Lombardei-Rundfahrt: Evenepoel stürzt von einer Brücke
Remco Evenepoel (Deceuninck - Quick-Step) hat sich bei der Lombardei-Rundfahrt bei einem fürchterlichen Sturz von einer Brücke einen Beckenbruch und eine Lungenkontusion zugezogen. Das teilte das Team des 20 Jahre alten Belgiers mit. Evenepoel war in der Abfahrt von der Muro di Sormano nach einer scharfen Linkskurve mit einem Salto über die Mauer in den darunterliegenden Wald geflogen.
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Ein schwerer Sturz des belgischen Radsport-Supertalents Remco Evenepoel hat die 114. Lombardei-Rundfahrt überschattet. Der 20-Jährige vom Team Deceuninck-Quick Step kam bei einer Abfahrt rund 40 Kilometer vor dem Ziel von der Strecke ab und stürzte eine Brücke hinunter.
Er wurde auf einer Trage und mit einer Halskrause vom medizinischen Team geborgen und in ein Krankenhaus in Como für weitere Untersuchungen gebracht, laut seinem Team war er bei Bewusstsein.
Evenepoel habe multiple Verletzungen davongetragen, meldete Quick Step am Samstagabend. Röntgenaufnahmen hätten eine Fraktur des Beckens und eine Lungenquetschung ergeben. Mit diesen Verletzungen werde Evenepoel in nächster Zeit erstmal keine Rennen mehr fahren können, so das Team. Der Belgier werde eine Nacht im Krankenhaus zur Beobachtung bleiben und am Sonntag die Heimreise antreten.
Lefevere nach Evenepoel-Sturz: "Bin froh, dass er noch lebt"
"Ich bin froh, dass er noch lebt", sagte Deceuninck-Quick-Step-Teammanager Patrick Lefevere nach der Diagnose zu "Het Nieuwsblad": "Ich habe ihn gesehen, aber vor allem wollte er seine Eltern und seine Teamkollegen beruhigen."
Zum weiteren Saisonverlauf seines Schützlings sagte Lefevere: "Was mit seiner Saison passiert? Das ist mir egal, wirklich egal." Er ergänzte: "Er wird in dieser Saison sehr viel TV schauen müssen. Er sagte zu mir 'Entschuldigung'. Ich sagte ihm 'Du bist noch am Leben. Halt den Mund!'"
Über die Abfahrt von der Muro di Sormano, die zu den technisch anspruchsvollsten im Rennkalender gilt, sagte der 65-Jährige: "Ein bisschen weiter und die Sache hätte richtig noch mehr schief gehen können. Ich habe der UCI und den Organisatoren wiederholt gesagt, dass solche Abfahrten nicht vertretbar sind, aber nichts ändert sich. Ich will darüber schon gar nicht mehr sprechen."
Den Sieg beim zweiten Radsport-Monument der Saison sicherte sich der Däne Jakob Fuglsang (Astana). Auch der deutsche Radprofi Maximilian Schachmann vom Team Bora-hansgrohe stürzte kurz vor dem Ziel, weil er mit einem Privatwagen kollidierte, welcher unbefugt die Strecke kreuzte. Er konnte weiterfahren und belegte mit 4:31 Minuten Rückstand als bester Deutscher den siebten Rang.
Zweiter schwerer Sturz eines Quick-Step-Fahrers
Evenepoel galt nach einem bisher starken Jahr 2020 als Mitfavorit auf den Sieg bei einem der fünf Radsport-Monumente und war zum Zeitpunkt des Sturzes Teil der Führungsgruppe, ehe er in einer Abfahrt zu weit nach außen getragen wurde und über die Mauer ging.
Für Deceuninck-Quick-Step ist es der zweite schwere Sturz innerhalb von zehn Tagen. Der Niederländer Fabio Jakobsen (23) war am 5. August bei der Polen-Rundfahrt kurz vor der Ziellinie von Dylan Groenewegen (Lotto-Soudal) ins Absperrgitter gedrückt worden. Gleich nach dem Unfall wurde er ohne Bewusstsein in die Klinik nach Sosnowiec geflogen, mittlerweile ist er aus dem künstlichen Koma erwacht und in die Niederlande zurückgekehrt.
Patrick Lefevere erklärte: "Derb ausgedrückt, hätten wir innerhalb einer Woche mit Remco und Fabio zwei Tote haben können. Du kannst dir denken, dass Rennen fahren und Gewinnen wichtig ist. Aber wenn du deine Fahrer in eine Bande oder eine Schlucht fliegen siehst, denkst du da nicht mehr dran. Dann ist es purer Unsinn."
Teamkollege Evenepoel hatte die Polen-Rundfahrt für sich entschieden. Er gilt in Belgien als größtes Nachwuchsjuwel und als Nachfolger von Radsport-Legende Eddy Merckx.
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