Erst war das Gelbe Trikot noch versteckt, als Maximilian Schachmann erklären sollte, wie er innerhalb von nur etwas mehr als zwei Rennstunden Dominator Primoz Roglic noch den Gesamtsieg bei Paris-Nizza entriss. Doch dann öffnete der Bora-Kapitän nach der Titelverteidigung vor den Reportern seine Jacke und zeigte stolz das "maillot jaune", das er als erster Deutscher in 79 Austragungen ein zweites Mal gewinnen konnte.
"Ich weiß nicht, ob ich glücklich sein kann", gestand er, "es ist nicht schön, so zu gewinnen. Es fühlt sich toll an, wieder Gelb zu tragen, aber ich hätte es gerne auf andere Art gewonnen." Denn ohne die Stürze des bis dahin souveränen Spitzenreiters aus Slowenien, der sich verzweifelt in der Verfolgung aufgerieben hatte, wäre Schachmann nicht wieder am Schlusstag ganz oben auf dem Podium gestanden.
Doch der 27-Jährige erinnerte auch daran, dass er selbst schon kurz nach dem Start vom Pech getroffen wurde und seinen Podestplatz schon abschreiben wollte: "Ich hatte nach sieben Kilometern Defekt und niemand hat im Feld gewartet. Ich dachte schon, es wäre alles verloren. Ich musste sehr, sehr tief gehen, um es zurück zu schaffen", berichtete er.
Paris - Nizza
"Verrückter Tag": Schachmann schnappt Roglic noch Gesamtsieg weg
14/03/2021 AM 15:47
Es war der Auftakt zu einer Etappe, die in die Geschichte des Rennens eingehen wird. "Niemand hat erwartet, was heute passiert ist, es war großes Chaos, ein verrückter Tag", so Schachmann. Den ersten Sturz von Roglic erlebte er aus nächste Nähe, doch da kam dieser trotz ausgerenkter Schulter und zerfetzter Rennhose wieder zurück ins Feld, das auf den Spitzenreiter gewartet hatte.
Als aber der Gesamtführende in der letzten der drei Runden wieder zu Fall kam, war das Rennen voll entbrannt und es wurde keine Rücksicht mehr genommen.

Paris-Nizza: Schachmann glänzt mit neuer Kletterstärke

"Es war eine starke Fluchtgruppe vorne und wir mussten fahren, wir wollten unsere Platzierung nicht verlieren und den Etappensieg jagen", erklärte Schachmann. Bitter für Roglic: Er war in der Verfolgung schon bis auf 20 Meter am Feld dran, doch schließen konnte er die Lücke im Gegenwind nicht. Dem Slowenen schwanden die Kräfte und der Abstand wuchs von Sekunden auf Minuten. "Ich habe heute Fehler gemacht", gab sich der Vuelta-Sieger selbstkritisch, doch "davon geht die Welt nicht unter".
Seine Verletzungen zumindest seien nicht allzu schwer, in ein paar Tagen "sollte ich bereit für die nächsten Rennen sein".

Schachmann enttrohnt Roglic: Die Highlights des Showdowns um Gelb

Das gilt auch für Schachmann. Denn losgelöst davon, auf welcher Stufe des Podiums er nach den acht Renntagen gestanden hätte - sein Auftritt im ersten Saisonrennen war mehr als überzeugend. Seriensieger Roglic bot er auf den Schlüsseletappen unerwartet lange Paroli, verlor an den schweren Anstiegen nur wenige Sekunden und überraschte sich damit selbst.
"Ich konnte Roglic lange folgen, das fühlt sich wie ein Sieg an", stellte er nach der Königsetappe fest, als ihm der Tour-Zweite bei der langen Bergankunft nur fünf Sekunden abnehmen konnte.
Auf den 16 Kilometern des Col de la Colmiane musste Schachmann nicht wie im Vorjahr "durch die Hölle gehen", als er das Gelbe Trikot dort am Schlusstag zu verteidigen hatte. Im Gegenteil.
"Es war eine sehr neue Erfahrung für mich, nicht schon vor den letzten Kilometern am Berg zu leiden. Es hat Spaß gemacht, da mit Roglic vorne zu fahren und sich zu duellieren", berichtete Schachmann vergnügt. Das Fazit war eindeutig: "Ich habe einen Schritt nach vorne gemacht, bin ein noch besserer Kletterer - da sind schon wieder einmal Fortschritte zu sehen. Ich freue mich auf all die kommenden Rennen."

"Bin selbst von mir überrascht": Schachmann feiert gefühlten Sieg

Schachmann: Revanche gegen Roglic im April

Los geht's mit dem ersten Monument der Saison, wenn bei Mailand-Sanremo (Samstag, 20. März live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!) dann die Topsprinter ebenso wie die Superstars Mathieu van der Poel, Wout Van Aert und Julian Alaphilppe als Gegner warten. Danach folgen im April schon die nächsten Duelle mit Roglic, der auf Revanche brennt: Bei der Baskenland-Rundfahrt und den Ardennen-Klassikern sind beide wieder Sieganwärter.
Und was ist mit den ganz großen dreiwöchigen Etappenrennen - könnte ein immer besser kletternder Schachmann nicht auch dort bald für Furore sorgen, sogar im Kampf um Gelb? Die Antwort lässt schmunzeln - und hoffen:
"Vielleicht lasse ich bis zum Sommer Milka und Haribo weg, dann schauen wir mal ...!"
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Schachmann im Sieger-Interview: "Dachte, es wäre alles verloren"

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