Paris - Roubaix 2026: Wout van Aert am Ziel seiner Träume - acht Jahre alter Plan geht mit Gewinn beim Klassiker auf

Wout van Aert hat sich mit dem Sieg bei Paris - Roubaix 2026 einen Lebenstraum erfüllt. Seit dem tragischen Ereignis durch den Tod eines Teamkollegen im Jahr 2018 plant er diesen Erfolg - und kann im siebten Anlauf nun die Lorbeeren ernten. Es war kein Überraschungssieg im Velodrom von Roubaix. Es war der Erfolg eines zu Unrecht Vergessenen. Die "Hölle des Nordens" kürt nur verdiente Sieger.

Van Aert nach Triumph in Roubaix: "Das bedeutet mir alles"

Quelle: Eurosport

Als Wout van Aert und Tadej Pogacar ins Velodrom von Roubaix einbogen, musste der Belgier als Favorit auf den Sieg gelten. Er ist auf dem Papier der stärkere Sprinter, der kraftvollere Fahrer. Aber der Radsport steckt voller Unwägbarkeiten.
Das Rennen war hart, fordernd. 258 Kilometer wurde Vollgas gefahren, die Stars mussten energiezehrende Defekte überwinden und 55 km Kopfsteinpflaster. Von einem "normalen" Sprint, erst recht auf einer Radbahn, kann in Roubaix keine Rede sein.
Nicht wenige vermuteten ein weiteres Beispiel für van Aert als ewigem Zweitem. So wie bei Dwars door Vlaanderen im vergangenen Jahr, als er gegen Neilson Powless einen Sprint verlor. Oder beim gleichen Rennen in dieser Saison, als in Filippo Ganna noch einfing. Oder bei der Flandern-Rundfahrt 2020, als er einen Zweier-Sprint gegen Mathieu van der Poel verlor.
Nur einer zweifelte nicht: Wout van Aert. "Als wir ins Velodrom kamen, wollte ich mich nur an meinen Plan halten. Ich bin in meinen Träumen und meiner Vorbereitung diesen Sprint so oft gefahren, daher wusste ich genau, was ich zu tun hatte", sagte er im Sieger-Interview, wenige Minuten nachdem er den Slowenen souverän schlagen konnte.
picture

Highlights: Dramen und Defekte - "Hölle des Nordens" bietet Spektakel

Quelle: Eurosport

Der 31-Jährige war an diesem Tag auf einer Mission unterwegs. Es war seine siebte Teilnahme an diesem Rennen und dieses Mal ließ er sich nicht von der Erfüllung seines Traums abhalten. Ein Traum, der aus einer großen Tragik heraus entstand.

Ein Sieg für den verstorbenen Teamkollegen

"Es bedeutet mir alles", erklärte van Aert, der im Ziel mit den Tränen kämpfte. "Es ist mein Ziel seit 2018, als ich das erste Mal dabei war. Das ist acht Jahre her, damals verloren wir meinen Teamkollegen Michael Goolaerts."
2018 war der 23-jährige Belgier - wie van Aert - für das belgische Team Verandas Willems-Crelan aktiv. Er erlitt während des Rennens einen Herzinfarkt, stürzte und starb am selben Abend im Krankenhaus. Van Aert fasste in diesem Jahr einen Plan: "Seitdem ist es mein Ziel, hier hinzukommen und den Finger in die Höhe zu recken. Dieser Sieg ist für Michael, seine Familie und Freunde, die Betreuer und meine Teamkollegen von damals."
picture

