Tour de France: Die Favoriten fürs Bergtrikot

Das Bergtrikot quasi als Bonus zum Gesamtsieg im Vorbeifahren mitnehmen? Das funktioniert bei der Tour kaum: Seit den Zeiten von Eddy Merckx, dem dies 1969 und 1970 gelang, sackte nur Chris Froome 2015 den gelb-gepunkteten Trikot-Doppelpack ein. Unter den Favoriten befinden sich auch die beiden Lokalmatadoren Romain Bardet und Julian Alaphilippe.

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Bei der Frankreich-Rundfahrt 2020, die vom ersten bis zum vorletzten Tag immens berglastig ist, sind angriffslustige Spezialisten die ersten Kandidaten auf das "Maillot blanc a pois rouge". Die Kletterkönige im Check:

Julian Alaphilippe (28/Deceuninck-Quick Step):

Wird "Juju" nicht wie im Vorjahr ins Gelbe Trikot gespült, ist der Kletterkönig von 2018 wieder ein heißer Kandidat - schon die zweite Etappe in den Bergen über Nizza eignet sich perfekt für eine erste Attacke. Seine Form stimmt: In der Bergwertung der Dauphine wurde er ebenso Zweiter wie bei Mailand-Sanremo. Alaphilippe verbindet ausgezeichnete Kletterfähigkeiten mit einer erstaunlichen Explosivität - sein großes Plus.

Warren Barguil (28/Arkea-Samsic):

2017 trumpfte Barguil in den Bergen groß auf, damals noch in Diensten des deutsch-lizenzierten Teams Sunweb: Er trug das gepunktete Trikot mit riesigem Vorsprung bis nach Paris und gewann zwei Bergetappen - damals hatte er quasi einen Freifahrtschein. Diesen besitzt er nun bei Arkea nicht, sondern soll den neuverpflichteten Topstar Nairo Quintana unterstützen. Schwächelt jedoch der Kolumbianer frühzeitig, ist Barguils Jagd auf das Bergtrikot die zweite Option.

Romain Bardet (29/AG2R):

Bardets eigener Anspruch ist eigentlich das Gelbe Trikot, doch die Zweifel sind groß, ob der Franzose dazu (noch) die Klasse hat. Im Vorjahr war er früh raus aus dem Kampf um das Gesamtklassement, die Favoriten ließen ihn an den Anstiegen ziehen, Bardet holte das Bergtrikot. Ein Szenario, dass auch diesmal wahrscheinlicher ist, als den dreimaligen Tour-Etappensieger in Gelb zu sehen.

Thomas De Gendt (33/Lotto-Soudal):

Sein Nachteil ist sein Vorteil: De Gendt ist kein unbedingter Klasse-Kletterer, deshalb aber machen sich die Teams der Topfavoriten nicht immer die Mühe, dem angreifenden Belgier hinterherzusteigen. Und De Gendt greift oft an, um nicht zu sagen: fast immer, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ihn einzufangen, ist mühsame Kleinstarbeit.

Rafal Majka (30/Bora-hansgrohe):

Längst hat der Pole eingesehen, dass es zum ganz großen Coup im Gesamtklassement nicht mehr reichen wird. Der ebenso mutige wie ausdauernde Kletterer hat aber mit dem doppelten Gewinn des Bergtrikots - 2014 und 2016 für Tinkoff - gezeigt, dass das "polka dot jersey" eigentlich wie für ihn geschaffen ist. Majkas großer Nachteil: Er wird sich bei Bora zumeist ganz den Ambitionen Emanuel Buchmanns unterordnen müssen.

David de la Cruz (31/UAE-Team Emirates):

Als souveräner Gewinner des Bergtrikots bei der Tour-Generalprobe Dauphine ist de la Cruz nun richtig auf den Geschmack gekommen. Bei seiner Emirates-Mannschaft wird er zwar Wunderkind Tadej Pogacar unterstützen müssen, hat dennoch viel Luft für eigene Ziele.
(SID)
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