Nach der Überquerung der vorletzten Bergwertung wurde der Deutsche vom Pappschild einer unaufmerksamen Zuschauerin zu Boden gerissen. Zahlreiche Kollegen flogen über Martin auf die Straße, die kurz darauf komplett blockiert war. Bis auf Jasha Sütterlin (Team DSM) konnten aber alle Profis das Rennen fortsetzen.
Schon vor der Tour warnte Martin im Gespräch mit radsport-news.com vor solch gefährlichen Situationen. "Wir sind in den vergangenen Jahren sehr glücklich davongekommen und müssen nun wohl weiter mit der Hoffnung fahren, dass nichts passiert", meinte er, angesprochen auf die Gefahrenherde der Tour mit schlecht abgesicherten Strecken und unnötigen Hindernisse. Gleich auf dem ersten Tagesabschnitt endete dieses Glück.
"Es war eigentlich eine relativ entspannte Rennsituation für uns. Wir waren mit allen Fahrern vorne und ich wollte meinen Teamkollegen Robert Gesink auf der rechten Seite überholen", beschrieb Martin die Situation, die sich knapp 50 Kilometer vor dem Ziel abspielte, im ersten Interview mit der "ARD".
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Eine Zuschauerin am Streckenrand wollte mit einem großen Schild ihre Großeltern grüßen, bemerkte aber nicht, dass sie dieses in die Straße reckte und somit Martin den Weg versperrte.

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Martin: "Für mich war kein Platz und keine Reaktionszeit"

"Ich habe gesehen, dass sie was in der Hand hielt, aber sowas passiert oft bei der Tour", sagte der Deutsche relativ gelassen. "Du musst davon ausgehen, dass sie zur Seite geht. Sonst müssen wir um jeden Fan einen großen Bogen fahren und dann tun wir hier nichts anderes mehr", erklärte der 36-Jährige, der hart auf den Asphalt prallte und großes Glück hatte, dass ihn sein Teamkollege Gesink mit dem Rad nicht am Kopf erwischte.
Martin bemerkte zwar, dass die Aufmerksamkeit der Zuschauerin nicht auf das Feld, sondern auf das TV Motorrad gerichtet war, konnte auf der engen Straße aber nicht mehr ausweichen: "Für mich war kein Platz und keine Reaktionszeit. Ich bin da reingefahren und hatte keine Chance", erklärte er.

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Mit Schrammen und Prellungen sei er wahrscheinlich davongekommen, glaubte Martin: "Ich muss aber auch erst noch schauen wie es unter dem Trikot aussieht."

Chris Froome im Krankenhaus

Andere Fahrer kamen nicht so glimpflich davon. Der Franzose Cyril Lemoine erlitt vier gebrochene Rippen und einen mittelschweren Pneumothorax, teilte sein Team B&B Hotels p/b KTM am Samstagabend mit.
Das prominenteste Sturzopfer war der ehemalige Tour-Sieger Chris Froome. Bei dem 36-jährigen Briten wurden nach Angaben seines Teams Israel Start-up Nation keine Brüche festgestellt. Froome verbrachte die Nacht im Krankenhaus, konnte am Sonntag aber an den Start gehen.
Der Schweizer Marc Hirschi, Etappensieger der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt, zog sich nach Angaben seiner Equipe UAE Team Emirates um Titelverteidiger Tadej Pogacar eine Schultereckgelenksluxation zu. "Marc hatte einen schweren Sturz, aber wir hoffen auf gute Nachrichten", sagte der Slowene Pogacar. Auch der 22-Jährige konnte am Sonntag glücklicherweise zur 2. Etappe antreten.

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Außerdem erlitt der litauische Meister Ignatas Konovalovas eine Kopfverletzung mit anfänglichem Bewusstseinsverlust. Sein Groupama-FDJ-Team erklärte weiter: "Die Entwicklung ist günstig, aber er wird über Nacht im Krankenhaus in Brest zur Beobachtung und für weitere Tests bleiben."
Der erste Massensturz führte zum Ausfall des deutschen Radprofis Jasha Sütterlin (Freiburg/DSM), der laut Teamangaben von Brüchen verschont blieb, aber eine schwere Prellung des rechten Handgelenks davontrug. "Ich kann mein rechtes Handgelenk nicht wirklich bewegen, also war es für mich unmöglich weiterzumachen", sagte Sütterlin: "Es ist gut, dass nichts gebrochen ist, aber ich kann nicht mehr sagen, als dass ich wirklich enttäuscht bin, nach Hause zu fahren."
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