“Die ersten zwei Wochen waren für mich nicht so gut. Ich bin seit der 1. Etappe ein wenig kränklich und nicht hundertprozentig fit", sagte Buchmann am Samstag.
Er wollte sich am Wochenende noch etwas zurückhalten, um dem Körper Erholungszeit zu geben, und hofft vor allem am Montag, dem zweiten Tour-Ruhetag, auf Besserung. "Da hoffe ich, mich zu erholen, um dann richtig angreifen zu können", so Buchmann.
Auf der ersten, leichteren Pyrenäenetappe am Samstag blieb er trotzdem bis ins Ziel in der knapp sieben Minuten nach Etappensieger Bauke Mollema (Trek – Segafredo) ankommenden Favoritengruppe an der Seite von Kelderman.
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Am Sonntag im Hochgebirge ließ Buchmann dann aber am Port d'Envalira reißen, weil er wusste, dass Lukas Pöstlberger am Gipfel wartete, um in der Abfahrt für den Kapitän da zu sein, sollte der einen Defekt bekommen. In der sechs Kilometer kurzen, aber sehr steilen letzten Steigung zum Col de Beixalis hätte der Deutsche dem Niederländer wohl ohnehin nicht helfen können, weil dort schnell die Klassement-Asse unter sich waren.

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Gerade deshalb wird es interessant, wie Bora-hansgrohe die Karte Buchmann – vorausgesetzt er erholt sich am Montag wie angedacht endgültig – in den kommenden Tagen spielt. Es stehen noch drei schwere Pyrenäenetappen an, zwei davon enden mit Bergankünften am Col du Portet (Mittwoch, 17. Etappe) und in Luz Ardiden (Donnerstag, 18. Etappe).
Um dort im absoluten Finale aus dem Hauptfeld heraus noch eine Hilfe für Kelderman sein zu können, müsste der 28-Jährige noch einen deutlichen Leistungssprung schaffen. Deshalb dürfte das Modell 'Relais-Station', so wie die Raublinger es am Sonntag mit Pöstlberger sowie Ineos Grenadiers mit Jonathan Castroviejo und Dylan van Baarle spielten, eine kluge Alternative sein.
Das Gute für die deutschen Fans dabei: Jumbo – Visma zeigte am Sonntag, wie man diese Taktik auch in einen Etappensieg ummünzen kann, wenn sich der Kapitän hinten im Feld gut und komfortabel fühlt. Jonas Vingegaard fühlte sich sicher, also konnte vorne Sepp Kuss zum Tagessieg durchstarten.

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Und auch Kelderman machte bislang einen starken und souveränen Eindruck, schien seine Kräfte gut einschätzen zu können. Das zeigte sich gerade am Col de Beixalis am Sonntag besonders eindrucksvoll: Der Niederländer versuchte nicht, den Antritten der Top 4 zu folgen, sondern fuhr sein Tempo, war unter den zwischenzeitlich Abgehängten am Ende des Anstiegs aber dann der Stärkste und konnte der letzten Tempoverschärfung von Pogacar hin zum Bergpreis noch am besten folgen.
Kelderman scheint gegen Pogacar, Jonas Vingegaard (Jumbo – Visma), Rigoberto Uran (EF Education – Nippo) und Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) keine Chance zu haben, wenn es drauf ankommt. Doch der fünfte Platz ist sehr realistisch. "Ich fühle mich recht gut, habe Zeitverluste verhindern können und bin vor der dritten Woche optimistisch", sagte Kelderman am Sonntagabend.

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Wie sehr Kelderman Buchmann auf den Etappen 16, 17 und 18 an seiner Seite braucht, das muss nun die Teamleitung entscheiden – und vor allem, wann er ihn auf den Etappen jeweils am besten brauchen kann: zur Etappenmitte oder eher ganz am Ende einer Etappe? Kommen Sportdirektor Enrico Poitschke und Co. zu dem Entschluss, dass es gut wäre, so spät am Tag wie möglich noch die Option Buchmann in der Hinterhand zu haben, stünde der Parole "Attacke" für Buchmann nur noch die Erholung am Montag im Weg.
"Er wird noch ein wichtiger Mann für uns werden, davon bin ich fest überzeugt", erklärte Teamchef Ralph Denk bereits vor einer knappen Woche. Ob wichtig als Helfer oder wichtig als Etappenjäger, das ließ er offen.
Die Abwägung dürfte dabei auch so aussehen: Einen Etappensieg durch Nils Politt hat man schon, die Top 5 mit Kelderman sind greifbar. Ist mit Buchmann in einer Gruppe die Chance auf den zweiten Tageserfolg größer, oder das Risiko, statt Platz fünf nur Rang sechs mit dem Niederländer in Paris zu erreichen?
Aber wenn es unter den Klassementfahrern ruhig verläuft, so dass Kelderman keine "Relais-Station" braucht, könnte tatsächlich noch Buchmanns ganz eigene Stunde schlagen. Denn die Pyrenäenberge und das nun heiße Wetter liegen ihm – man denke nur an seinen Parforceritt am Tourmalet vor zwei Jahren, als er allen Favoriten empfindlich auf den Zahn fühlte. Und genau über diesen Tourmalet geht es am Donnerstag auf dem Weg nach Luz Ardiden wieder.
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