Tour de France 2021 - Epische Regenschlacht: Pogacar schenkt der Konkurrenz nochmal ein
VonFelix Mattis
Publiziert 04/07/2021 um 17:43 GMT+2 Uhr
Mit dem Tagessieg eines frühen Ausreißers ist die erste Tour de France-Woche bei der ersten Bergankunft zu Ende gegangen. Der Australier Ben O'Connor triumphierte im Ski-Ort Tignes 2.107 Meter über dem Meer als Solist. Im Kampf ums Gelbe Trikot aber schenkte Titelverteidiger Tadej Pogacar der Konkurrenz nach seinem Parforceritt vom Vortag erneut eine halbe Minute ein und baute seine Führung aus.
Tadej Pogacar - Tour de France
Fotocredit: Imago
Der Slowene vom UAE Team Emirates schüttelte rund vier Kilometer vor dem Ziel all seine Gegner scheinbar spielend ab, als er einen Vorstoß von Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) konterte.
Pogacar erreichte den Zielstrich in Tignes 6:02 Minuten nach Tagessieger O'Connor als Etappensechster – 32 Sekunden vor Carapaz sowie Jonas Vingegaard (Jumbo – Visma), Enric Mas (Movistar), Rigoberto Uran (EF Education – Nippo). Wilco Kelderman (Bora – hansgrohe) kam weitere 13 Sekunden dahinter als 13. an.
"Das Wetter war wirklich schrecklich. Gestern war es schon schlecht, aber heute war es noch viel schlimmer – superkalt und den ganzen Tag hat es geregnet. Ich bin nur froh, dass es vorbei ist und morgen der Ruhetag kommt", sagte Überflieger Pogacar im Ziel.
O'Connor setzte sich als Solist mit mehr als fünf Minuten Vorsprung vor dem Tageszweiten Mattia Cattaneo (Deceuninck – Quick-Step) und dessen italienischem Landsmann Sonny Colbrelli (Bahrain Victorious) durch.
Der Australier und die beiden Italiener hatten einer ursprünglich 42-köpfigen Spitzengruppe angehört, aus der heraus sich O'Connor mit Nairo Quintana (Arkéa – Samsic) und Sergio Higuita (EF Education – Nippo) nach rund halber Renndistanz abgesetzt hatte. Im 21 Kilometer langen Schlussanstieg schüttelte er dann die beiden Kolumbianer ab, die dann noch durchgereicht wurden, und fuhr allein dem Sieg entgegen.
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Das Finale der Bergankunft in Tignes: Solo-Sieg für O'Connor
Quelle: Eurosport
"Es war immer mein Traum eine Etappe hier zu gewinnen. Der erste Schritt ist immer zuerst überhaupt hier teilzunehmen. Ich glaube heute habe ich es jedem bewiesen, der immer an mich geglaubt hat in den letzten Jahren", freute sich O'Connor. "Das sind die Momente, von denen du träumst und es erfüllt mich mit soviel Glück. Ich genieße jeden Moment. Ich bin so happy für mein Team, dass mir soviel Vertrauen entgegengebracht hat und immer an mich geglaubt hat in diesem Jahr."
Dadurch rückte O'Connor auch auf den zweiten Gesamtrang vor. Der Australier hat nun 2:01 Minuten Rückstand aufs Gelbe Trikot von Pogacar. "Ich wollte gar nicht in die Fluchtgruppe gehen. Aber es gab eine große Gruppe in der ich war. Ich habe lange gewartet. Als der Vorsprung weiterwuchs, dachte ich mir, ich kann nur gewinnen - auch im Hinblick auf die Gesamtwertung", so O'Connor.
Und Pogacar erklärte, dass der Australier auch der Grund für seinen Vorstoß im Finale war: "Er war superstark – Glückwunsch an ihn. Ich hatte etwas Sorge gegen Ende, denn ich wollte das Trikot nicht vor dem Ruhetag verlieren. Deshalb habe ich bescheunigt, um sicher zu gehen, dass ich in Gelb bleibe", sagte er.
Dritter ist Uran mit 5:18 Minuten Rückstand vor Vingegaard (+ 5:32), Carapaz (+ 5:33), Mas (+ 5:47) und Kelderman (+ 5:58). Aus den Top 5 herausgefallen sind Wout Van Aert (Jumbo – Visma), der früh abreißen lassen musste, und der Kasache Alexey Lutsenko (Astana – Premier Tech), der sich noch auf Gesamtrang acht halten konnte.
