Paris - Roubaix: Wout van Aert rührt mit Sieg die Eltern seines verstorbenen Teamkollegen Michael Goolaerts zu Tränen
Update 14/04/2026 um 17:10 GMT+2 Uhr
Wout van Aert hat mit seinem Triumph bei Paris - Roubaix nicht nur einen Meilenstein in seiner Karriere erreicht, sondern auch ein besonderes Versprechen eingelöst. Seinen Sieg widmete der Belgier nämlich seinem verstorbenen Teamkollegen Michael Goolaerts, der ausgerechnet bei diesem Rennen vor acht Jahren einen Herzinfarkt erlitt. Dessen Familie bedankte sich für die beispiellose Geste van Aerts.
Van Aert nach Triumph in Roubaix: "Das bedeutet mir alles"
Quelle: Eurosport
"Wir sind nicht abergläubisch. Aber wir glauben, dass unser Michael heute mit Wout mitgefahren ist", meinte Staf Goolaerts, Vater des verstorbenen Michael, im Interview mit dem belgischen Nachrichtenportal "Sporza".
Acht Jahre lang war van Aert mit einem schweren Versprechen im Gepäck unterwegs: Für Goolaerts die "Königin der Klassiker" gewinnen. Es war eine Geschichte voller Rückschläge und Niederlagen, die letzten Endes aber in einem der größten Momente seiner Karriere gipfelten.
In einem epischen Schlusssprint setzte sich der 31-Jährige gegen den zurzeit fast schon unschlagbaren Tadej Pogacar durch - und reckte den rechten Zeigefinger in den Himmel über dem Vélodrome André Pétrieux in Roubaix. Und zwar in Richtung Michael.
"Wout hat immer gesagt, dass er in Roubaix die Blumen für Michael gewinnen würde. Nach Jahren voller Pech hatten wir die Hoffnung schon ein bisschen aufgegeben", erinnerte sich dessen Vater. "Es schien, als wäre es ihm nicht vergönnt: Reifenschäden, Stürze und dann nimmt sich auch noch Pogacar dieses Rennen vor. Den muss man erst mal schlagen. Aber am Sonntag kam alles zusammen."
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Episches Duell im Velodrom: Van Aert schlägt Pogacar im Sprint
Quelle: Eurosport
Goolaerts' Vater: "Schaue normalerweise keine Rennen mehr"
Seit dem tragischen Tod von Michael bei Paris - Roubaix 2018 ist der professionelle Radsport für die Familie Goolaerts mit herausfordernden Gefühlen verbunden.
"Seit Michaels Tod schaue ich normalerweise keine Rennen mehr. Es tut zu sehr weh, vor allem, weil das seine Rennen waren. Ich versuche, mich ein bisschen davon fernzuhalten", gab Vater Staf einen Einblick. "Heute habe ich es also auch nicht verfolgt."
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Wout van Aert (r.) und Michael Goolaerts vor Paris - Roubaix 2018
Fotocredit: Imago
Nur über das Radio in seinem Auto habe er Updates zum Rennverlauf erhalten und schließlich erfahren, "dass Wout Chancen auf den Sieg hat. Ich bin in unsere Einfahrt gefahren und habe weiter zugehört", schilderte er. "Auch das erste Interview von Wout habe ich dort gehört. Die Tränen liefen mir über die Wangen."
Zu Hause angekommen verfolgte er den Rest der TV-Übertragung gemeinsam mit seiner Frau Marianne. "Im Gegensatz zu mir kann sie sich die Rennen noch anschauen. Dann hörten wir Wouts Interview noch einmal auf Niederländisch - einfach wunderschön", erzählte er.
Van Aerts Blumen erhalten einen besonderen Platz
Der Kontakt zwischen den Eltern und den einstigen Teamkollegen von Goolaerts ist nicht abgebrochen.
"Ich schicke den Jungs noch regelmäßig eine Nachricht, auch Wout. Er antwortet immer nach ein paar Minuten", schilderte Staf Goolaerts. "Aber ich möchte ihn nicht belasten. Und ich will ihn auch nicht ständig mit unserer Trauer konfrontieren. Denn wenn man mit so einem Gedanken Rennen fahren muss …"
Eine Gratulation via Textnachricht durfte nach dem phänomenalen Sieg in Roubaix jedoch nicht fehlen. Und die Antwort darauf blieb nicht aus. "Ich habe heute Nacht um 4:15 Uhr noch eine Nachricht von ihm bekommen. Er konnte nicht schlafen", meinte er.
Ein herzerwärmender Zusatz der Nachricht: Der Blumenstrauß, den van Aert seit Jahren für Michael bei Paris - Roubaix gewinnen wollte, befand sich schon auf dem Weg zur Familie Goolaerts.
"Sein Manager Jef Van den Bosch hat sie gerade im Namen von Wout vorbeigebracht, denn er selbst ist inzwischen in den Urlaub aufgebrochen - was ich absolut verstehe", sagte Mutter Marianne: "Ich sehe das als einen Sieg für unseren Michael. Wout hat mit dem Blumenstrauß sein Wort gehalten."
Der Blumenstrauß, so Vater Staf, "bekommt auf jeden Fall einen Ehrenplatz an Michaels Urne. Die ist übrigens in Form eines Kopfsteinpflasters gestaltet."
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Der Gedenkstein für Michael Goolaerts bei Paris - Roubaix
Fotocredit: Getty Images
Van Aert beeindruckt mit beispielloser Geste
Das Verhältnis zu Wout sei einzigartig. "Er hat uns eigentlich nie losgelassen", führte sie weiter aus. "Nicht, dass er ständig Kontakt zu uns hätte. Aber Michael ist in seinem Herzen. Jeder aus dem damaligen Team hat noch einen besonderen Platz für ihn."
Neben den Eltern war der monumentale Sieg seitens van Aert auch für Michaels Bruder Kristof besonders emotional.
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Wout van Aert beim Trauergottesdienst für Michael Goolaerts 2018
Fotocredit: Imago
"Dieser Fingerzeig in Richtung Michael hat uns sehr viel bedeutet. Zu wissen, dass Wout noch etwas mit sich selbst auszumachen hatte, macht es umso schöner, dass er das jetzt abschließen konnte", sagte er.
Mit der Geste des Visma-Stars hatte er nicht unbedingt gerechnet. "Hut ab, dass er in so einem Moment - im Sprint um den Sieg bei einem der wichtigsten Klassiker - noch an Michael denkt. Das hat mich sehr berührt."
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Van der Poel: "Wusste, dass das Rennen vorbei war"
Quelle: Eurosport
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