Mailand - Sanremo: John Degenkolb träumt vom erneuten Sieg

In Sanremo stürmte John Degenkolb 2015 zu seinem ersten Sieg bei einem Radsport-Monument und legte den Grundstein zu einer grandiosen Klassiker-Saison. Jetzt kehrt der 28-Jährige zur "Classicissima" zurück, nachdem er die Frühjahrsrennen im letzten Jahr nach einem schrecklichen Trainingsunfall in Spanien verpasste. An Motivation fehlt es Degenkolb nicht - und auch nicht an klaren Worten zu Doping.

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Neues Team, aber die alten Ziele - und die alten Überzeugungen.
Für John Degenkolb markiert Mailand - Sanremo endgültig den sportlichen Neustart. Vor zwei Jahren sprintete er dort für Giant zum Triumph im längsten Rennen des Jahres, doch zwölf Monate später konnte er nicht zur Titelverteidigung antreten. Ein fürchterlicher Unfall im Trainingslager kostete ihn und seine Teamkollegen die halbe Saison.
Jetzt brennt er im Trek-Trikot auf sportliche Revanche:
"Klar, ich habe Mailand - Sanremo schon gewonnen, aber ich werde der motivierteste Kerl am Start sein", betonte Degenkolb im Interview mit der französischen Tageszeitung Le Monde:
Zur Vorbereitung hat er sich vor seinem insgesamt fünften Start bei "MIlano - Sanremo" immer wieder das Video seines Sieges angesehen, als "Extrakick", wie er dem SID verriet, um die nächste "Kante im Kerbholz" hinzuzufügen.
Dabei ist Degenkolb klar, dass die Chancen auf den Sieg in Sanremo je nach Wetterlage geringer sind als bei den anderen Radsport-Monumenten Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix, wie er "Le Monde" erklärte:
Seine Analyse: "Flandern ist ohne Zweifel die schwierigste Herausforderung, aber ich kann dort ein Wort mitreden, wenn ich in Topform bin. In Roubaix habe ich zweifellos die besten Siegchancen. Und bei Sanremo hängt alles vom Wetter ab: Je wärmer es ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines Massensprints und damit umso geringer meine Chancen."
Der Unfall und dessen körperliche wie seelische Folgen behindern Degenkolb nicht mehr, auch wenn er viel verändert hat.
Degenkolb ist nicht nur durch seine Erfolge bei den Klassikern oder der Spanien-Rundfahrt zu einem Aushängeschild seines Sports geworden, sondern auch wegen seiner klaren Positionen beim Thema Doping. Die Szene wird weiter fast pausenlos von Affären geschüttelt und noch immer sprechen nicht wenige Profis den Themenkomplex ungern an oder handeln ihn mit Floskeln ab. Das war bei Degenkolb schon vor Jahren anders - und hat sich nicht geändert.
Dabei sieht der Teamkollege von Alberto Contador die aktuelle Situation nicht rosig, sondern mahnt zu Wachsamkeit: "Es ist entscheidend, dass wir selbstkritisch bleiben. Denn wenn unsere Aufmerksamkeit nachlässt, wenn wir davon ausgehen, dass manche nicht mehr zu betrügen versuchen, wird es für sie sehr viel einfacher. Wir müssen immer im Hinterkopf haben, dass früher Leute betrogen haben und es ist wichtig, offen darüber zu sprechen, kritisch mit dem Radsport umzugehen, Dinge anzusprechen, die wir besser machen könnten."
In Deutschland sieht Degenkolb den Radsport auf einem guten Weg. "Unser Ruf war nicht immer so, wie wir das gerne gehabt hätten. Wir deutschen Fahrer tun viel, um unseren Sport in transparenter Weise auszuüben und ich habe das Gefühl, dass wir das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen.
Hat er sich mit seinem offenen Umgang mit dem Dopingthema nicht Feinde im Radsport gemacht? Nein, glaubt der Roubaix-Sieger von 2015:
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