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Tour-Highlights: Erste Bergankunft bringt neuen Pogacar-Jäger
Quelle: Eurosport
Während Pogacar seine Gesamtführung und somit auch jene in der Nachwuchswertung souverän weiter ausbaute, übernahm Quintana das Bergtrikot durch fleißiges Punktesammeln an den insgesamt fünf Alpenpässen des 145 Kilometer langen Teilstücks.
Das Grüne Trikot verteidigte Mark Cavendish (Deceuninck – Quick-Step) im Gruppetto mehr als eine halbe Stunde nach Etappensieger O'Connor. Doch der Vorsprung des Briten in der Punktewertung verkleinerte sich spürbar, weil Colbrelli aus der Spitzengruppe heraus zu Rennbeginn erstens den Zwischensprint gewann und zweitens in beeindruckender Manier Etappendritter wurde. Außerdem punktete auch Michael Matthews (BikeExchange) am Zwischensprint. Cavendish hat nun 168 Punkte, Matthews 130 und Colbrelli 121.
Der Rennverlauf
Schon wenige Minuten nach dem Start in Cluses, wo weder Primoz Roglic noch Mathieu van der Poel noch angetreten waren, begann es zu regnen – und hörte dann bis nach Tignes nicht mehr auf. In der ersten Rennstunde entbrannte trotzdem ein heißer Kampf um die Ausreißergruppe des Tages, bis sich schließlich eine 42 Mann starke Gruppe absetzte. Aus ihr heraus gewann Colbrelli vor Matthews nach 33 Kilometern den Zwischensprint.
Kurz danach explodierte die Gruppe am zweiten Anstieg des Tages, dem Col des Saisies und sechs Mann blieben vorne übrig: O'Connor, Higuita, Quintana, Michael Woods (Israel Start-Up Nation) und Lucas Hamilton (BikeExchange) sowie der bisherige Träger des Bergtrikots, Wout Poels (Bahrain Victorious).
Am Saisies holte Poels die meisten Bergpunkte, doch Quintana war ihm bereits dicht auf den Fersen – und am Col du Pré, dem ersten Ehrenkategorie-Berg der Tour 2021, war es etwa zu Etappenhalbzeit um Poels geschehen. Quintana attackierte nach knapp 80 Kilometern kurz vor dem Bergpreis und nur noch Higuita sowie O'Connor konnten folgen.
Das Trio absolvierte den Cormet de Roseland gemeinsam, Quintana punktete auch dort voll und die Drei hatten nun mehr als acht Minuten Vorsprung auf das den ganzen Tag von Pogacars UAE Team Emirates angeführte Hauptfeld. Damit war O'Connor zwischenzeitlich virtueller Träger des Gelben Trikots. Weil in der Abfahrt vom Roseland Pogacars Helfer Brandon McNulty stürzte und im Tal dann auf ihn gewartet wurde, wuchs der Vorsprung der Spitzenreiter gegenüber dem Maillot Jaune sogar auf neun Minuten an.
Im 21 Kilometer langen Schlussanstieg aber knabberte das Favoritenfeld unter dem UAE-Tempodiktat den Abstand wieder kleiner und es ging für O'Connor vorne nicht mehr um Gelb, sondern nur noch um den Tagessieg.
Doch auch das war gegen die zwei sich verbündenden Kolumbianer Motivation genug, um 17 Kilometer vor dem Ziel zu beschleunigen und Higuita abzuhängen. Kurz zuvor hatte Quintana bereits nicht mehr folgen können. O'Connor hingegen fuhr nun allein dem Ziel entgegen und ließ in Sachen Tageserfolg nichts mehr anbrennen, während die beiden Kolumbianer auf den Schlusskilometern noch durchgereicht wurden.
Carapaz' Angriff als Sprungbrett für Pogacar
Etwa acht Kilometer vor dem Ziel übernahm Ineos Grenadiers die Führung im Favoritenfeld und verkleinerte selbiges prompt spürbar. Vier Kilometer vor dem Ziel lancierte Carapaz dann seine erwartete Attacke, doch sowohl Pogacar als auch Kelderman, Mas, Vingegaard und Uran konnten dem Ecuadorianer folgen.
Kurz darauf setzte der Mann in Gelb einen Antritt drüber und setzte sich von der Konkurrenz scheinbar spielend ab. Pogacar fuhr allein dem Ziel entgegen und kam dort 6:02 Minuten nach O'Connor als Tagessechster an - 32 Sekunden vor Carapaz, Vingegaard, Mas und Uran. Kelderman konnte diesen Vier auf den letzten Metern nicht mehr folgen und verlor 45 Sekunden auf Pogacar.
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Stage 10 profile: Albertville - Valence
Quelle: Eurosport
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