfte alles tat, um mit Giulio Ciccone um den Tagessieg kämpfen zu können - der Italiener saß auch in der ersten Spitzengruppe des Tages, die nach rund 40 Kilometern aber wieder eingeholt wurde, und verpasste dann den Abgang der zweiten Gruppe - war es letztlich das andere deutsche Team, das den Tag erfolgreicher gestaltete: Red Bull-Bora-hansgrohe.
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Siegchance adé: Van Eetvelt, Scaroni und Zana stürzen aus Spitzengruppe

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Die Raublinger Mannschaft brachte mit Nico Denz und Aleksandr Vlasov gleich zwei Mann in die zwölfköpfige Gruppe, die sich vor La Spezia absetzte und später noch Zuwachs von hinten bekam.
"Es war der Plan, Aleks in der Fluchtgruppe zu haben und dass ich ihm dabei helfe. Das hat so weit erstmal gut funktioniert", sagte Denz im Ziel halbwegs zufrieden. Für ihn wurde es in den Bergen dann aber zu hart und er fiel zurück. Der Deutsche konnte im Feld noch eine Weile den Leadern Jai Hindley und Giulio Pellizzari helfen und kam schließlich mit 19 Minuten Rückstand ins Ziel.
Vlasov hielt sich bis zur letzten Steigung ganz vorne an der Spitze, konnte aber Mas und Narváez nicht folgen. Er wurde Etappenfünfter.
Immerhin: Red Bull bekam einen Trostpreis. Weil Vlasov etwas über drei Minuten vor dem Favoritenfeld ins Ziel kam, nahm das Team des Sportlichen Leiters Christian Pömer dem Visma-Rennstall die Führung in der Mannschaftswertung ab.
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Giro-Strecke: Profil der 11. Etappe - eine Chance für die Ausreißer

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