Tour de France: Egan Bernal bricht bei Bergankunft ein

Titelverteidiger Egan Bernal hat bei der Bergankunft auf der 15. Etappe der Tour de France alle Chancen auf den erneuten Sieg verloren. Der Kolumbianer kassierte mehrere Minuten Rückstand und fiel weit zurück. Den Etappensieg am Grand Colombier holte sich Tadej Pogacar direkt vor Primoz Roglic (beide Slowenien), der das Gelbe Trikot damit verteidigte. Dritter wurde der Australier Richie Porte.

Egan Bernal - Team Ineos, Tour de Frace 2020

Fotocredit: Getty Images

In der Gesamtwertung liegt Roglic jetzt 40 Sekunden vor Pogacar und 1:43 Minute vor Rigoberto Uran.
Neben Bernal (+7:20) fiel auch sein kolumbianischer Landsmann Nairo Quintana (+3:50) am Schlussanstieg früh zurück und verlor viel Boden im Gesamtklassement. Pech hatte Guillaume Martin (+3:25) aus Frankreich, der direkt vor dem letzten Berg einen Defekt hatte und damit seine Chancen einbüßte.
Bis zum Schlusskilometer waren noch zwölf Fahrer gemeinsam unterwegs, bevor die Attacken der Favoriten diese Gruppe zerrissen und dort noch Abstände von bis zu 34 Sekunden entstanden.
Für Pogacar war es der zweite Etappensieg bei dieser Tour - hätte er nicht auf der Windkante während der 7. Etappe über eine Minute verloren, würde er jetzt die Tour anführen, in den Bergen ist er bisher der stärkste Fahrer. "Es war eine sehr, sehr schwere Etappe. Jumbo war so stark, da hat es keinen Sinn gemacht zu attackieren", sagte Pogacar angesichts der starken Vorarbeit von Roglics Jumbo-Team: "Also habe ich auf den Sprint gehofft. Einige Fahrer mussten heute bezahlen."

Bora spart Kräfte - Geschke im Angriff

Die im Zentralmassiv zuletzt sehr aktiven Bora-Profis Maximilian Schachmann (Berlin) und Lennard Kämna (Wedel) sparten am Sonntag Kräfte. In den Alpen ist dagegen mit erneuten Attacken der beiden Jungstars zu rechnen. Ihr als Hoffnungsträger gestarteter Teamkollege Emanuel Buchmann (Ravensburg) ist weiter außer Form, in den vergangenen Tagen plagte ihn zudem eine Erkältung.
Dafür zeigte sich der Berliner Simon Geschke (CCC). Der Etappensieger von 2015 war einer von acht Radprofis, die beim rund 100 km langen "Einrollen" vor den drei schwierigen Anstiegen des Tages in eine Fluchtgruppe fuhren. Geschke hielt sich lange an der Spitze. Eine Chance auf den Sieg hatte er wie die anderen Ausreißer aber nicht.
Das Hauptfeld war schon an der bis zu 22 (!) Prozent steilen Montee de la Selle de Fromentel auf eine Gruppe um die Top-Favoriten und ihre Helfer geschrumpft. Auch am Col de la Biche gerieten Fahrer aufgrund des hohen Tempos der Jumbo-Mannschaft in Probleme, einige Bernal-Helfer waren ebenfalls betroffen.
Am Grand Colombier, wo bei der Tour oft Kolumbianer groß aufgetrumpft hatten, zeigten ausgerechnet die Südamerikaner zuerst Schwächen: Sowohl Nairo Quintana als auch Bernal ließen schon 13 km vor dem Ziel abreißen. Für den 23 Jahre alten Vorjahressieger geriet der Traum vom erneuten Triumph in Paris in weite Ferne. Die Entscheidung über den Tagessieg fiel im Zielsprint - dabei erwies sich Pogacar als stärker.

Keine Fans am Berg, neue Corona-Tests

Ein ungewohntes Bild zeigte sich am Schlussanstieg sowie bei der zweiten Bergwertung am Col de la Biche: Wegen steigender Corona-Infektionszahlen hatte das Departement Ain den Zugang für Fans zu den Bergen gesperrt. Statt durch eine Menschenmenge kletterten Roglic und Co. über weitgehend leere Pässe, begleitet hauptsächlich vom Lärm der Begleitfahrzeuge und TV-Helikopter.
Am Montag steht neben dem zweiten Ruhetag auch die vierte und letzte Corona-Testreihe der Tour 2020 auf dem Plan. Wie bereits in der Vorwoche gilt: Zwei positive Tests in einem Team - egal ob Fahrer, Mechaniker oder Masseur - führen zum Ausschluss der betroffenen Mannschaft. Selbst Roglic als Träger des Gelben Trikots könnte ausgeschlossen werden.
(mit SID)
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