Red Bull-Bora-hansgrohe nach Remco-Evenepoel-Verpflichtung - was passiert mit Florian Lipowitz, Primoz Roglic und Co.?
VonJan Zesewitz
Update 06/08/2025 um 15:06 GMT+2 Uhr
Remco Evenepoel wechselt zu Red Bull-Bora-hansgrohe und Teamchef Ralph Denk gelingt ein Transfer, der über Jahre angebahnt wurde und der ein absoluter "Meilenstein" für das Team ist. Der Olympiasieger soll den erhofften Tour-de-France-Sieg bringen, aber der Wechsel kommt auch zu einem komplizierten Zeitpunkt. Beim deutschen Rennstall tummeln sich viele Häuptlinge, darunter auch Florian Lipowitz.
Wohin geht die Reise für Lipowitz? Ullrich sieht große Zukunft
Quelle: Eurosport
Der neue Star ist da, die Erwartungen sind riesig: "Mit neuem Selbstverständnis und klarer Ambition will sich das Team mittelfristig als attraktivste Adresse auf der internationalen Radsportbühne etablieren", kündigte der Rennstall in seiner Pressemitteilung zu Transfer des Belgiers an.
Doch wie geht es konkret bei der Mannschaft von Tour-Shootingstar Lipowitz weiter?
Angaben zur Vertragslaufzeit macht man bei Red Bull-Bora-hansgrohe generell nicht. Sicher ist aber, dass drei Fahrer auch im kommenden Jahr unter Vertrag stehen, die schon einmal auf dem Podium der Tour standen: Primoz Roglic (Zweiter 2020), Remco Evenepoel (Dritter 2024) und Florian Lipowitz (Dritter 2025).
Sie alle haben berechtigten Anspruch, das Team auch im kommenden Jahr zu führen, aber nicht alle können als Kapitän nach Frankreich fahren. Die Gemengelage beim Raublinger Rennstall ist mit der Verpflichtung deutlich komplizierter geworden. Zumal man wohl nicht erwartete, dass Lipowitz sein Leistungsvermögen so früh mit einem derartigen Paukenschlag unter Beweis stellen würde.
"Was das Timing angeht, ist es nicht der beste Zeitpunkt für einen Wechsel zu Red Bull. Der Durchbruch von Florian Lipowitz macht alles kompliziert", sagte Ex-Profi Jan Bakelants im Interview mit "Het Laatste Nieuws".
Lipowitz selbst sah einen - damals noch hypothetischen - Wechsel des Doppelolympiasiegers kurz nach der Tour weniger kritisch: "Wenn er tatsächlich kommen sollte, wäre auch ich glücklich. Wir könnten dann etwas Großartiges zusammen erreichen."
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Florian Lipowitz und Remco Evenepoel bei der Tour de France 2025
Fotocredit: Getty Images
Roglic, Lipowitz, Evenepoel - wer macht was?
Dieses "Großartige" wäre wohl der Tour-Sieg - wenn nicht 2026, dann zumindest in den darauffolgenden Jahren. Für Roglic scheint dieses Ziel ausgeträumt. Der 35-Jährige ist der Älteste des Kapitäns-Trios und war in diesem Jahr noch einen Schritt weiter von den Überfliegern Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard entfernt als Lipowitz.
"Wir werden mit ihm sprechen, was seine Ziele sind, was ihn noch triggert, er hat ja fast alles gewonnen", meinte Denk im Podcast "Inside Red Bull-Bora-hansgrohe". "Dann werden wir uns einen Plan zurechtlegen." Der Slowene würde gut daran tun, zu seinen Plänen nicht "Kapitän bei der Tour de France" hinzuzufügen, denn diesen Wunsch wird ihm Denk kaum mehr erfüllen.
Diese Rolle wird - und muss - wenn denn in der Saisonvorbereitung alles nach Plan läuft, an Evenepoel gehen. Der Belgier ist neun Monate älter als Lipowitz - aber schon in seinem siebten Jahr in der Weltspitze.
Während sich die Öffentlichkeit hierzulande zurecht auf den deutschen Shootingstar und seine Zukunft fokussiert, sei an den Palmàres von Evenepoel erinnert: Vuelta-Sieg 2022, Doppel-Olympiasieger in Paris, Straßenweltmeister 2022 und zweifacher Zeitfahrweltmeister, zweifacher Sieger von Lüttich - Bastogne - Lüttich, neunfacher Etappensieger bei Grand Tours, dreimal hat er die Clasica San Sebastian gewonnen und insgesamt 64 Profisiege eingefahren - mehr konnte im gleichen Alter wohl nur Pogacar aufweisen - und Eddy Merckx natürlich.