Brenzlige Situation im letzten Pavé: Pogacar entgeht Sturz knapp

Quelle: Eurosport

Es folgten sechs Jahre voller Pech oder die Anwesenheit von Überfliegern. 2019 stürzte er und musste das Rad wechseln, zwei Jahre später wurde er im Regen Siebter. 2022 gewann er den Sprint - wurde aber nur Zweiter hinter Solist Dylan van Baarle.
Van Aert:
Dann begann die Herrschaft van der Poels, die auch durch einen Defekt bei van Aert 15 Kilometer vor dem Ziel beim Rennen 2023 begünstigt wurde. Im Jahr darauf fehlte der Belgier verletzt und konnte bei der vergangenen Austragung nichts gegen Pogacar und van der Poel ausrichten.
"Ich hatte schon so viel Pech hier, aber das hat mir auch viel Erfahrungen eingebracht", sagte er. "Diesmal habe ich weiter daran geglaubt, auch wenn mir das Glück mal abhandenkam - und dafür wurde ich jetzt endlich belohnt."
picture

Wout van Aert widmet seinen SIeg bei Paris - Roubaix seinem verstorbenen Teamkollegen Michael Goolaerts

Fotocredit: Getty Images

Das zeigte sich auch, als er nach einem Defekt nicht unruhig wurde, sondern sich ganz kontinuierlich und geduldig wieder zurück zur Spitzengruppe arbeitete. Van Aert war wie alle am Limit, aber er wirkte auf Asphalt und den Pavés wie im Flow. Ein Mann mit einem Plan.

Van Aert nur noch Favorit in zweiter Reihe

Die Radsportwelt schaute auf das Duell van der Poel contra Pogacar. Van Aert verlor in den vergangenen Jahren das Prädikat des "Außerirdischen". Er wurde bei den Klassikern als Mitfavorit genannt, fast pflichtschuldig. Ja, auch den Belgier sollte man auf der Rechnung haben, aber gegen diese beiden wird es sehr schwierig.
Gerade bei den großen Eintagesrennen blieb der 31-Jährige tatsächlich hinter den Erwartungen zurück. Das Duell mit dem Cross-Rivalen van der Poel geht auf die Karriere betrachtet klar an den Niederländer. Van Aert gewann in Roubaix "erst" sein zweites Monument. Es scheint logisch, dass er so weniger Aufmerksamkeit genießt als seine großen Kontrahenten.
picture

Pogacar: "Ich hatte nicht mehr die Frische in den Beinen"

Quelle: Eurosport

Das wird der Karriere des Belgiers aber nicht gerecht. Van Aert hat zehn Tour-de-France-Etappensiege vorzuweisen, dazu drei bei der Vuelta und einen beim Giro d'Italia. 21 Mal stand er in seiner Karriere bei Monumenten am Start, 18 Mal fuhr er unter die ersten Zehn, allein neunmal aufs Podium. Diese Konstanz zeigt: Mit diesem Mann ist wirklich zu rechnen. Stattdessen wurde er in der öffentlichen Wahrnehmung in die zweite Reihe versetzt. Bis jetzt.
"Ich habe schon oft aufgehört, daran zu glauben, aber am nächsten Tag steht man auf und kämpft weiter", sagte van Aert, der nun sogar den fast unbesiegbaren Pogacar im direkten Duell schlug. "Es kann nicht besser werden, als zum Ziel mit dem Weltmeister zu kommen. Die Bezeichnung sagt es schon, aber er ist wirklich ein Champion und hat es mir sehr schwer gemacht. Ihn mano-a-mano in einem Sprint zu besiegen, ist etwas sehr Besonderes für mich."

Van Aert: "Das schönste Rennen der Welt"

Die "Königin der Klassiker" zeigte sich auch bei ihrer 123. Austragung erbarmungslos. Defekte warfen fast alle Superstars ein ums andere Mal zurück. Mit 48,9 km/h wurde eine neue Rekord-Durchschnittsgeschwindigkeit aufgestellt. An der Spitze wurde erbarmungslos attackiert. Das Rennen lieferte einmal mehr Spektakel für die Zuschauer und Schmerzen für die Fahrer.
"Es ist so ein chaotisches Rennen", sagte van Aert und lächelte erstmals im Sieger-Interview. "Jeder, der am Start steht, hat seine eigene Geschichte damit und das macht es so schön. Es kann hart sein, aber an einem Tag wie heute ist es das schönste Rennen der Welt."
picture

Van der Poel: "Wusste, dass das Rennen vorbei war"

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung