Tour de France Femmes - Kasia Niewiadoma blickt im Interview auf Triumph bei Alpe d'Huez zurück: "Noch nie so gelitten"

Vier Sekunden rettete Kasia Niewiadoma in der Gesamtwertung der Tour de France Femmes am berüchtigten Anstieg von Alpe d'Huez ins Ziel vor der großen Favoritin Demi Vollering. Die Polin war jahrelang nah dran - bei fast allen großen Rennen, aber zum großen Sieg reichte es einfach nicht. Das ist in diesem Jahr anders. Die 29-Jährige sprach nun über ihren größten Erfolg und den Weg dorthin.

Vollering vs. Niewiadoma: Das Herzschlagfinale in Alpe d'Huez

Quelle: Eurosport

"Ich habe noch nie so gelitten wie nach Alpe d'Huez", sagte sie im Interview mit Eurosport. "Es war wirklich schrecklich." Aus diesem Leiden wurde der größte Erfolg in ihrer Karriere. Sie profitierte von einem Sturz der großen Favoritin Vollering auf der fünften Etappe. Diesen Rückstand von 1:47 Minuten konnte die Niederländerin trotz einer großen Attacke am letzten Tag in den berühmten Skiort knapp nicht aufholen.
Für Niewiadoma kam damit einmal alles zusammen - Glück und Können. Fünf Jahre lang gewann sie kein einziges Rennen - ihre Topplatzierungen lesen sich angesichts dessen fast absurd: dreimal Zweite bei Strade Bianche, Zweite beim Giro d'Italia, zweimal Dritte bei der Tour de France, bei praktisch jeder Rundfahrt landete sie in den Top Ten, aber es reichte nicht für die oberste Stufe auf dem Podest.
Bis zum Herbst 2023. Dort gewann sie als Solistin die Gravel-WM in Italien und gewann so den Glauben an sich zurück: "Ich glaube dadurch dass ich so oft Zweite oder Dritte wurde und dieser Kampf um den Sieg so lange andauerte, habe ich langsam das Selbstvertrauen und den Glauben daran verloren. Die Gravel-WM hat das verändert."
Zum Saisonbeginn lief es dann direkt auch auf der Straße besser: Sie gewann den Flèche Wallonne. Eines der drei Rennen, von denen sie schon immer geträumt hat. Die anderen beiden: Strade Bianche und die Tour de France, auch als es gar keine Tour für Frauen gab, wie sie im Interview sagte.

Das härteste Rennen ihres Lebens

2024 konnte sie also gleich zwei Träume von ihrer Wunschliste abhaken. Und musste für die Tour in den Alpen über ihre Grenzen gehen. "Ich muss ehrlich sagen, dass dieses Rennen das schlimmste war. Man muss es so nennen, es war so hart, das schlimmste Rennen, das ich jemals gefahren bin. Der Einsatz war jeden Tag so wie bei einem Klassiker - siebenmal hintereinander und einmal sogar zweimal an einem Tag."
Die Zieleinfahrt - ihre Fahrt zum Sieg - ist ihr nicht mehr präsent: "Auf den letzten drei Kilometern hatte ich einen kompletten Blackout. Ich hatte keine Ahnung, was passiert. Mein Mann Taylor ist ein ganzes Stück neben mir her gerannt, zwei Kilometer vor dem Ziel, aber ich habe es nicht wahrgenommen. Ich hatte keine Ahnung, dass er da war."
"Ich glaube, dieser Sieg ist eine Belohnung für all meine zweiten, dritten, vierten fünften Plätze in den vergangenen zehn Jahren meiner Karriere", sagte sie im Interview.

Malysz und Kowalczyk als große Vorbilder

Für die Erfüllung dieses Kindheitstraums nahm sie viel auf sich. Niewiadoma möchte sich mit diesem Meilenstein in einer Reihe mit ihren Idolen Justyna Kowalczyk und Adam Malysz wiederfinden. "Das waren meine beiden Vorbilder", sagte sie.
"Ich habe auf die Wettbewerbe gewartet, nach der Schule und in den Winterferien saßen wir alle vor dem Fernseher und haben darauf gewartet, dass Malysz springt oder Kowalczyk läuft. Mein Ziel und mein Traum ist es, andere Leute zum Radfahren zu inspirieren. Dass die Leute Zeit finden, sich zu mehr zu bewegen, denn ich glaube, das ist die Lösung von fast jedem Problem."
Diesem Ziel ist sie mit dem Tour-Erfolg ein großes Stück näher gekommen. Kein anderes Frauen-Rennen reicht an die Bekanntheit und Beliebtheit der Tour heran - und ein Herzschlagfinale wie jenes zugunsten von Niewiadoma geht allemal in die Radsport-Geschichte ein.
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Vollering calls Tour de France Femmes defeat 'really sour' after costly Stage 5 crash

Quelle: Eurosport


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