Giro d'Italia - Drei Dinge, die auffielen: Visma leidet für Jonas Vingegaard und der Kampf ums Podium nimmt Formen an

Die erste Alpen-Etappe des 109. Giro d'Italia hat genau das gebracht, was alle erwarteten: einen dominanten Auftritt von Jonas Vingegaard und dessen Fahrt ins Rosa Trikot. Den Grundstein dafür legte sein sich bis zur Schmerzgrenze für ihn aufopferndes Visma-Team. Während der Sieg des Dänen erwartbar war, gab es dahinter in Sachen Gesamtwertung neue Erkenntnisse. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Vingegaard lässt in den Alpen die Muskeln spielen

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Jonas Vingegaard ist bergauf bei dieser Italien-Rundfahrt nicht zu schlagen. Auch die dritte Bergankunft entschied der Däne für sich.
Doch hinter dem Visma-Kapitän und Top-Favoriten scheint sich ein Vierkampf um die weiteren Podestplätze zuzuspitzen.
Außerdem ist auf der 14. Etappe im Aostatal noch ein Duell entstanden: Jhonatan Narváez nimmt es endgültig mit Sprinter Paul Magnier auf und will ihm das Maglia Ciclamino streitig machen.
Drei Dinge, die auf Etappe 14 auffielen:
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"Der weint ja fast": Rex leidet für Vingegaard und Visma

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1. Visma leidet für Vingegaard

Ein Sieg mit Ansage war das von Jonas Vingegaard in Pila. Nach der 13. Etappe am Lago Maggiore sagte der Däne, das folgende Teilstück durchs Aostatal sei "eine dieser auserwählten Etappen", die er und sein Rennstall sich vor dem Giro als besonders wichtig angestrichen hatten.
Entsprechend dominant traten die Visma-Mannen dann auch auf. Zwar ließ man im ersten der fünf kategorisierten Anstiege direkt nach dem Start eine relativ große Spitzengruppe ziehen. Doch das Pacing der Männer in Gelb war genau durchgetaktet, Vingegaards Teamkollegen leisteten mit voller Hingabe bis zur völligen Gesichtsentgleisung - siehe Tim Rex - ihre Führungsarbeit und die Ausreißer hatten kaum eine Chance.
"Unser Schicksal stand vorher schon fest", gestand Ausreißer Giulio Ciccone (Lidl-Trek) im Ziel und auch Red Bulls sportlicher Leiter Christian Pömer meinte am Eurosport-Mikrofon: "Wir wollten den Etappensieg und deshalb war Aleks (Vlasov) in der Spitzengruppe. Aber Visma hat das heute nicht zugelassen."
Nach 14 Etappen hat Vingegaard nun alle drei Bergankünfte erobert und liegt in der Gesamtwertung 2:26 Minuten vor seinem ersten Verfolger. Der Däne hat den Giro, wie von den Experten schon im Vorfeld erwartet, voll im Griff.
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Die Frage scheint nur zu sein: Dominiert er das Rennen bis zum Schluss durch, wie Tadej Pogacar es 2024 mit sechs Etappensiegen und am Ende fast zehn Minuten Vorsprung tat. Oder schaltet Vingegaard eher in den Verwaltungsmodus, ist zufrieden mit seinem Vorsprung und spart Energie mit dem Blick bereits voraus in den Juli auf die Tour de France?
Die 14. Etappe im Aostatal hat gezeigt: Sein Team ist bei diesem Giro ähnlich souverän wie er selbst und könnte sicherlich die Schlusswoche von vorne kontrollieren und alle Angriffe abwehren - zumal sich seine Helfer wie Ex-Vueltasieger Sepp Kuss und vor allem der beeindruckend starke Davide Piganzoli, auch das hat Etappe 14 mit dem vierten Platz des Italieners gezeigt, mit Vingegaards Konkurrenz messen können.
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2. Kampf ums Podium nimmt Formen an

