5:20 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten, mehr als zehn Minuten auf Rang vier - einen so überlegenen Tour-Sieger wie Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) bei der 108. Austragung gab es bei der Frankreich-Rundfahrt seit sieben Jahren nicht mehr.
Der Slowene hatte seine Kontrahenten so sehr im Griff wie damals 2014 Vincenzo Nibali seine ärgsten Verfolger. Und während einige nun sagen dürften, dass Pogacar eher an Lance Armstrong, denn an Nibali erinnere, so sei eines hervorgehoben:
Wie Nibali 2014 so profitierte auch Pogacar 2021 vom Ausfall wichtiger Kontrahenten. Damals mussten Titelverteidiger Chris Froome und Alberto Contador in der ersten Tour-Woche aufgeben. Diesmal schied Primoz Roglic aus und auch Geraint Thomas verletzte sich früh.
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"In der Regel können die Tour jedes Jahr nur drei Leute wirklich gewinnen. Das wären dieses Jahr Roglic, Thomas und Pogacar gewesen. Davon ist einer komplett rausgestürzt und der zweite ist dreimal gestürzt, hat sich die Schulter ausgekugelt und ist so gut er konnte weitergefahren. Zwei, die annähernd auf Pogacars Niveau gewesen sind, waren dadurch schon mal weg", meint auch Eurosport-Experte Jens Voigt, dass der große Vorsprung des Gelben Trikots etwas täuschen dürfte.

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Vingegaard verliert als Roglic-Helfer viel Zeit

Zumal Pogacars ärgster Verfolger am Tour-Ende zu Tour-Anfang noch gar nicht aufs Klassement geschaut hatte. Jonas Vingegaard hatte auf der 3. Etappe auf den gestürzten Primoz Roglic gewartet und so 55 Sekunden auf Pogacar verloren, nachdem er schon am Vortag seinem Kapitän zur Mur de Bretagne hinaufgeholfen und anschließend ausrollend zwei Sekunden verschenkt hatte. 57 Sekunden Rückstand brachte der Däne daher quasi unverschuldet schon in den Kampf gegen Pogacar mit.
Hinzu kam auf der vorentscheidenden 8. Etappe am Ende einer durch Hektik, Stürze und schlechtes Wetter brutal harten ersten Tour-Woche der große Coup des Slowenen, als er den Mitfavoriten früh wegfuhr und 3:20 Minuten herausholte.
Erst am Tag zuvor war Roglic eingebrochen, Vingegaard hatte gerade erst die Kapitänsrolle geerbt und war mental wahrscheinlich noch nicht bereit dafür, auf Pogacars Husarenritt sofort zu reagieren. Zusammengerechnet machten dieser eine Tag und Vingegaards Helferdienste für Roglic 4:17 Minuten von 5:20 Minuten Gesamtrückstand aus.

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Voigt über Pogacar: "Es war eine erstaunliche Dominanz"

"In den Bergen hat er nicht mehr allzu viel eingebüßt, sondern eher in der ersten hektischen Woche. Von meinen 24 Frankreich-Rundfahrten als Fahrer und Kommentator war das die anspruchsvollste und härteste Tour mit einer sehr schweren ersten Woche. Es ist untypisch, dass die erste Bergetappe schon so einen Unterschied macht, das sieht man nicht oft", sagt Voigt.
Er hält aber trotzdem auch fest, dass der 22-Jährige Gesamtsieger dennoch eine Stufe über dem Rest stand - und zwar nicht nur bildlich auf dem Podium in Paris: "Aber natürlich war Tadej Pogacar auch unglaublich stark und hat souverän drei Etappen gewonnen und die Tour bestimmt. Es war schon eine erstaunliche Dominanz."

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Tour de France 2021 wie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Erstaunlich fand der Berliner aber nicht nur Pogacar allein, sondern auch den Auftritt einiger weniger Teams, die die Tageserfolge und auch die Wertungstrikots unter sich aufteilten: Pogacar gewann drei Etappen und drei Trikots, Deceuninck - Quick-Step gewann fünf Etappen und holte Grün, Jumbo - Visma gewann vier Etappen, Bahrain Victorious drei Etappen und Alpecin - Fenix gleich von den ersten drei Etappen zwei. Nur acht der 23 Mannschaften haben überhaupt eine Etappe oder ein Trikot gewonnen.
"Es gab wirklich eine Dominanz einiger weniger Mannschaften", so Voigt. "Die wenigen Etappensieger, die da aus der Reihe fallen, waren eben sehr starke Einzelleistungen wie von Nils Politt, Patrick Konrad oder Bauke Mollema. Die haben zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ihre Chancen genutzt, ohne dass ihre Teams außergewöhnlich stark gewesen wären."
Die Tour 2021 fühlte sich also nicht nur im Kampf um Gelb wie das Rennen einer Zwei-Klassen-Gesellschaft an.
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