Drei Dinge, die beim Giro d'Italia auffielen: Ciccone mit Wut, aber ohne Fortune - Visma-Masterclass auf Königsetappe
VonJan Zesewitz
Update 29/05/2026 um 20:43 GMT+2 Uhr
Giulio Ciccone (Lidl-Trek) bleibt der Unglücksrabe bei diesem Giro d'Italia. Auch auf der Königsetappe durch die Dolomiten blieb dem Italiener der ersehnte Tagessieg bei seiner Heimrundfahrt verwehrt. Zum dritten Mal wurde er wenige Kilometer vor dem Ziel gestellt. Der Trost: die Übernahme des Bergtrikots. Derweil liefert Visma-Lease a Bike die nächste Masterclass ab. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Edelhelfer jubelt auf Königsetappe in den Dolomiten
Quelle: Eurosport
Wieder einmal war Ciccone einer der aktivsten Fahrer der Etappe. Auch tief in der dritten Woche, auf der 19. Etappe, lieferte der Italiener eine Show, sammelte Bergpunkte, aktivierte das Rennen, probierte sich als Solist - und wurde doch zwei Kilometer vor dem Ziel vom Etappensieger Sepp Kuss (Visma-Lease a Bike) gestellt.
Wie schon in Corno alle Scale am Ende der 9. Etappe und in Pila im Aosta-Tal (14. Etappe) rauschte kurz vor dem Ziel ein Visma-Fahrer an Ciccone vorbei. Diesmal war es nicht Vingegaard, sondern Kuss, der sich den Traum eines Etappensiegs bei allen drei Grand Tours erfüllte.
Ein Sieg, den Visma perfekt vorbereitet hatte und den der dänische Gesamtführende seinem langjährigen Adjutanten von Herzen gönnte.
Das Maglia Rosa konnte sich die Scharmützel seiner Rivalen, die um die Plätze hinter ihm auf dem Podium kämpfen, von einer bequemen Position aus betrachten. Besonders Red Bull-Bora-hansgrohe tat sich in diesem Kampf hervor.
Drei Dinge, die auf der Königsetappe des Giro d'Italia auffielen.
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Vismas Plan geht auf: Kuss triumphiert auf Königsetappe
Quelle: Eurosport
1. Ciccone attackiert mit Wut im Bauch - und muss sich mit Trostpreis abfinden
Giulio Ciccone war sauer. Über die ersten vier Bergwertungen fuhr der Italiener als Erster, sammelte jede Menge Punkte für das Maglia Azzurra, das er nur in Vertretung des Gesamtführenden Vingegaards trug. Vor der fünften Bergwertung, dem Passo Falzarego, fuhr sein Fluchtkollege Einer Rubio (Movistar) noch an ihm vorbei.
Zuvor fühlte sich Rubio am Red-Bull-Kilometer übergangen, dort sicherten sich andere die Punkte und die Bonifikationen. Dem Spanier zufolge habe sich Ciccone dort nicht an Absprachen gehalten - der Sprint für den Movistar-Profi, die Bergwertung für den Italiener. Dieser hielt sich für das Missverständnis aber unverantwortlich und ließ den Spanier dessen"kleinliches" Verhalten mit einer Schimpftirade und italienischen Gesten spüren.
"Am Bergpreis habe ich einen Fehler gemacht: Ich habe ihm vertraut und er hat sich da ziemlich unfair verhalten", machte Ciccone am Eurosport-Mikrofon seinem Ärger gegenüber Rubio Luft: "In der Abfahrt habe ich alles gegeben, weil das ein Terrain war, auf dem wir viel Zeit gutmachen konnten. Sagen wir so: Mein Zorn hat mir vielleicht etwas mehr Kampfgeist gegeben, um manche Kurven etwas riskanter zu fahren."
Eine Attacke mit Wut im Bauch - für Ciccone ein Symbol für seinen gesamten Giro. Klar, er trug einen Tag lang das Rosa Trikot des Gesamtführenden. Dieser war aber geprägt von Kälte, Nässe und Hagel und Ciccone musste das Maglia Rosa gleich wieder abgeben.
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Aldag analysiert Beef zwischen Ciccone und Rubio: "Payback-Time"
Quelle: Eurosport
Daraufhin verlegte sich der Italiener auf die Etappenjagd - und war mehrfach nah dran. Doch auch auf der Königsetappe wurde es nichts, trotz seiner wütenden Attacke in der Abfahrt des Falzarego-Passes.
Lidl-Trek steht nun nach 19 Etappen noch immer ohne Etappensieg da. In Alleghe wurden Derek Gee-West und Ciccone Zweiter und Dritter. Es scheint wie verhext zu sein für die deutsche Equipe.
Ein "Trostpreis" ist das Bergtrikot, das sich der Italiener am Freitag nun wirklich erhamsterte. "Ich habe unglaublich viel für das Trikot investiert, um die Punkte zu holen. Ich musste so fahren, es war die einzige Lösung, die ich hatte", erklärte Ciccone.