Im Einzelzeitfahren von Massa am Dienstag waren die Kandidaten für die Podestplätze hinter Vingegaard eng zusammengerückt: Lediglich 1:39 lagen da zwischen Thymen Arensman (Netcompany-Ineos) auf Gesamtrang drei und Giulio Pellizzari (Red Bull-Bora-hansgrohe) auf neun.
Vier Tage und eine Bergankunft später sind es zwischen Felix Gall (Decathlon-CMA CGM) und dem nun Neunten Derek Gee-West (Lidl-Trek) knapp drei Minuten und unter diesen Kandidaten hat sich die Hackordnung weiter verfestigt:
Gee-West und Ben O'Connor (Jayco-Alula) büßten in Pila anderthalb bis sogar zwei Minuten auf ihre direkten Gegner ein und dürften mit dem Podium in Rom nichts mehr zu tun haben. Und auch der bisher in Rosa fahrende Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) rutschte in der Gesamtwertung zwar nur um einen Platz ab, kam aber im Bereich von O'Connor ins Ziel. Michael Storer (Tudor) scheint zwar stärker als dieses Trio, aber auch klar schwächer als Gall, Arensman, Hindley und Pellizzari.
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Der realistische Kandidatenkreis für die zwei Podestplätze neben Vingegaard, wenn man den für gesetzt hält, hat sich also von neun auf vier Mann verkleinert. Oder höchstens auf fünf, wenn der nun auf Gesamtrang zehn liegende Visma-Edelhelfer Piganzoli so weiterklettert - am Berg und im Klassement.
Den zweitstärksten Eindruck machte in Pila, wie schon bei den ersten beiden Bergankünften, der Salzburger Gall. Doch im Gegensatz zu den Etappen zum Blockhaus und nach Corno alle Scale war die Konkurrenz diesmal deutlich näher an Gall dran, als der an Vingegaard. Das war im Süden Italiens noch andersherum.
Vor allem das Red-Bull-Duo Hindley und Giulio Pellizzari hat sich nach krankheitsbedingt schwierigeren Tagen rehabilitiert. Hindley kam nur neun, Pellizzari mit Piganzoli 14 Sekunden nach Gall im Etappenziel an. Beide ließen dabei den Niederländer Arensman deutlich hinter sich und dürften daraus Motivation gezogen haben, ihn in den kommenden Tagen zu attackieren.
Denn Red Bulls großes Ziel ist das Podium, und dafür muss Hindley noch 40 Sekunden oder Pellizzari 1:19 Minuten auf Arensman herausholen.
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3. Narváez will das Ciclamino wirklich

Die Etappe in Pila hat Jhonatan Narváez (UAE-Emirates-XRG) nicht gewonnen, doch der Ecuadorianische Meister hatte am Samstagabend trotzdem Grund zum Strahlen:
Weil er am Anfang der Etappe Kraft investiert hatte und es in die Ausreißergruppe des Tages schaffte, konnte er unterwegs am Zwischensprint Punkte sammeln und hat sich so an die Spitze der Punktewertung gesetzt. Mit 131 Zählern liegt er nun genau einen vor dem Sprinter Paul Magnier (Soudal-Quick-Step) und nahm dem Franzosen das Maglia Ciclamino ab.
Spätestens nach Narváez drittem Tageserfolg in Chiavari am Mittwoch hatten die Spekulationen begonnen, ob er den Sprint-Spezialisten "ihr Trikot" streitig machen könnte. Nun hat der 29-Jährige den Kampf ganz offiziell angenommen. Doch wie realistisch ist es, dass Narváez auch in Rom das Leibchen in der Farbe trägt, die seiner Frau so gut gefalle, wie er zuletzt im Interview sagte?
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Jhonatan Narváez strahlt im Maglia Ciclamino

Fotocredit: Getty Images

Am Sonntag in Mailand und am Schlusstag in Rom dürfte es zu Massensprints kommen, bei denen Narváez viel Boden verliert. 50 Punkte gibt es dort für den Sieger, 35 für den Zweiten, 25 für den Dritten, dann 18, 14, 12, und so weiter bis Platz 15. Auf den Bergetappen 16, 19 und 20 gibt es nur 15 Zähler für den Etappensieger, doch dort dürften Magnier wie Narváez beide leer ausgehen.
Allerdings könnte Narváez da mit der Taktik vom Aosta-Tal in die Spitzengruppen springen und zwölf Zähler an den Zwischensprints mitnehmen. Dazu kommt Etappe 17 am Mittwoch noch Andalo, die ihm sogar in Sachen Tagessieg aus der Spitzengruppe wieder liegen könnte, für den es dort 25 Punkte gibt - plus eben die zwölf vom Zwischensprint auch dort.
Das Zünglein an der Waage könnte daher das 18. Teilstück nach Pieve di Soligo werden. Dort könnte es auf den ersten Blick zwar sogar einen Massensprint geben und es winken dementsprechend sogar 50 Punkte. Doch die berüchtigte Muro Ca'Del Poggio mit einer Länge von gut einem Kilometer bei durchschnittlich elf Prozent könnte den Sprintern dort zehn Kilometer vor dem Ziel den Stecker ziehen und Narváez als Abschussrampe in Richtung Ciclamino dienen.
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Giro-Strecke: Profil der 15. Etappe - komplett flach nach Mailand

Quelle: Eurosport


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