Vuelta 2026: Kampf um Rot, Visma-Dominanz und noch mehr Hitze - drei Brennpunkte für die Schlusswoche in Spanien
Von Jan Zesewitz
Update 07/09/2026 um 11:29 GMT+2 Uhr
Die Vuelta a España biegt in Andalusien auf die Zielgeraden ein. Die letzten sechs Teilstücke versprechen ein offenes Rennen um den Gesamtsieg, die Fortführung der Dominanz von Visma-Lease a Bike außerhalb des Hochgebirges - und mehr Hitze. Über zwei Flachetappen, zwei Bergankünfte, ein Einzelzeitfahren und ein kompliziertes Finale in Granada werden alle offenen Fragen entschieden.
Highlights: Van Aert mittendrin - Ausreißersprint entscheidet Etappe
Quelle: Eurosport
Wann war eine Grand Tour am zweiten Ruhetag zuletzt in Sachen Gesamtwertung so offen wie diese Spanien-Rundfahrt? Es war das letzte Mal als weder Tadej Pogacar noch Jonas Vingegaard am Start standen - beim Giro d'Italia 2025.
Dort lieferte die Königsetappe auf dem vorletzten Teilstück Spektakel, Spannung - und mit Simon Yates einen überraschenden Sieger. Die Zutaten für ein ähnlich mitreißendes Finale sind auch für die Vuelta bereitet.
Das Ausscheiden von Tadej Pogacar war eine bittere Laune des Schicksals und beraubte die Rundfahrt ihres klaren Dominators und ihrer größten Attraktion - das Rennen ist dafür seit der 8. Etappe rein sportlich sehr viel offener.
Der Einzige, der die Spannung bis zum Schlusstag ruinieren könnte, wäre wohl Enric Mas. Der Movistar-Kapitän hat seit seiner "geerbten" Übernahme des Roten Trikots einen Extra-Gang gefunden und hält seine Konkurrenten um Primoz Roglic, Felix Gall und Co. in Schach.
"Nicht alles ist so gelaufen, wie wir es seit Sonntag gewollt haben, aber fast alles hatten wir unter Kontrolle", sagte Mas nach der Etappe vor dem Ruhetag in Córdoba. "Ich bin zufrieden."
Mas hat alles unter Kontrolle - aber das Zeitfahren wartet
Es ist gar nicht so klar, was er meinen könnte. Sein Movistar-Team bringt nicht die absolute Bergpower mit wie UAE Emirates, ein Visma-Team in Bestbesetzung, oder - bei dieser Vuelta - Decathlon um Felix Gall. Aber der Mann in Rot selbst geriet in der zweiten Woche bei keiner Gelegenheit in Schwierigkeiten, parierte alle Attacken und baute seinen Vorsprung sukzessive aus.
Bei Red Bull-Bora-hansgrohe um Primoz Roglic, der um seinen fünften Gesamtsieg kämpft, schwindet langsam die Hoffnung, dass der Spanier noch vom Spitzenplatz verdrängt werden kann.
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Brennan: "Würde mich nicht wundern, wenn einige einen Hitzschlag bekommen"
Quelle: Eurosport
Sicher ist, dass nach zwei Flachetappen in Andalusien das 32 Kilometer lange Einzelzeitfahren die Gesamtwertung noch einmal stark verändern kann. Auf dem Papier liegt hier der Vorteil klar bei Roglic - das würde für zusätzliche Spannung auf den schweren Bergetappen, die dem Zeitfahren folgen sorgen.
Die Königsetappe ist wohl die 20. Etappe. Dort warten auf 187 Kilometern knapp 5000 Höhenmeter und fünf Bergwertungen auf die Fahrer, darunter der steile Schlussanstieg zum Collado del Alguacil. Dort, auf 1900 Metern über dem Meer, dürfte der Sieger der Vuelta 2026 feststehen.
Setzt sich die Visma-Dominanz fort?
Vor dem Zeitfahren stehen noch zwei Flachetappen an - selten bei dieser Edition. Diese und auch das Schlussteilstück nach Granada über die Alhambra dürfte sich das Team Visma-Lease a Bike dick im Kalender angestrichen haben.
Die Equipe gewann bisher fünf Etappen - drei durch Matthew Brennan und zwei durch Wout van Aert. "Ich denke, die Jungs sind bereit", sagte Brennan im Eurosport-Interview nach der 15. Etappe, die van Aert gewann. "Wir haben ein Drittel der Etappen bis hierhin gewonnen, warum nicht mehr. Warum sollten wir nicht sechs oder sieben Etappen gewinnen? Ah, das wird jetzt bestimmt jemand herausschneiden... Wir werden sehen, was wir tun können."
Das Selbstbewusstsein ist nach den bisherigen Auftritten gerechtfertigt. Auch die Stärke des Visma-Teams wird eine Sache aber nicht beeinflussen können: das Wetter. Auch dazu äußerte sich Brennan drastisch, nach einer Etappe, bei der nach seinen Angaben auf seinem Fahrradcomputer im Durchschnitt (!) 41 Grad angezeigt wurden.
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Ein Thermometer während der 15. Etappe der Vuelta
Fotocredit: Getty Images
Hitze begleitet Fahrer bis zum Finale
"Es würde mich nicht überraschen, wenn einige heute Abend mit dem Krankenwagen abgeholt werden und einen Hitzschlag haben", sagte der 21-jährige Brite. Die 15. Etappe wurde wegen der Hitze schon um 80 Kilometer verkürzt, die Jury erlaubt Ausnahmeregelungen für die Getränkeversorgung - die Belastung ist dennoch hoch.
"Zum ersten Mal in meinem Leben hat der Sportliche Leiter im Bus vor der Etappe zu uns gesagt, dass wir einfach nichts tun sollen", sagte der Fünfte der Gesamtwertung, Oscar Onley. "Für die Gesundheit wäre es nicht gut, bei dieser Hitze Vollgas zu fahren."
Joao Almeida vom Team UAE wies auch auf die Gefahren hin: "Wir erreichen die Grenzen des menschlichen Körpers", sagte er gegenüber "Cyclingnews". "Das ist ein wenig gefährlich."
Auch in der kommenden Woche wird es heiß in Südspanien - auch wenn Temperaturen von mehr als 40 Grad wohl nicht mehr erreicht werden. Angesichts der vielen Wertungen und Möglichkeiten, die noch auf dem Spiel stehen, werden die Fahrer auf Vollgasetappen eher nicht verzichten.
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Zweiter Etappensieg für van Aert! Belgier gewinnt Ausreißersprint
Quelle: Eurosport
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