Mit 57 Punkten Vorsprung auf Vingegaard sieht es fü den 31-Jährigen gut aus, das Trikot auch am Samstag über die letzte schwere Etappe um Piancavallo zu verteidigen, selbst wenn der Däne diese Etappe auch noch gewinnt.
2. Visma liefert Masterclass mit Ansage
Auf der Königsetappe entschied sich Vingegaard nämlich gegen den Tagessieg. Es klingt despektierlich, aber Visma-Lease a Bike und der Kapitän des Teams können den Verlauf der Etappen beim Giro anscheinend nach Belieben bestimmen.
Der Däne wollte die ersten vier Bergankünfte gewinnen und er gewann diese Etappen praktisch spielerisch. In den Dolomiten wünschte er sich vor dem Start, dass Sepp Kuss die Etappe gewinnen solle - und der US-Amerikaner gewann.
Die Schwarz-Gelben kontrollierten die große und prominent besetzte Spitzengruppe, rückten aber nie so nah heran, dass die Ausreißer eingeholt wurden. Kuss musste "nur" mitfahren, während sich seine Fluchtkollegen im Kampf um Bergpunkte und Zeit in der Gesamtwertung zermürbten. Am kurzen, aber harten Schlussanstieg schlug dann die Stunde des Edelhelfers.
Kuss fuhr souverän am kämpfenden Ciccone vorbei und vollendete die Grand-Tour-Trilogie. Dahinter konzentrierte sich Vingegaard darauf, Felix Gall und Co. zu kontrollieren. Mehr musste der Topfavorit, der letztlich als Fünfter ins Ziel kam, nicht investieren.
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Vingegaard wünscht Teamkollegen Etappensieg: "Wäre perfekt"
Quelle: Eurosport
Der zweite Wunsch von Vingegaard ging indes nicht auf: Davide Piganzoli übernahm nicht das Weiße Trikot des besten Jungprofis. Allerdings verkürzte der Italiener den Abstand auf Afonso Eulálio auf 1:03 Minute. Trotzdem: Ein paar Unwägbarkeiten gibt es wohl auch für das niederländische Superteam.
3. Red Bull zeigt perfektes Teamwork und träumt vom Podium
Die Achterbahnfahrt von Red Bull-Bora-hansgrohe bei diesem Giro geht weiter. Und sie bergauf oder bergab führt, scheint vor allem von Giulio Pellizzari abzuhängen. Nach der ersten Bergankunft sag der junge Italiener wie ein Podiumskandidat aus. Auf der zweiten in Corno alle Scale fiel er zurück und auch Co-Kapitän Jai Hindley war nicht in Topform.
Im Aosta-Tal brachten sich beide wieder in Position, bevor Pellizzari auf dem Weg nach Cari zur vierten Bergankunft spektakulär einbrach. Hindley hielt die Stellung und sich in der Gesamtwertung in Podiumsnähe.
Ein couragierter Auftritt auch von Helfern wie Ben Zwiehoff wendete das Blatt nun wieder zugunsten der deutschen Equipe. Die Fahrer um Hindley sorgten am Freitag für ein hohes Tempo an den langen Anstiegen, in der Spitzengruppe wartete Pellizzari auf seine Chance.
Als Rivale Thymen Arensman (Netcompany-Ineos) in Schwierigkeiten geriet, war der Youngster für Hindley da. Gemeinsam vergrößerten sie den Abstand auf den Niederländer. Hindley kam als Sechster ins Ziel, der am Schluss erschöpfte Pellizzari belegte Platz 15. Der Red-Bull-Kapitän liegt damit vor der letzten Bergetappe nach Piancavallo auf dem erhofften dritten Platz in der Gesamtwertung - "nur" 1:01 Minute hinter Felix Gall (Decathlon-CMA-CGM).
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Vingegaard adelt Kuss: "War bei jedem meiner Grand-Tour-Siege dabei"
Quelle: Eurosport
"Es war ein harter Tag mit wirklich epischen Anstiegen", sagte Hindley im Ziel am Eurosport-Mikrofon: "Ich bin wirklich stolz auf die Jungs, wie sie heute gefahren sind. Es war auch ein verrückter Tag auf taktischer Ebene mit den ganzen Favoriten in der Ausreißergruppe. Unser Plan war es, Giulio in der Gruppe zu haben. Entweder für den Etappensieg oder um mir irgendwann helfen zu können. Vielen Dank an ihn, aber auch wie wir insgesamt heute gefahren sind."
Der Plan ging - vorerst - auf. Im Team des Raublinger Rennstalls hofft man darauf, dass auf einen erfolgreichen Tag nicht wieder ein ernüchternder folgt, und Hindley seinen Vorsprung von 29 Sekunden auf Arensman auch am letzten schweren Tag des Giros verteidigen kann.
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Gall über Vingegaard: "Mit den Gedanken schon bei der Tour"
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