Voigt: Das bringt Evenepoel für Red Bull
Die Vielseitigkeit des Belgiers eröffnet dem deutschen Team weitere Möglichkeiten als "nur" Grand-Tour-Erfolge, wie Eurosport-Experte Jens Voigt meint: "Mit der Ankunft von Remco wird die Klassiker-Fraktion sofort und unmittelbar gestärkt", sagte er auf exklusive Nachfrage. "Als Weltmeister, Olympiasieger und Lüttich-Sieger ist er ganz klar der Mann für die großen Eintagesrennen."
Die Verpflichtung dient für Red Bull-Bora-hansgrohe also nicht nur der Jagd nach dem Grand-Tour-Erfolg - Evenepoel kann auch der verspätete Nachfolger von Peter Sagan werden. Die Ankunft des Slowaken 2017 brachte das deutsche Team auf die große Weltbühne - der Superstar zahlte mit zwei Grünen Trikots, einem WM-Titel und dem Sieg beim Monument Paris - Roubaix zurück. Nun will Ralph Denk noch eine Stufe höher kommen.
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Siegerehrung mit Lipowitz: Historisches Podium in Paris
Quelle: Eurosport
Voigts Ansatz erinnert: Es gibt mehr als ein großes Radrennen im Verlauf eines Jahres. Die Tour überstrahlt alles, aber viele Fahrer eines Teams können und dürfen Siege einfahren: "Mit Remco hat man eines der größten Talente der Welt im eigenen Team", sagte Jan Ullrich im Velo Club bei Eurosport schon während der Tour. "Aber es gibt ja noch mehr große Landesrundfahrten. Vielleicht konzentriert sich Lipo erstmal auf den Giro. UAE macht es vor, mit Almeida und Del Toro neben Pogacar - auch die können sich arrangieren. Letztendlich entscheiden ohnehin die Beine."
Die verließen Evenepoel bei der Tour 2025 - nicht zum ersten Mal bei einer Grand Tour. "Den Giro hat er zweimal nicht beendet. Tour - einmal Podium, einmal aufgegeben. Vuelta - einmal gewonnen und einmal eingebrochen", analysierte Voigt die Ergebnisse des Belgiers. "Er ist entweder heiß oder kalt, nichts dazwischen. Wenn es der Mannschaft gelingt, die Frustrationsanfälligkeit von Evenepoel mit ihm zusammen zu verbessern, wird er auch für die großen Landesrundfahrten eine deutliche Verbesserung sein."
Vorbilder UAE und Visma für Red Bull?
Auch wenn Lipowitz in diesem Jahr fast gleichauf mit Evenepoel lag, bis dieser das Rennen verließ und ihn bei der Dauphiné schlagen konnte: Der Neuzugang hat bereits bewiesen, dass er eine Grand Tour gewinnen kann - er ist nach aktuellem Stand die realistischste Wette auf einen Fahrer, der das Zeug hat, Vingegaard und Pogacar herauszufordern. So war er 2024 näher an den beiden Überfliegern dran als Lipowitz 2025 - trotz einer damals durch schwersten Sturz überschatteten Vorbereitung.
Er hat auch gezeigt, dass man gerade bei Grand Tours mit einem Ersatzkapitän nicht schlecht dran ist. Hier könnte Lipowitz erneut ins Spiel kommen, wie in diesem Jahr. Zumal der Quereinsteiger immer noch besser werden kann: "Sein Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft, er kann sich verbessern, man muss ihm Zeit geben, wir können in Zukunft noch viel erwarten", sagte Ullrich.
Zeit geben - das könnte mit einer klaren Kapitänsrolle bei einer anderen Landesrundfahrt einhergehen, eventuell ergänzt um einen Einsatz als Edelhelfer bei der Tour. So könnte Lipowitz einerseits weitere Erfahrungen auf der größten Bühne sammeln und sich weiter verbessern - etwa im taktischen Bereich, wo er noch deutliches Potenzial hat.
Voigts Traumszenario: "Lipowitz als Kapitän für den Giro, Evenepoel für die Tour und Roglic für die Vuelta." Ein Szenario, das allen drei Topfahrern gerecht würde - auch Roglic, der alleiniger Rekordsieger der Vuelta werden könnte.
Der Slowene war schon Teil eines Teams, bei dem das aufging: 2023 gewann das Team Jumbo-Visma den Giro (durch Roglic selbst), mit Vingegaard die Tour und der Edelhelfer bei beiden, Sepp Kuss, gewann im Beisein der beiden anderen die Vuelta.
Denk würde eine solche Zukunft für sein Team sicher unterschreiben, aber wie Ullrich sagte: "Letztendlich entscheiden sowieso die Beine."
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Florian Lipowitz nach Tour de France: "Genießen und Abstand gewinnen"
Quelle: SID
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