19 Kilometer vor dem Ziel musste der Slowene die Favoritengruppe fahren lassen. Niemand wartete auf ihn. Isoliert von allen Teamkollegen verlor der Jumbo-Kapitän 3:48 Minuten auf die Gruppe der Klassementfahrer.
Die Mannschaft, die ausschließlich auf ihn ausgerichtet war, wirkte im Ziel niedergeschlagen. “Wir können ihm nichts übelnehmen“, fand Steven Kruijswijk (Jumbo – Visma) im Ziel. “Wenn man sich überlegt, wie er da gelegen hat und wie er vorgestern noch das Zeitfahren absolviert hat, dann hat er wirklich alles gegeben.
Aber wir haben in den letzten Tagen schon gesehen, dass er noch wirklich Probleme hat. Und dann hilft so eine lange Etappe nicht. Bei der Tour darf dir einfach nichts passieren, denn wenn du stürzt, kannst du noch so gut in Form sein, du wirst einfach nicht wieder ordentlich fit, denn der Körper fragt enorm viel, um überhaupt genesen zu können“, sagte der 34-Jährige gegenüber der NOS.
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Sein Sportlicher Leiter Merijn Zeeman schlug in die gleiche Kerbe. “So eine schwere, 260 Kilometer lange Etappe war zu viel des Guten. Dann läuft der Körper leer und kommt man nicht mehr in die Nähe des normalen Niveaus. Aber wir waren hier drauf vorbereitet. Heute früh meldete Primož bereits, dass er noch mehr Schmerzen als in den letzten Tagen hatte. Nach dem Sturz hatten wir gehofft die Lage würde sich bei ihm wieder bessern. Aber dem war dann nicht so. Darum haben wir auch niemanden auf ihn warten lassen”, erklärte der Niederländer gegenüber "wielerflits" warum im Finale insgesamt vier Fahrer seiner Equipe vor dem alleinigen Kapitän fuhren.

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In der Gesamtwertung liegt Roglič nun als 33. schon 9:11 Minuten zurück. Eine schier aussichtslose Situation. “Wir hofften natürlich, dass es sich noch ausgeht, aber jetzt sehen wir doch das realistische Bild. Wir müssen das Wochenende abwarten und gucken, wie es ihm dann geht. Auch mental. Dann werden die Menschen, die das etwas angeht und Primož selbst entscheiden, ob er weiterfahren wird“, antwortete Kruijswijk auf die unausweichliche Frage nach dem Sinn der Fortsetzung dieser Frankreich-Rundfahrt für den amtierenden Vuelta-Sieger.
“Laut dem Doktor ist es vertretbar, dass er weiterfährt. Primož muss allerdings auch ein Ziel in dieser Tour haben. Einfach nur teilnehmen, das ist sicher keine Option für ihn. Er muss selbst den Eindruck haben, noch um einen Etappensieg mitfahren zu können. Wenn das nicht geht, müssen wir einen neuen Plan für ihn machen”, stellte Zeeman klar. Dieser Plan wäre laut dem Manager entweder die Olympischen Spiele von Tokio oder – wie bereits im letzten Jahr – die Spanien-Rundfahrt.

Kruijswijk dämpft Erwartungen

Einen neuen Plan brauchen die Killer Wasps aber schon vor den Spielen oder der Vuelta, denn die Grande Boucle zählt noch 13 Etappen. “Wir wollen sehen was wir mit Jonas Vingegaard und Steven Kruijswijk im Klassement erreichen können oder ob ein Etappensieg noch möglich ist“, blickte Zeeman voraus.
Kruijswijk selbst dämpfte die Erwartungen an seine eigene Person – und auch an den Dänen. “Mir ging es heute auch nicht wirklich gut, aber mit Jonas konnte ich mich vorn halten. Ich hoffe, dass wir ihn noch vorn halten können, denn er fährt unheimlich gut. Aber das ist natürlich nicht das, was wir eigentlich wollten. Wir können den Jungen nicht plötzlich zum Klassementfahrer machen, auch wenn er dieses Jahr schon tolle Dinge gezeigt hat. Wir werden schauen, wie weit er kommt“, so der 28. der Gesamtwertung.
Ein Ding ist aber klar. Eine wie 2020 dominant von vorn fahrende Jumbo - Visma-Mannschaft wird es in diesem Jahr bei der Tour nicht mehr geben. “So ist Radsport. Da muss man auch mit Niederlagen umgehen können. Die Etappe heute mit Wout und Mike in der Gruppe war auch der erste Schritt in eine andere taktische Marschrichtung. Wir müssen im Kopf umschalten und jeden Tag ein neues Ziel suchen”, erzählte Zeeman.
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