Krimi auf der Zielgeraden: Kämnas packender Kampf um den Sieg

Schachmann war im Finale lange als Solist vorne, bis Martinez mit Kämna im Schlepptau die Lücke schloss. Kämna konnte dem Tempo des Kolumbianers bis wenige Meter vor dem Ziel folgen, dann löste sich der Dauphiné-Sieger und kam mit vier Sekunden Vorsprung ins Ziel. Schachmann verlor völlig entkräftet auf den steilen Rampen zum Ziel noch 51 Sekunden.

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18/09/2020 AM 22:50

Das Gelbe Trikot verteidigte Primoz Roglic, während Titelverteidiger Egan Bernal an Boden gegen seinen Rivalen verlor. Nur Roglic konnte der Attacke seines Landsmanns Tadej Pogacar folgen, der sich auf Platz zwei der Gesamtwertung verbesserte (+0:44), während Bernal nun Dritter ist und sein Rückstand aber auf 59 Sekunden anwuchs.

Die beiden französischen Hoffnungsträger Guillaume Martin und Lokalmatador Romain Bardet, der unterwegs gestürzt war, verloren viel Zeit und fielen aus den Top Ten der Gesamtwertung. Auc die beiden bisher stark platzierten Kolumbianer Rigoberto Uran und Nairo Quintana verloren an Boden, sind aber noch im Rennen ums Podium in Paris. Aufgeben musste Bauke Mollema (Niederlande) nach Sturz.

Kämna und Schachmann für Kampf nicht belohnt - Bernal büßt Zeit ein

Kämna frustriert nach Herzschlag-Finale

Als Lennard Kämna am Puy Mary die Wiederholung seines Radsport-Krimis auf den TV-Bildschirmen erblickte, ärgerte sich der junge deutsche Radprofi gleich ein zweites Mal. "Jetzt sehe ich es...", sagte Kämna nach dem deutschen Drama im Ziel der 13. Etappe, "ahh... Mist... aber es ist wie es ist. Ich kann es nicht mehr ändern."

Der Ärger war da, auch weil er als Zweiter und der tapfer kämpfende Maximilian Schachmann als Dritter der deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe nicht den ersehnten Sieg beschert hatten. "Max hat mir das so schön vorbereitet. Ich habe das quasi auf dem Silbertablett präsentiert bekommen", sagte Kämna.

Doch sowohl bei Kämna, als auch bei Schachmann überwog insgesamt der Stolz über das Erreichte. Das gute Abschneiden gab beiden neue Zuversicht. "Es kommen noch ein paar Etappen. Ich hoffe, dass ich eine andere gewinnen kann", sagte Kämna. Schachmann, der sich zwei Wochen vor dem Tour-Start das Schlüsselbein gebrochen hatte, meinte: "Am Ende wäre es schön gewesen, wenn wir den Sieg nach Hause gefahren hätten. Aber die Tour ist noch nicht vorbei."

Kampfgeist belohnt: Schachmann auf Podium geehrt

Deutsches Trio in Ausreißergruppe

Kämna und Schachmann, der nur einen Tag nach seinem starken sechsten Platz in Sarran erneut über sich hinauswuchs, zeigten eine herausragende Vorstellung. Der 26-Jährige hatte zwei Wochen vor dem Tour-Start einen Schlüsselbeinbruch erlitten, auf den 191,5 km und sieben Bergwertungen zwischen Chatel-Guyon und dem Puy Mary Cantal war er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte.

Die Aussicht auf die wohl schwierigste Etappe mit sieben Bergwertungen hielt das Feld nicht von einem Schnellstart ab. Früh wurde ein hohes Tempo angeschlagen, für die Sprinter begann schon nach wenigen Kilometern der Kampf gegen das Zeitlimit. Nach dem ersten Renndrittel bremste das Peloton aber vorübergehend ab.

Zu den vielen Fahrern, die sich in die Flucht wagten, zählte der bislang unauffällige Simon Geschke (CCC Team). Später stießen auch die beiden Bora-Profis Schachmann und Lennard Kämna (Wedel) dazu.

Die große Gruppe um das deutsche Trio, die nach rund 60 km den Zusammenschluss fand, wurde vom Hauptfeld ein Vorsprung gewährt, der ihr die Chance auf den Etappensieg ermöglichte.

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Sturz: Bardet und Quintana am Boden

Schachmann und Kämna nicht belohnt

Rund 35 km vor dem Ziel fand die harmonische Zusammenarbeit an der Spitze ein Ende. Als erster Ausreißer attackierte der US-Amerikaner Neilson Powless (EF Education First), wenig später suchte Schachmann das Weite. Mit vereinten Kräften baute das Duo den Vorsprung auf den Rest der Fluchtgruppe auf knapp eine Minute aus, dann zog Schachmann erneut davon und nahm das überaus steile Finale als Solist in Angriff.

Der Vorsprung schmolz, als Martinez das Tempo erhöhte. Nur Kämna konnte folgen, 1,6 km vor dem Ziel war Schachmann eingeholt. Im Finale musste Schachmann dann abreißen lassen. Auf der Zielgeraden forcierte Kämna eine letzte Attacke - sie war vergeblich.

Nach zwei Tagen im Zentralmassiv biegt die Große Schleife am Samstag in die entscheidende Phase in Richtung Alpen ein. Vor den Prüfungen im Hochgebirge können die Favoriten auf das Gelbe Trikot aber nochmals durchatmen. Die 194 km lange 14. Etappe von Clermont-Ferrand nach Lyon ist als Flachetappe deklariert - auch wenn das angesichts von fünf gewerteten Bergen eine ziemliche Mogelpackung ist.

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(mit SID)

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